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Unsere Sicht der Dinge: August 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die USA und die EU erzielten nach dem Besuch von Jean-Claude Juncker in Washington Fortschritte im Handelskonflikt. Bis die aktuellen Verhandlungen beendet sind, sollen keine neuen Zölle mehr eingeführt werden. Dies ist ein Erfolg für die EU. Mit China hingegen kommen die Gespräche nicht voran. Die USA drohten jüngst, chinesische Güter im Wert von 200 Mrd. USD mit Zöllen von 25% zu belegen. China droht im Gegenzug mit Zöllen auf US-Importe im Wert von 60 Mrd. USD.

Währungen

Im Juli verkehrten die Hauptwährungen gegenüber dem CHF praktisch unverändert. Etliche Marktteilnehmer favorisieren den EUR gegenüber dem USD, da sich die Zinserwartungen in der Eurozone stärker nach oben orientieren als in den USA. Wir glauben, dass die US-Notenbank den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik konsequenter vollziehen wird als die EZB unter Mario Draghi. Dies spricht für den USD. Die nahende Budgetdebatte in Italien wird die Euro-Krise wieder anfachen.

USA gegen China

Während die USA und die EU zu konstruktiven Gesprächen zurückgefunden haben, sind die USA und China unversöhnlich. Der Handelsbilanzüberschuss der Chinesen von rund 350 Mrd. USD missfällt Donald Trump. Dessen Reduktion ist Teil seiner «America First»-Politik. Die Chinesen waren seit ihrem Beitritt zur WTO 2001 daran gewöhnt, vom Westen «hofiert» zu werden. Der gigantische Markt lockte viele Firmen an. Es bestand die Hoffnung, dass die Hürden und Auflagen für den Marktzutritt irgendwann beseitigt würden. Staatlich subventionierte und gelenkte Kolosse, Patentverletzungen sowie das Hemmnis, dass chinesische Firmen vorbehaltlos durch ausländische Unternehmen übernommen werden können, zeigen jedoch den Rückstand der Chinesen in Sachen liberaler Wirtschaftspolitik. China muss seinen Lippenbekenntnissen zum freien Handel nun Taten folgen lassen und Donald Trump muss lernen, dass der isolierte Blick auf das eigene Handelsbilanzdefizit nicht zielführend ist.

Wirtschaft

Im zweiten Quartal verzeichnete die US-Wirtschaft ein annualisiertes Wachstum von 4.1%. Andererseits schwächten sich der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie von 60.2 auf 58.1 Punkte ab und der gleiche Indikator für die Dienstleistungen von 59.1 auf 55.7 Punkte. 49% der befragten Industriebetriebe äusserten sich besorgt über die US-Handelspolitik. Im Juni waren es noch 38%, im März 32%. Diese Skepsis kann das Investitionsverhalten negativ beeinflussen und so die aktuelle Dynamik bremsen.

Obligationen / Zinsen

Die ausgehende Unsicherheit von den Handelskonflikten hält die Kapitalmarktzinsen tief. Falls sich die Weltkonjunktur jedoch nicht deutlich abkühlt, dürften die Zinsen weiter steigen. Höhere Importzölle werden zudem auf die Verbraucherpreise überwälzt, was die Inflation erhöht. Das höhere Zinsniveau trifft die Schuldner mit schlechter Bonität überdurchschnittlich, da der Markt für solche Papiere eine höhere Risikoentschädigung einfordern wird. Wir empfehlen risikoarme Anlagen mit kurzer Laufzeit.

Monetäres Umfeld / Inflation

In der Schweiz betrug die Jahresteuerung im Juli 1.2%. Dabei verteuerten sich die Importgüter um 3.4% und die Inlandpreise stiegen um 0.5%.

Die EZB wird ihr Wertpapierkaufprogramm von 30 Mrd. EUR pro Monat bis Ende September fortsetzen und danach auf 15 Mrd. EUR reduzieren. Ende 2018 sollte die Aktion beendet sein. Damit wird die EZB für 2.6 Bio. EUR Wertpapiere gekauft haben (davon 2 Bio. EUR Staatsanleihen). Die Inflationsrate liegt in der Eurozone bei 2.1% und erfüllt den Zielbereich.

Aktien

Die Aktienmärkte waren im Juli positiv gestimmt. Gute Halbjahresergebnisse sowie eine vorläufige Beruhigung im Handelsstreit zwischen den USA und der EU sind die Gründe. Da sich gewisse Frühindikatoren etwas abschwächten, war auf Sektorebene eine deutliche Rotation hin zu defensiven Werten zu verzeichnen. Dies half insbesondere dem Swiss Market-Index, wo die Schwergewichte aus dem Pharmabereich deutlich zulegten. Kurzfristig rechnen wir eher mit einer Seitwärtsbewegung.

Asset Allocation

Wir behalten im Aktienbereich unsere neutrale Gewichtung bei. Die Berichtssaison über das erste Semester geht langsam zu Ende. In den USA vermochten die Firmen im Durchschnitt zu überzeugen, stiegen doch die Gewinne um rund 24%. Politische Themen (Handelsstreit, Iran) werden jedoch in den nächsten Wochen wieder in den Vordergrund rücken. Die deutliche Untergewichtung bei den Obligationen bleibt bestehen, ebenso das Übergewicht beim Gold. Der Goldpreis leidet aktuell unter hohen Leerverkäufen.