Unsere Sicht der Dinge: Dezember 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die Wahlen in England werden zeigen, ob der Brexit nun doch vollzogen werden kann. Sollten die Tories die Wahlen gewinnen, wird Boris Johnson England per Ende Januar 2020 aus der EU führen. Ein umfassendes Freihandelsabkommen würde dann das Verhältnis zur EU regeln. Im Handelsstreit zwischen den USA und China lässt ein Teilabkommen weiter auf sich warten. Dass die USA die Demonstranten in Hongkong explizit unterstützen hilft nicht. Der Machtkampf der beiden Grossmächte bleibt uns erhalten.

Währungen

Kurzfristig spannend bleibt die Entwicklung des englischen Pfunds. Laut jüngsten Umfragen führt die Partei von Boris Johnson mit 43% Wähleranteil deutlich vor Labour mit 33%. Sollten sich die Umfragen bewahrheiten, würde dies dem Pfund weitere Unterstützung bieten. Ansonsten hat sich die Volatilität an den Devisenmärkten weiter zurückgebildet. Strukturell bleibt der Schweizer Franken eine relativ starke Währung (EZB bleibt ultraexpansiv), was unsere Notenbank auch weiterhin zwingt, den schwachen Euro zu stützen.

Immobilien

Eine Studie der Zürcher Kantonalbank zeigt auf, dass sich in der Schweiz nur noch 20% der Mieterhaushalte aufgrund ihres Einkommens für eine Hypothek qualifizieren. Vor zwanzig Jahren waren es noch 50%. Nimmt man das erforderliche Eigenkapital als Massstab, sind es nur 10%. Mietwohnungen lassen sich infolge des Anlagenotstandes institutioneller Anleger besser verkaufen als Stockwerkeigentum. Nebst den tiefen Zinsen wirkt damit auch das knappe Angebot an neuen Eigentumswohnungen preistreibend.

Wirtschaft

Obwohl sich die Frühindikatoren für die Industrie weltweit auf tiefem Niveau stabilisieren, ist noch kein Aufschwung in Sicht. Für einmal vermochten die Umfragen in Europa und China die Erwartungen zu übertreffen, während die Daten in den USA enttäuschend ausfielen. In Deutschland belastet der Umbruch in der Automobilindustrie. Der angekündigte Personalabbau in diesem wichtigen Industriezweig beträgt für 2019 kumuliert rund 50’000 Stellen. Das sind 6% der in der Autoindustrie beschäftigten Personen.

Obligationen / Zinsen

Die Obligationenrenditen haben sich von ihren Tiefstständen im August etwas nach oben bewegt. Die US-Notenbank wird die Zinsen vorderhand nicht weiter senken, konnten doch im November 266’000 neue Stellen geschaffen werden, was dem höchsten Wert seit Januar entspricht. Zudem ist die Arbeitslosenquote in den USA auf 3.5% gefallen. Das moderate Wachstum der Weltwirtschaft sowie der ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China verhindern jedoch einen weiteren deutlichen Zinsanstieg.

Gold

Die jüngsten politischen Entspannungen beim Brexit und dem Handelskonflikt USA – China sowie der Zinsanstieg der Kapitalmarktrenditen aufgrund der Stabilisierung der zyklischen Frühindikatoren setzten den Goldpreis etwas unter Druck. Die anhaltend expansive Geldpolitik der Notenbanken sowie die nach wie vor tiefen oder gar negativen Realzinsen dürften dem Goldpreis nächstes Jahr wieder Auftrieb geben. Die tiefe Korrelation des Goldpreises mit den Aktienmärkten beeinflusst das Portfoliorisiko positiv.

Monetäres Umfeld / Inflation

In der Schweiz liegt die Teuerung mit -0.1% seit zwei Monaten wieder im negativen Bereich. Dies gäbe der Schweizerischen Nationalbank die Möglichkeit, die Zinsen weiter zu senken. Der Unmut der Sparer wächst jedoch zunehmend, weshalb wir erwarten, dass die SNB am Status Quo nichts ändern wird. Derweil sinnieren Notenbanker in den USA und Europa, ob sie sich nicht auch noch um Umverteilungspolitik und Klimawandel kümmern sollten. Die Machtausweitung der grossen Notenbanken ist beunruhigend.

Aktien

Die weltweiten Aktienmärkte konnten sich auch im November positiv in Szene setzen. Die absoluten Bewertungen sind im historischen Vergleich recht hoch. Betrachtet man jedoch die relative Bewertung zu den Obligationen, sieht diese vernünftig aus. Aktien bleiben damit attraktiv, solange die Zinsen tief bleiben. In der Schweiz werden den Bankkunden vermehrt Negativzinsen auf Konten belastet, was den Druck erhöht, das Geld zu investieren. Obwohl die Luft dünner wird, kommt man an Aktienanlagen nicht vorbei.

Asset Allocation

Die aktuellen Quoten der verschiedenen Anlageklassen bleiben unverändert. Im Aktienbereich haben zurückgebliebene Value-Aktien noch Aufholpotenzial. Um allfällige Rückschläge etwas zu dämpfen, können auch Produkte mit tieferer Volatilität (Low Volatility) zielführend sein. Generell gilt für die Asset Allocation, dass Realwerte (Aktien, Gold, teilweise Immobilien) den Nominalwerten (Obligationen, Liquidität) aufgrund der geldpolitischen Experimente der Notenbanken überzugewichten sind.

