Unsere Sicht der Dinge: Oktober 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die Welthandelsorganisation WTO entschied, dass die EU den Flugzeugbauer Airbus zu unrecht subventioniert hat und erlaubt, den USA Zölle auf einen Warenwert von USD 7.5 Mrd. zu erheben. Seit über 15 Jahren dauert dieser Streit bereits an und zeigt damit die Trägheit der WTO. Schlimmer wäre allerdings, wenn die USA im November Zölle auf europäische Autos und Autoteile erheben würden. Im Handelsstreit mit China zeichnet sich trotz fortgesetzten Verhandlungen keine substanzielle Lösung ab.

Währungen

Die schwache Konjunktur in der Eurozone und die expansivere Geldpolitik der EZB dürften den Euro schwächen. Im Gegensatz zur EZB, welche den Einlagesatz für Banken von -0.40% auf -0.50% gesenkt hat, verzichtete die SNB auf eine Zinssenkung. Die EZB kauft zudem monatlich wieder Anleihen im Wert von EUR 20 Mrd. Sollte die US-Notenbank entgegen dem allgemeinen Konsens Ende Oktober eine etwas mutigere Zinssenkung vornehmen, wird sich auch der USD gegenüber dem CHF etwas abschwächen.

Verschuldung, auch in der Schweiz…

In der Schweiz beträgt die Staatsverschuldung (Bund, Kantone, Gemeinden) rund 28% des Bruttoinlandprodukts. Seit 2004 sind diese Schulden um 18% gesunken, der Anteil am BIP betrug damals 47%. Dieser Erfolg ist u.a. auf die Schuldenbremse zurückzuführen, welche 2001 vom Volk beschlossen wurde. Anders sieht es bei der Hypothekarverschuldung aus. Diese beträgt über CHF 1’000 Mrd. was rund 145% des BIP entspricht. 2004 betrug dieser Anteil noch 105%. Das Hypothekenvolumen ist seit 2004…

…nicht unproblematisch

…um 94% gestiegen. Auch bei den Konsum-, Bar- und Autoleasingkrediten ist seit 2004 ein Anstieg um rund 60% festzustellen, allerdings ist dort das Volumen mit rund CHF 24 Mrd. eher bescheiden. Stark zugenommen haben dabei Leasingkredite. Gemäss dem Schweizerischen Leasingverband werden in der Schweiz 50% aller Autos geleased. Die Schweiz steht in punkto Staatsverschuldung sehr gut da, bei der Hypothekar- und Privatverschuldung sieht es dagegen infolge der Tiefzinspolitik eher besorgniserregend aus.

Wirtschaft

In den USA sank der stark beachtete Einkaufsmanagerindex für die Industrie im September von 49.1 auf 47.8 Punkte und verfehlte damit die Erwartungen. Der Index sank damit auf den tiefsten Stand seit 2009 und lässt Rezessionsbefürchtungen aufkommen. In der Schweiz fiel der vergleichbare Frühindikator auf 44.6 Punkte, was ebenfalls dem schlechtesten Wert seit Juli 2009 entspricht. In Deutschland revidierten führende Prognoseinstitute das Wirtschaftswachstum für 2019 auf noch 0.5% herunter.

Obligationen / Zinsen

Nachdem die Kapitalmarktzinsen im September wieder leicht gestiegen sind, werden sie infolge der tieferen Inflationserwartungen und der relativ schwachen Weltwirtschaft kaum weiter steigen. Schlechte Schuldner können jedoch in wirtschaftlich schlechteren Zeiten nur bedingt vom tiefen Zinsniveau profitieren. Dies zeigte der Konkurs des Reisekonzerns Thomas Cook, welcher für Kredite rund 6% Zinsen bezahlen musste. Steigende Bonitätsrisiken dürften die Obligationenmärkte vermehrt belasten.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die Inflationsraten liegen in den USA und in der Eurozone deutlich unter den Marken von 2%, welche von den Notenbanken als «Preisstabilität» bezeichnet werden. In der Schweiz stieg der Konsumentenpreisindex im September um lediglich 0.1%. Zusammen mit den schwächeren Konjunkturdaten ermöglicht dies den Zentralbanken, die Geldschleusen weiter zu öffnen. In den USA könnte dies gar bedeuten, dass die FED im Oktober eine Zinssenkung von 0.5% vornimmt, um den Abschwung abzudämpfen.

Aktien

Die weltweiten Aktienmärkte gerieten aufgrund aufkeimender Rezessionsängste und neuer Provokationen von Präsident Trump gegenüber China unter Druck. Vor allem konjunkturabhängige Firmen, welche im September noch freundlich tendierten, mussten jüngst herbe Rückschläge verkraften. Der Oktober gilt saisonal als turbulenter Monat. Wir erwarten jedoch, dass sich die Aktienmärkte wieder beruhigen werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die bevorstehenden Firmenresultate die Erwartungen erfüllen.

