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Unsere Sicht der Dinge: August 2020

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Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die EU-Regierungschefs haben den 750 Mrd. EUR schweren Aufbaufonds nach zähem Ringen beschlossen. Spanien und Italien werden die Hauptnutzniesser dieser Umverteilungsübung sein. Soll die Währungsunion beibehalten werden und damit die Unmöglichkeit, dass strukturschwache Staaten ihre Währung abwerten können, ist dieser Schritt logisch. Der Schritt Richtung Fiskal- und Schuldenunion führt so zu einem Transfersystem, ähnlich wie die Schweiz den Finanzausgleich zwischen den Kantonen kennt.

Währungen

Der EUR konnte sich gegenüber dem USD und dem CHF gut behaupten. Das Wiederaufbauprogramm der EU hilft, die wirtschaftlichen Spannungen zwischen den Ländern im Norden und Süden kurzfristig etwas abzubauen. Gleichzeitig scheint Europa die Pandemie erfolgreicher zu bewältigen als die USA. Die Bereitstellung von USD-Liquidität durch die FED wurde zudem etwas weniger stark benötigt, was die Nachfrage nach USD verkleinert hat. Die Erstarkung des EUR gegenüber dem CHF nimmt Druck von der SNB.

Immobilien

Die an der Schweizer Börse kotierten Immobilienfonds konnten ihre Kursverluste wieder wettmachen. Die riesige Geldschwemme der Notenbanken machen Nominalwerte wie Liquide Mittel oder Obligationen immer unattraktiver. Die Ausschüttungsrendite der Immobilienfonds beträgt dagegen immer noch rund 2.5 %. Da uns das monetäre Umfeld zunehmend Sorgen bereitet, haben wir für Schweizer Anleger in unseren gemischten Portfolios neu eine strategische Immobilienquote (zulasten des Obligationensegments) festgelegt.

Wirtschaft

Die USA verzeichneten im zweiten Quartal einen starken wirtschaftlichen Einbruch. Das Bruttoinlandprodukt sank mit einer annualisierten Rate von 32.9 %. Der Vergleich mit dem Vorjahresquartal (-9.5 %) ist zielführender. Zeitnahe Indikatoren, wie die Beobachtung der Mobilität oder der Einsatz von Kreditkarten zeigen immerhin eine deutliche Erholung. Trotz Kurzarbeit fallen viele Stellen den Restrukturierungen der Firmen zum Opfer. Allfällige, bereits vorher geplante Anpassungen können nun mit Corona begründet werden.

Obligationen / Zinsen

Die Kapitalmarktzinsen tendierten im Juli leicht rückläufig. Die Notenbanken sind bestrebt die Kapitalkosten für die Wirtschaft und die Staaten bis zum Ende der Corona-Krise tief zu halten. Nur so lässt sich die enorme zusätzliche Verschuldung finanziell verkraften. Wie das Schuldenproblem gelöst werden kann, wenn die Tragbarkeit nicht mehr gegeben ist, zeigt einmal mehr Argentinien. Die Gläubiger müssen auf 45 % ihrer Guthaben verzichten und anstehende Rückzahlungen werden vorläufig ins Jahr 2024 verschoben.

Gold

Der Goldpreis in USD erzielte jüngst neue Allzeithöchststände. Dass dies gerade jetzt eintritt, wo sich die Aktienmärkte wieder deutlich erholt haben, überrascht. Gründe für den Anstieg gibt es jedoch genug. Die Realverzinsung in den USA ist negativ und die Neuverschuldung der Staaten wird zunehmend über die Notenpresse finanziert. Der Anteil der ausstehenden US-Staatsanleihen, welcher durch die Notenbank gehalten wird beträgt über 15 %. Bei Investoren wird Gold als Realwertanlage zunehmend beliebter.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank bekräftige an ihrer letzten Sitzung, dass an der expansiven Politik festgehalten werden soll. Die Kreditfazilitäten zugunsten der Wirtschaft wurden bis Ende 2020 verlängert, geplant war September. Zudem sollen die Repo-Fazilitäten und USD-Swaps mit ausländischen Notenbanken und Behörden bis Ende März 2021 aufrechterhalten bleiben. Auch die monatlichen Käufe von Staatsanleihen (80 Mrd. USD) und Hypothekenpapieren (40 Mrd. USD) sollen mindestens im gleichen Tempo weitergeführt werden.

Aktien

Die Gewinnberichterstattung verlief bisher besser als erwartet. In den USA hat per Ende Juli rund die Hälfte aller grossen Gesellschaften ihre Gewinne veröffentlicht. Dabei wurden die Analystenerwartungen bei 85 % der Firmen übertroffen. Der befürchtete negative Effekt auf die Aktienmärkte blieb damit über alles gesehen aus. Aufgrund der Normalisierung der Wirtschaftsentwicklung verfügen zyklische Märkte über Aufholpotential. In der Schweiz sind damit Aktien kleinerer und mittlerer Firmen zu favorisieren.

Asset Allocation

Wir erhöhen die Aktienquote von einem leichten Untergewicht auf Neutral, indem wir die Emerging Markets leicht aufstocken. Der schwache USD und der positive Pandemieverlauf in Asien sind die Hauptgründe für diesen kleinen Schritt. Neu haben wir Immobilienfonds in die strategische CHF-Asset Allocation aufgenommen. Damit setzen wir ein zusätzliches Zeichen, dass wir Realwertanlagen gegenüber nominellen Werten klar bevorzugen. Wir investieren zum Start jedoch eine relativ kleine Quote in Immobilienfonds.