Unsere Sicht der Dinge: Januar 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die Turbulenzen an den Aktienmärkten sowie deutliche Anzeichen einer wirtschaftlichen Verlangsamung erhöhen den Druck auf die USA und China, im Handelsstreit Lösungen zu erarbeiten. Die EU lässt im Dezember gegenüber der Schweiz verlauten, dass ohne Rahmenvertrag keine neuen Marktzugangsabkommen mehr möglich sind. Ebenso betroffen wären bestehende Verträge, welche nicht mehr aktualisiert werden könnten. Die Anerkennung der Börsenäquivalenz wurde um sechs Monate verlängert.

Währungen

Die Wirkung der fiskalpolitischen wird 2019 in den USA nachlassen, sodass die US-Wirtschaft in ein gemächlicheres Wachstum mündet. Dies wird unseres Erachtens den Aufwertungsdruck auf den USD bremsen (nahes Ende des Zinserhöhungszyklus). Der Euro ist jedoch nach wie vor keine valable Alternative. Der Entscheid des Europäischen Gerichtshofs, dass die Anleihenkäufe der EZB am Sekundärmarkt rechtens seien, stellen einen Freipass zur Staatsfinanzierung via Notenpresse dar.

Immobilien

Erstmals seit fünf Jahren verloren indirekte Immobilienanlagen (Immobilienfonds) in der Schweiz an Wert (-5.3%). Der durchschnittliche Aufschlag (Agio) gegenüber dem inneren Wert ist im Durchschnitt aller Immobilienfonds von 29.4% auf 15.7% zurückgegangen. Damit hat sich die Bewertung etwas normalisiert, ist aber immer noch zu hoch. Die Leerstandsquote für Mietwohnungen steigt seit acht Jahren an und beträgt nun 2.5%. Auch für 2019 ist mit einem weiteren Anstieg an leeren Wohnungen zu rechnen.

Wirtschaft

Die Frühindikatoren haben sich im Dezember eingetrübt. In den USA sank der Einkaufsmanagerindex für die Industrie von 59.3 auf 54.1 Punkte. Dies signalisiert eine Wachstumsverlangsamung, aber noch keine Rezession. Für eine weiche Landung sprechen die pragmatische Haltung der US-Notenbank, tiefe Rohstoffpreise und sinkende Inflationserwartungen. Für die Weltwirtschaft wird 2019 ein Wachstum von rund 3.5% erwartet. Die Schwellenländer wachsen dabei um 4.5%, die Industriestaaten um 2%.

Obligationen / Zinsen

Im Dezember profitierten Staatsobligationen vom Verkaufsdruck an den Aktienmärkten. In den USA sank dadurch die Rendite zehnjähriger Regierungsanleihen von 3% auf unter 2.7%. Damit wurde die Zinskurve invers, d.h. die kurzfristigen Zinsen lagen leicht höher als die langfristigen. Für viele Analytiker gilt dies als Signal für eine Rezession. Da jedoch das Zinsniveau unter 3% liegt (frühere Zyklen 5% bis 6%), entfällt die brüske Bremswirkung der Geldpolitik. Obligationen bleiben insgesamt unattraktiv.

Gold

Im Zuge der jüngsten Entspannung bei den Kapitalmarktzinsen und den Einbrüchen an den Aktienmärkten erwies sich Gold erneut als Stabilisator. Die Erwartung, dass sich der Zinserhöhungszyklus in den USA langsam seinem Ende nähert und damit der Aufwertungsdruck auf den USD nachlässt, wird den Goldpreis weiterhin unterstützen. Schwelende Krisenherde wie beispielsweise die maroden Banken in Italien werden auch 2019 für Turbulenzen sorgen. Wir erachten Gold weiterhin als Krisenwährung.

Monetäres Umfeld / Inflation

Der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, hat jüngst kommuniziert, dass der neutrale Leitzins über der aktuellen Marke liegt. Dies gibt der Notenbank die Möglichkeit, zukünftige Zinsentscheide entlang der erwarteten Wirtschaftsentwicklung auszurichten. Im Vergleich zur EZB oder Schweizerischen Nationalbank verfügt die US-Notenbank damit über einen komfortablen geldpolitischen Spielraum. Die Inflationsraten tendieren infolge der schwachen Energiepreise kurzfristig rückläufig.

Aktien

Das schwierige Aktienjahr 2018 endete mit äusserst scharfen Korrekturen im Dezember. Die Zinserhöhung der US-Notenbank wurde von den Märkten als Kampfansage der Notenbank gegenüber dem Präsidenten interpretiert. Der US-Aktienmarkt verlor daraufhin im Dezember 10%. Wir erachten die Korrekturen als übertrieben und erwarten eine Gegenbewegung. Die Bewertung der Aktien ist auf den aktuellen Niveaus und unter Berücksichtigung der tiefen Zinsen angemessen. Selektive Käufe sind angezeigt.

Asset Allocation

Wir reduzieren unsere Positionen bei den USD-Anleihen zugunsten von CHF-Liquidität und von Ermerging Markets-Aktien. Damit sind wir bei den Aktien aufstrebender Länder wieder neutral gewichtet. Die Bewertung dieser Anlagekategorie ist nach den letztjährigen Korrekturen günstig und das Wirtschaftswachstum liegt nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt der Industrieländer (China +6%, Indien +7%). Insgesamt sind wir bei Aktien übergewichtet, bei den Obligationen untergewichtet und beim Gold übergewichtet.