Asset Allocation

Wir belassen unsere aktuelle Asset Allocation unverändert. In Aktien bleiben wir somit übergewichtet und in Obligationen deutlich untergewichtet. Die Bewertung der Aktienmärkte ist im Vergleich zu den Festverzinslichen nach wie vor deutlich attraktiver. Wir erwarten, dass insbesondere in Deutschland die tiefe Staatsverschuldung zur Stimulierung der Wirtschaft genutzt wird. Dies dürfte der Konjunktur mehr helfen als die lockere Geldpolitik der EZB. Die neue Chefin des IWF hat sich bereits in diese Richtung geäussert.

Unsere Sicht der Dinge: September 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik
Das gegenseitige Hochschaukeln der Strafzölle im Handelskonflikt zwischen den USA und China verunsichert die Entscheidungsträger in der Wirtschaft. Auch wenn verbal der Fuss wieder vom Gaspedal genommen wird, wirkt sich diese Unsicherheit dämpfend auf die momentane globale Wirtschaftsentwicklung aus. In England wollte Boris Johnson den Brexit mit der Brechstange vollenden. Er ist bereits gescheitert. In der Schweiz stehen im Oktober Wahlen an, ein klimabedingter Linksrutsch ist absehbar.

Währungen
Kurzfristig wird die Währungsentwicklung von den Massnahmen der Notenbanken im Zinsbereich abhängen. Die Gewissheit steigt, dass die Zentralbanken primär die Schwächung der eigenen Währung im Auge haben, um die relative Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportindustrien zu verbessern. Da alle die gleiche expansive Geldpolitik verfolgen, werden sich bei den Hauptwährungen kaum grössere Verschiebungen einstellen. Einzig das britische Pfund wird durch die chaotische Politik stärkeren Schwankungen unterliegen.

Hongkong…
Im Jahr 2047 läuft der Sonderstatus Hongkongs aus. Spätestens dann wird Peking endgültig das Sagen haben. Solange die Hongkonger Geschäfte erfolgreich laufen und sich die Bevölkerung nicht um Politik kümmerte, wurde die Stadt von den Machthabern in Peking in Ruhe gelassen. Eine richtige Demokratie wurde in Hongkong nie installiert. Sowohl der Chef der Sonderverwaltungszone als auch die Mehrheit des Parlaments wird nicht in freien Wahlen bestimmt. Damit wird die Bezeichnung «Ein Land, zwei…

…ein Land, zwei Systeme?
…Systeme» zu Makulatur. Die jungen Demonstranten werden ihre Forderungen nicht durchsetzen können, auch wenn die Regierungschefin nun das umstrittene Ausschaffungsgesetz zurückgezogen hat. Jungen Leuten, denen die Freiheit mehr wert ist als Wohlstand, bleibt nur die Migration in ein demokratisches Land. Peking wird sich allerdings hüten, militärisch zu intervenieren, riskiert es doch, in seinen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zum Westen massiv zurückgeworfen zu werden.

Wirtschaft
In den USA ist der vielbeachtete Stimmungsindikator für die Industrie, der Einkaufsmanagerindex, erstmals seit 2016 wieder unter die 50-Punkte-Marke gefallen. Damit schlägt sich die globale Verlangsamung im verarbeitenden Sektor auch auf die USA nieder. Präsident Trump muss diese Schwäche teilweise auf seine Kappe nehmen. In Europa und der Schweiz haben sich die analogen Indikatoren jüngst auf tiefem Niveau stabilisiert. Insgesamt dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft 2019 auf 3% verlangsamen.

Obligationen / Zinsen
Die Zinsen sind im August weiter gefallen und erreichten vielerorts historische Tiefststände. Wir erachten diese Entwicklung als Übertreibung und empfehlen, selektiv Obligationenbestände abzubauen. Der jüngste Zinsrutsch impliziert unseres Erachtens ein zu negatives Bild für die zukünftige Konjunkturentwicklung. In der Schweiz weisen mittlerweile alle ausstehenden Anleihen der Eidgenossenschaft eine negative Verfallrendite auf. Eine Stabilisierung der Konjunktur würde die Renditen wieder steigen lassen.

Monetäres Umfeld / Inflation
Die US-Notenbank bezeichnete die Zinssenkung im Juli als Versicherungsschritt gegen die globale Konjunkturunsicherheit. Da sich die Lage nicht verbessert hat, ist unseres Erachtens mit zwei weiteren Zinssenkungen im laufenden Jahr zu rechnen. Auch die EZB wird den Einlagensatz für Banken um mindestens 0.1% auf -0.5% senken und das Ende 2018 gestoppte Anleihenrückkaufprogramm wieder aktivieren. Es ist nicht auszuschliessen, dass auch die Schweizerische Nationalbank die Zinsen weiter senkt.

Aktien
Die Aktienmärkte weisen im laufenden Jahr grosse Unterschiede bei der Sektorperformance auf. Zyklische Aktien wurden regelrecht abgestraft, während defensive Branchen neue Höchststände erzielten. In zyklischen Werten ist bereits viel Negatives in den Kursen enthalten und die defensiven Titel werden weiterhin als Obligationenersatz dienen. Wir empfehlen daher, Positionen in Europa und in der Schweiz auszubauen. Europäische Aktien verfügen dank der relativ günstigen Bewertung über Aufholpotenzial.

