MENU
FR   EN   DE  
FR   EN   DE   Kontakt

Unser Netzwerk, unsere Welt

Unsere Sicht der Dinge: Juni 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

In Italien ist es nach einem dreimonatigen Seilziehen doch noch gelungen, eine Regierung zu bilden. Die Lega verspricht Steuererleichterungen und die Cinque Stelle ein Grundeinkommen für Arbeitslose. Das Regierungsprogramm soll Mehrausgaben von EUR 125 Mrd. verursachen. Dies kann sich Italien schlicht nicht leisten. Das Verhältnis zur EU wird damit schwer belastet.

Donald Trump pokert bei den Zolltarifen weiterhin hoch. Kanada, Mexiko, die EU und China leisten Widerstand.

Währungen

Der Euro geriet im Zuge der Querelen in Italien deutlich unter Druck. Die Ratingagentur Moody’s prüft eine Herabstufung der Bonität Italiens, was mit dem geplanten Ausgabenverhalten der neuen Regierung begründet wird. Der Schweizer Franken wurde seinem Ruf als sicherer Hafen gerecht und legte deutlich zu. Der Euro hat im Mai vor allem gegenüber dem US-Dollar merklich an Wert eingebüsst. Die aktuellen Ereignisse bestätigen, dass der Euro eine Fehlkonstruktion ist, welche sich nicht von selbst repariert.

Und nochmals Italien

In Italien sind nun zwei eurokritische Parteien an der Macht. Dies hat dazu geführt, dass sich die Differenz zwischen den Renditen der deutschen und italienischen Staatsanleihen deutlich vergrössert hat. Dieser «Spread» liegt nun bei 2.5%. In Anbetracht der hohen Staatsverschuldung (130% vom BIP) ist das Votum des Lega-Chefs, dass man diesen «Spread» ignorieren könne, eine gefährliche Aussage. Das Vertrauen der Märkte wird damit geschädigt. Die EZB wird Italien nicht retten können.

Wirtschaft

In den USA ist der vielbeachtete ISM-Einkaufsmanager-Index im Mai von 57.3 auf 58.7 Punkte gestiegen und hat damit die Erwartungen übertroffen. Auch der Arbeitsmarktbericht fiel erfreulich aus, konnten doch 223’000 neue Stellen geschaffen werden. In der Eurozone sind entsprechende Indikatoren eher leicht rückläufig, was auf eine tiefere Wachstumsdynamik schliessen lässt. So hat die OECD die Wachstumsprognose für die Eurozone auf 2.2% gesenkt. Für die USA erwartet sie ein Plus von 2.9%.

Obligationen / Zinsen

Die Obligationenkurse haben sich jüngst unterschiedlich entwickelt. Während Schuldner guter Qualität gesucht waren, sind die Titel mit tieferen Ratings unter Druck geraten. Turbulenzen in Italien sowie den Schwellenländern Argentinien und Türkei waren die Gründe für diese Divergenz. Das anhaltend gute weltweite Wirtschaftswachstum und die latente Gefahr höherer Inflationsraten werden aber unseres Erachtens die Zinsen generell weiter steigen lassen. Bonitätsrisiken lohnen sich nicht.

Gold

Der Goldpreis hat auf die jüngsten politischen Unsicherheiten nicht reagiert, obwohl die Fonds, welche physisches Gold verwalten, seit Jahresbeginn stetige Zuflüsse verzeichnen konnten. Sollte die Inflation in den USA in naher Zukunft stärker steigen als die Zinsen, würde dies dem Gold helfen. Geopolitisch sind vor allem die Risiken im Nahen Osten gestiegen, nachdem die USA das Atomabkommen mit dem Iran nicht verlängert haben. Hinsichtlich Portfolios wirkt Gold nach wie vor als Stabilisator.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die Inflationsrate hat sich in der Eurozone im Mai auf 1.9% erhöht (April: 1.2%). Dies ist primär auf höhere Energiepreise zurückzuführen, welche im Vorjahresvergleich um 6.1% zulegten. Die Kerninflation liegt bei 1.1% (0.7%). In den USA dürften die positiven Konjunkturdaten sowie das Lohnwachstum von 2.7% die Notenbank dazu bewegen, die Zinsen im Juni um 0.25% zu erhöhen. Das FED wurde jüngst so interpretiert, dass in weiterer Zukunft nur mit langsamen Zinserhöhungen zu rechnen ist.

Aktien

Die Volatilität an den Aktienmärkten bleibt hoch. Es waren vor allem politische Ereignisse (Handelskonflikte, neue Euro-Schuldenkrise), welche die Märkte bewegten. In den USA entwickelt sich die Wirtschaft weiterhin gut. Die Gewinne der US-Unternehmen stiegen im ersten Quartal um 26%. Die Margen dürften allerdings den Höhepunkt erreicht haben. Steigende Lohn- und Rohstoffkosten sowie höhere Fremdkapitalkosten werden die Ertragskraft schmälern. In der Schweiz belasten die grösseren Werte die Performance.

Asset Allocation

Wir behalten unser leichtes Untergewicht bei den Aktien bei. Begründet ist dies in den politischen Unsicherheiten (Zolltarife, Naher Osten, Stabilität Eurozone) sowie der Gefahr weiter steigender Zinsen. In der Schweiz empfehlen wir kleine Umschichtungen von den defensiven Blue Chips in mittlere und kleinere Unternehmen. Eine gute Konjunktur begünstigt die kleineren Industriewerte, während höhere Zinsen die defensiven Dividendentitel belasten. Gold bleibt übergewichtet, Obligationen stark untergewichtet.