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Unsere Sicht der Dinge: September 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik
Das gegenseitige Hochschaukeln der Strafzölle im Handelskonflikt zwischen den USA und China verunsichert die Entscheidungsträger in der Wirtschaft. Auch wenn verbal der Fuss wieder vom Gaspedal genommen wird, wirkt sich diese Unsicherheit dämpfend auf die momentane globale Wirtschaftsentwicklung aus. In England wollte Boris Johnson den Brexit mit der Brechstange vollenden. Er ist bereits gescheitert. In der Schweiz stehen im Oktober Wahlen an, ein klimabedingter Linksrutsch ist absehbar.

Währungen
Kurzfristig wird die Währungsentwicklung von den Massnahmen der Notenbanken im Zinsbereich abhängen. Die Gewissheit steigt, dass die Zentralbanken primär die Schwächung der eigenen Währung im Auge haben, um die relative Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportindustrien zu verbessern. Da alle die gleiche expansive Geldpolitik verfolgen, werden sich bei den Hauptwährungen kaum grössere Verschiebungen einstellen. Einzig das britische Pfund wird durch die chaotische Politik stärkeren Schwankungen unterliegen.

Hongkong…
Im Jahr 2047 läuft der Sonderstatus Hongkongs aus. Spätestens dann wird Peking endgültig das Sagen haben. Solange die Hongkonger Geschäfte erfolgreich laufen und sich die Bevölkerung nicht um Politik kümmerte, wurde die Stadt von den Machthabern in Peking in Ruhe gelassen. Eine richtige Demokratie wurde in Hongkong nie installiert. Sowohl der Chef der Sonderverwaltungszone als auch die Mehrheit des Parlaments wird nicht in freien Wahlen bestimmt. Damit wird die Bezeichnung «Ein Land, zwei…

…ein Land, zwei Systeme?
…Systeme» zu Makulatur. Die jungen Demonstranten werden ihre Forderungen nicht durchsetzen können, auch wenn die Regierungschefin nun das umstrittene Ausschaffungsgesetz zurückgezogen hat. Jungen Leuten, denen die Freiheit mehr wert ist als Wohlstand, bleibt nur die Migration in ein demokratisches Land. Peking wird sich allerdings hüten, militärisch zu intervenieren, riskiert es doch, in seinen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zum Westen massiv zurückgeworfen zu werden.

Wirtschaft
In den USA ist der vielbeachtete Stimmungsindikator für die Industrie, der Einkaufsmanagerindex, erstmals seit 2016 wieder unter die 50-Punkte-Marke gefallen. Damit schlägt sich die globale Verlangsamung im verarbeitenden Sektor auch auf die USA nieder. Präsident Trump muss diese Schwäche teilweise auf seine Kappe nehmen. In Europa und der Schweiz haben sich die analogen Indikatoren jüngst auf tiefem Niveau stabilisiert. Insgesamt dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft 2019 auf 3% verlangsamen.

Obligationen / Zinsen
Die Zinsen sind im August weiter gefallen und erreichten vielerorts historische Tiefststände. Wir erachten diese Entwicklung als Übertreibung und empfehlen, selektiv Obligationenbestände abzubauen. Der jüngste Zinsrutsch impliziert unseres Erachtens ein zu negatives Bild für die zukünftige Konjunkturentwicklung. In der Schweiz weisen mittlerweile alle ausstehenden Anleihen der Eidgenossenschaft eine negative Verfallrendite auf. Eine Stabilisierung der Konjunktur würde die Renditen wieder steigen lassen.

Monetäres Umfeld / Inflation
Die US-Notenbank bezeichnete die Zinssenkung im Juli als Versicherungsschritt gegen die globale Konjunkturunsicherheit. Da sich die Lage nicht verbessert hat, ist unseres Erachtens mit zwei weiteren Zinssenkungen im laufenden Jahr zu rechnen. Auch die EZB wird den Einlagensatz für Banken um mindestens 0.1% auf -0.5% senken und das Ende 2018 gestoppte Anleihenrückkaufprogramm wieder aktivieren. Es ist nicht auszuschliessen, dass auch die Schweizerische Nationalbank die Zinsen weiter senkt.

Aktien
Die Aktienmärkte weisen im laufenden Jahr grosse Unterschiede bei der Sektorperformance auf. Zyklische Aktien wurden regelrecht abgestraft, während defensive Branchen neue Höchststände erzielten. In zyklischen Werten ist bereits viel Negatives in den Kursen enthalten und die defensiven Titel werden weiterhin als Obligationenersatz dienen. Wir empfehlen daher, Positionen in Europa und in der Schweiz auszubauen. Europäische Aktien verfügen dank der relativ günstigen Bewertung über Aufholpotenzial.

Asset Allocation
Wir erhöhen unsere Aktienquoten zulasten der Obligationen und der Liquidität. Wir sind damit in Aktien neu übergewichtet und im Obligationenbereich noch stärker untergewichtet. Die massiven Zinsrückgänge im August führen dazu, dass Aktien relativ zu Obligationen und Liquidität an Attraktivität gewonnen haben. Wir glauben, dass die Rezession, welche sich weltweit in der Industrie ausgebreitet hat, 2020 wieder verschwinden wird. Die Aktienmärkte werden darauf bereits im Vorfeld positiv reagieren.