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Unsere Sicht der Dinge: August 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die jüngsten Verhandlungen im Handelspoker zwischen den USA und China enden vorerst in einer Eskalation. Präsident Trump droht mit neuen Zöllen von 10% auf chinesische Importe im Wert von USD 300 Mrd. China reagiert postwendend mit einer Abwertung ihrer Währung, dem Yuan. In der Folge bezichtigen die Amerikaner die Chinesen der Währungsmanipulation. Das Verhandlungsklima ist damit vergiftet, eine schnelle Lösung verlangt Kompromisse seitens der USA. Gefährlich ist die labile Lage in Hongkong.

Währungen

Expansive Signale der US-Notenbank sowie der EZB und die Turbulenzen rund um den Handelskonflikt haben den CHF und den YEN gestärkt. Japan und Südkorea streiten über Entschädigungen an südkoreanische Zwangsarbeiter im zweiten Weltkrieg. Japan streicht in der Folge Südkorea von der Liste vertrauenswürdiger Länder. Die koreanische Währung verlor seit anfangs Jahr rund 11% gegenüber dem Yen. Die Schweizerische Nationalbank dürfte versuchen, den CHF mit Deviseninterventionen zu schwächen.

Immobilien

Gemäss den Spezialisten von WüestPartner sind in der Schweiz die Preise für Eigentumswohnungen in den letzten zwölf Monaten um 2.8% und diejenigen für Einfamilienhäuser um 4.4% gestiegen. Dies liegt nicht zuletzt am Angebot, wird doch im Verhältnis zu den Mietwohnungen deutlich zu wenig Wohneigentum erstellt. Die Angebotsmieten sind dagegen aufgrund der hohen Produktion im Vorjahresvergleich um 1.5% gesunken. Der Leerstand an Mietwohnungen könnte sich dieses Jahr um 9’000 Einheiten erhöhen.

Wirtschaft

Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 2.1% gewachsen. Getragen wurde das Wachstum vom privaten und staatlichen Konsum, schwach präsentierten sich die Investitionen und der Aussenhandel. In Deutschland fällt der IFO-Geschäftsklimaindex auf den tiefsten Stand seit 2014. Die Schwäche verursacht v.a. der Industriesektor. Eine Ansteckung des Dienstleistungsbereichs ist bereits erfolgt. Das Bruttoinlandsprodukt wird in Deutschland 2019 mit weniger als 1% wachsen. Dies ist auch für die Schweiz negativ.

Obligationen / Zinsen

Die vorerwähnten Unsicherheiten trieben die Anleger in Staatsobligationen. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sank seit Ende Juli von 2.05% auf 1.70%. In der Schweiz (-0.9%) und in Deutschland (-0.5%) erreichten die Renditen 10-jähriger Staatsobligationen neue Rekordtiefststände. Global weisen mittlerweile Anleihen im Wert von knapp USD 14 Billionen eine negative Rendite auf. Dies entspricht einem Viertel aller ausstehenden Anleihen. Obligationen guter Qualität sind damit noch unattraktiver geworden.

Gold

Der Goldpreis hat auf die jüngsten Zinssenkungen und die Krisen im Handelsstreit sowie im Iran positiv reagiert, da sich tiefe Realzinsen positiv für das Gold auswirken. Der Realzins errechnet sich aus dem Nominalzins minus der Inflation. Da kurzfristig die nominellen Zinsen stärker gesunken sind als die Inflationserwartungen, erwarten wir weiterhin eine freundliche Stimmung im Goldmarkt. Banken verlangen vermehrt Negativzinsen auf den Konten, was Umlagerungen in physisches Gold oder ETF’s auslösen könnte.

Monetäres Umfeld / Inflation

Zum ersten Mal seit zehn Jahren senkt die US-Notenbank an ihrer Sitzung Ende Juli die Zinsen. Befürchtungen über eine Verlangsamung der US-Wirtschaft sowie ein Verharren der Kerninflation bei 1.6% waren die Begründung für den Zinsschritt von -0.25%. Die europäische Zentralbank beliess zwar die Zinsen unverändert, signalisierte jedoch eine weitere Lockerung. Im September ist mit einer Senkung des Einlagesatzes von -0.4% auf -0.5% zu rechnen. Neue Anleihenkäufe sind ebenfalls angedacht.

Aktien

Donald Trump hat mit seiner jüngsten Drohung gegenüber China eine Korrektur an den Aktienmärkten ausgelöst. Er will 2020 wiedergewählt werden und da er den Erfolg seiner Wirtschaftspolitik nicht zuletzt über steigende Aktienkurse definiert, wird er einen Deal präsentieren müssen, auch wenn dieser die Maximalforderungen der USA nicht erfüllt. Der US-Präsident erhöht mit seinen Tweets auch den Druck auf die Notenbank, die Zinsen weiter zu senken. Für uns heisst das: investiert bleiben und Nerven behalten.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Investitionsquoten unverändert und behalten die leichte Untergewichtung der Aktienquoten vorerst bei, da die Schwächephase noch etwas andauern könnte. Sollten die Aktienmärkte jedoch weiter korrigieren, würden wir die tieferen Kurse für selektive Käufe nutzen. Die Notenbankliquidität sowie eine von uns erwartete Entspannung bei den Handelskonflikten werden die Aktienmärkte stützen. Bei den Obligationen bleiben wir infolge der tiefen Zinsen untergewichtet und im Gold übergewichtet.