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Unsere Sicht der Dinge: April 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die politischen Behörden haben weltweit Massnahmen ergriffen, welche einen Grossteil der Wirtschaft ins künstliche Koma versetzten. China rühmt sich als vorbildlicher Krisenmanager, dabei versuchte Peking die Existenz des Virus am Anfang zu vertuschen. Die USA reagierten ihrerseits zu spät, Donald Trump unterschätzte die Gefahr. Die UNO hat es bis vor kurzem nicht geschafft, die Corona-Krise auf die Agenda zu setzen. Der Sicherheitsrat wird von den Chinesen präsidiert. Es fehlt an guter Kooperation.

Währungen

Der US-Dollar wurde als Leitwährung unter Stress gesetzt. Liquiditätsengpässe am US-Dollarfinanzierungsmarkt führten zu heftigen Kursausschlägen. Die US-Notenbank stellte daraufhin anderen Zentralbanken Swap (Tausch)-Arrangements zur Verfügung, wonach andere Währungen in USD gewechselt werden können. Zusätzlich wird eine neue Repo-Fazilität zur Verfügung gestellt, wo ausländische Notenbanken der FED US-Staatsanleihen gegen USD verkaufen können. Da zeigt die FED Führungsstärke.

Exit…

Für die Schweiz werden die Kosten für den momentanen Lockdown auf CHF 15 Mrd. pro Monat geschätzt. Die griffigen Abfederungsmassnahmen des Bundes mit Kurzarbeit, Überbrückungskrediten und Rechtsstillstand für Konkursverfahren verhindern einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit und eine Pleitewelle im Firmenbereich effizient. Vor allem Kleinstbetriebe verfügen über wenig Reserven, Existenzen sind gefährdet. In der Diskussion um die beste Eindämmungsstrategie des Corona Virus reicht das Spektrum…

… oder Exitus?

…von einer kontrollierten Durchseuchung (zwecks Steigerung der Immunität) bis zu einer länger andauernden rigiden Abschottung. Wir halten einen pragmatischen Mittelweg für die schrittweise Wiederbelebung des wirtschaftlichen- und gesellschaftlichen Lebens für vernünftig. Der maximale Gesundheitsschutz würde die Wirtschaft zum Patienten machen, welcher bald auf der Intensivstation landen würde. Das Fazit „Operation gelungen, Patient (Wirtschaft) gestorben“ wäre dann der wahre Super Gau der jetzigen Krise.

Wirtschaft

In den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosengeld um rund 10 Mio. gestiegen. Der höchste Wert wurde bisher im Oktober 1982 mit knapp 700’000 Anträgen gemessen. Wie stark die Weltwirtschaft leiden wird ist sehr schwierig abzuschätzen, ein Rückgang des globalen Bruttoinlandprodukts um 1% – 2% ist möglich. 2008 schrumpfte die Weltwirtschaft um 1.7%. Die Hoffnungen ruhen auf China, welches rund ein Quartal Vorsprung im Pandemiezyklus aufweist. In der Schweiz könnte das BIP um 3% bis 4% einbrechen.

Obligationen / Zinsen

Die staatlich erzwungene Bremswirkung auf die Wirtschaftsentwicklung setzte Unternehmensanleihen und Emerging Markets Obligationen unter Druck. Die gestiegenen Ausfallwahrscheinlichkeiten führten zu höheren Risikoprämien, Anleger verlangen demnach für riskantere Papiere schlagartig eine höhere Rendite. Diese Entwicklung bereitet uns in Anbetracht der generell hohen Schuldenstände (Staaten und Unternehmen) Sorgen. Die lockere Geldpolitik schuf über Jahre falsche Anreize für Schuldner und Gläubiger.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank hat die Leitzinsen weiter gesenkt, die Spanne liegt nun bei 0% bis 0.25%. Gleichzeitig hat sich die Bilanz der Notenbank von USD 4.3 Billionen auf USD 5.8 Billionen ausgeweitet. Käufe von Staatsanleihen und hypothekarbesicherten Wertpapieren sowie die Vergabe von Corona-Notfallkrediten führten zu dieser im Ausmass nie dagewesenen Ausdehnung. Auch die EZB erklärt sich bereit im Rahmen des Pandemie Emergency Purchase Programms für EUR 750 Mrd. Anleihen zu kaufen.

Aktien

Der März war ein schwarzer Monat für die weltweiten Aktienmärkte. Der Schweizer Aktienmarkt kam dank der hohen Gewichtung der defensiven Sektoren Pharma und Nahrungsmittel vergleichsweise glimpflich weg. Kleinere und mittlere Gesellschaften verloren weltweit überdurchschnittlich an Wert, sind sie doch sowohl produktemässig wie geographisch weniger gut diversifiziert. Wir erwarten weiterhin starke Schwankungen. Tradingorientierte Anleger können diese durch antizyklisches Handeln nutzen.

Asset Allocation

Wir belassen die aktuelle Asset Allocation unverändert. Dies bedeutet ein leichtes Untergewicht bei Aktien, ein Untergewicht bei Obligationen und ein Übergewicht beim Gold. Die Ausschläge an den Aktienmärkten sind nach wie vor hoch, was die starke Unsicherheit der Anleger widerspiegelt. Zukäufe von Aktienpositionen bei Rückschlägen sind sinnvoll, um die strategischen Gewichte wieder ins Lot zu bringen. Trotz des nervenaufreibenden Umfeldes sollten emotionale Anlageentscheide vermieden werden.