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Unsere Sicht der Dinge: Juni 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Immobilien, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Noch anfangs Mai wurde mit einem Abkommen im Handelsstreit zwischen den USA und China gerechnet. Die Differenzen sind jedoch offenbar zu gross. Die von den USA angekündigten Boykottmassnahmen gegen den chinesischen Technologiegiganten Huawei stellen einen Frontalangriff auf die Spitzentechnologie der Chinesen im Telekombereich dar. Die Schweiz wurde vom US-Aussenminister Mike Pompeo gewarnt, Huawei-Technologie einzusetzen. Eine positive Lösung ist kurzfristig nicht zu erwarten.

Währungen

Die negative Entwicklung im US-chinesischen Konflikt führte zu einer Flucht in den japanischen Yen und den Schweizer Franken. Der USD wird zudem durch die konjunkturellen Unsicherheiten und die tieferen Zinsen kurzfristig belastet. Der starke Einbruch des britischen Pfunds erklärt sich aus dem erhöhten Risiko eines ungeordneten Brexits nach dem Rücktritt von Theresa May. Nach den Europawahlen nimmt sich Brüssel wieder Italiens Budgetpolitik vor, was den EUR kaum unterstützen wird.

Unternehmensschulden USA…

In den USA befinden sich die Firmenschulden ausserhalb des Finanzsektors gemessen am Bruttoinlandsprodukt auf einem Allzeithoch von 47%. Rund 50% aller Unternehmensanleihen verfügt lediglich über ein Kredit-Rating von BBB. 2009 betrug dieser Anteil nur knapp ein Drittel. Seit 2007 ist dieses BBB-Segment um 400% auf USD 3’000 Mrd. gewachsen. Eine ebenfalls gefährliche Entwicklung erfuhr die Kategorie der Leveraged Loans. Diese hochriskanten Kredite, welche an Firmen gewährt…

…ein wachsender (bösartiger) Tumor?

…werden, die bereits hochverschuldet sind, haben sich seit 2007 auf USD 1’150 Mrd. verdoppelt. Die Bündelung dieser Papiere findet den Weg in die Portfolios institutioneller Anleger. Die Subprime-Hypotheken, welche die Finanzkrise vor über zehn Jahren auslösten, stiegen damals innerhalb von zehn Jahren von USD 100 Mrd. auf USD 600 Mrd. Die verzweifelte Suche der Anleger nach Rendite hält die Party am Laufen. Sollte es konjunkturbedingt zu Herabstufungen der Bonitäten kommen, platzt die Blase.

Wirtschaft

In der Schweiz stieg das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal überraschend um 0.6% zum Vorquartal und um 1.7% zum Vorjahr. Damit wurden die Erwartungen übertroffen. Sowohl der private Konsum (+0.4%) als auch die Exporte (+2.2%) stützten die Wirtschaft. Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes zeigen jedoch weltweit eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums an. So ist der globale Wert dieses Indikators erstmals seit 2012 unter die Wachstumsschwelle gefallen (von 50.4 auf 49.8 Punkte).

Obligationen / Zinsen

Die Kapitalmarktzinsen sind weltweit deutlich gefallen. In den USA gingen die Renditen 10-jähriger Staatsobligationen seit April 2018 von rund 3% auf aktuell 2.1% zurück. Dies widerspiegelt die Eintrübung der Konjunkturaussichten bedingt durch die Zuspitzung im Handelskonflikt. Weltweit werden Obligationen im Wert von CHF 11’000 Mrd. negativ verzinst. Nebst der Umverteilung von den Sparern zu den Schuldnern führen zu tiefe Kreditkosten zu Fehlallokationen bei Investitionen und Firmenkäufen.

Monetäres Umfeld / Inflation

Noch im Januar rechneten die Marktteilnehmer mit zwei bis drei Zinserhöhungen in den USA. Nach den jüngsten Turbulenzen an den Kapitalmärkten und Äusserungen der US-Notenbank, die Leitzinsen nach Bedarf zu senken, werden nun eine bis zwei Zinssenkungen erwartet. In der Eurozone liegt die Inflation im Mai bei 1.2%, ohne Energie- und Nahrungsmittel gar bei tiefen 0.8%. Damit verfügt die EZB, nach ihrem Verständnis, über Potenzial für Stimulierungsmassnahmen. In der Schweiz liegt die Inflation bei 0.6%.

Aktien

Das gegenseitige Hochschaukeln allfälliger Massnahmen im Handelsstreit verunsicherte die Aktienmärkte und führte zu Korrekturen. Der Technologiebereich, in dem die gegenseitigen Abhängigkeiten besonders hoch sind, wurde stark zurückgestuft. Solange keine Lösung im Handelskonflikt gefunden wird, dürften die Aktienmärkte volatil bleiben. Eine Stütze verleiht den Dividendenpapieren einmal mehr die Hilfe der Notenbanken. Die US-FED hat bereits entsprechende positive Zinssignale von sich gegeben.

Asset Allocation

Wir belassen unsere aktuellen Investitionsquoten unverändert. Dies bedeutet, angesichts geopolitischer und konjunktureller Risiken, ein leichtes Untergewicht bei den Aktien. Sowohl die OECD als auch die Weltbank haben ihre Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft jüngst reduziert. Damit ist das Aufwärtspotenzial der Aktienmärkte kurzfristig beschränkt. Obligationen sind nach dem jüngsten Zinsrückgang noch unattraktiver geworden, wir bleiben klar untergewichtet. An den Goldpositionen halten wir fest.