Asset Allocation
Wir erhöhen unsere Aktienquoten zulasten der Obligationen und der Liquidität. Wir sind damit in Aktien neu übergewichtet und im Obligationenbereich noch stärker untergewichtet. Die massiven Zinsrückgänge im August führen dazu, dass Aktien relativ zu Obligationen und Liquidität an Attraktivität gewonnen haben. Wir glauben, dass die Rezession, welche sich weltweit in der Industrie ausgebreitet hat, 2020 wieder verschwinden wird. Die Aktienmärkte werden darauf bereits im Vorfeld positiv reagieren.

Unsere Sicht der Dinge: August 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die jüngsten Verhandlungen im Handelspoker zwischen den USA und China enden vorerst in einer Eskalation. Präsident Trump droht mit neuen Zöllen von 10% auf chinesische Importe im Wert von USD 300 Mrd. China reagiert postwendend mit einer Abwertung ihrer Währung, dem Yuan. In der Folge bezichtigen die Amerikaner die Chinesen der Währungsmanipulation. Das Verhandlungsklima ist damit vergiftet, eine schnelle Lösung verlangt Kompromisse seitens der USA. Gefährlich ist die labile Lage in Hongkong.

Währungen

Expansive Signale der US-Notenbank sowie der EZB und die Turbulenzen rund um den Handelskonflikt haben den CHF und den YEN gestärkt. Japan und Südkorea streiten über Entschädigungen an südkoreanische Zwangsarbeiter im zweiten Weltkrieg. Japan streicht in der Folge Südkorea von der Liste vertrauenswürdiger Länder. Die koreanische Währung verlor seit anfangs Jahr rund 11% gegenüber dem Yen. Die Schweizerische Nationalbank dürfte versuchen, den CHF mit Deviseninterventionen zu schwächen.

Immobilien

Gemäss den Spezialisten von WüestPartner sind in der Schweiz die Preise für Eigentumswohnungen in den letzten zwölf Monaten um 2.8% und diejenigen für Einfamilienhäuser um 4.4% gestiegen. Dies liegt nicht zuletzt am Angebot, wird doch im Verhältnis zu den Mietwohnungen deutlich zu wenig Wohneigentum erstellt. Die Angebotsmieten sind dagegen aufgrund der hohen Produktion im Vorjahresvergleich um 1.5% gesunken. Der Leerstand an Mietwohnungen könnte sich dieses Jahr um 9’000 Einheiten erhöhen.

Wirtschaft

Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 2.1% gewachsen. Getragen wurde das Wachstum vom privaten und staatlichen Konsum, schwach präsentierten sich die Investitionen und der Aussenhandel. In Deutschland fällt der IFO-Geschäftsklimaindex auf den tiefsten Stand seit 2014. Die Schwäche verursacht v.a. der Industriesektor. Eine Ansteckung des Dienstleistungsbereichs ist bereits erfolgt. Das Bruttoinlandsprodukt wird in Deutschland 2019 mit weniger als 1% wachsen. Dies ist auch für die Schweiz negativ.

Obligationen / Zinsen

Die vorerwähnten Unsicherheiten trieben die Anleger in Staatsobligationen. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sank seit Ende Juli von 2.05% auf 1.70%. In der Schweiz (-0.9%) und in Deutschland (-0.5%) erreichten die Renditen 10-jähriger Staatsobligationen neue Rekordtiefststände. Global weisen mittlerweile Anleihen im Wert von knapp USD 14 Billionen eine negative Rendite auf. Dies entspricht einem Viertel aller ausstehenden Anleihen. Obligationen guter Qualität sind damit noch unattraktiver geworden.

Gold

Der Goldpreis hat auf die jüngsten Zinssenkungen und die Krisen im Handelsstreit sowie im Iran positiv reagiert, da sich tiefe Realzinsen positiv für das Gold auswirken. Der Realzins errechnet sich aus dem Nominalzins minus der Inflation. Da kurzfristig die nominellen Zinsen stärker gesunken sind als die Inflationserwartungen, erwarten wir weiterhin eine freundliche Stimmung im Goldmarkt. Banken verlangen vermehrt Negativzinsen auf den Konten, was Umlagerungen in physisches Gold oder ETF’s auslösen könnte.

Monetäres Umfeld / Inflation

Zum ersten Mal seit zehn Jahren senkt die US-Notenbank an ihrer Sitzung Ende Juli die Zinsen. Befürchtungen über eine Verlangsamung der US-Wirtschaft sowie ein Verharren der Kerninflation bei 1.6% waren die Begründung für den Zinsschritt von -0.25%. Die europäische Zentralbank beliess zwar die Zinsen unverändert, signalisierte jedoch eine weitere Lockerung. Im September ist mit einer Senkung des Einlagesatzes von -0.4% auf -0.5% zu rechnen. Neue Anleihenkäufe sind ebenfalls angedacht.

Aktien

Donald Trump hat mit seiner jüngsten Drohung gegenüber China eine Korrektur an den Aktienmärkten ausgelöst. Er will 2020 wiedergewählt werden und da er den Erfolg seiner Wirtschaftspolitik nicht zuletzt über steigende Aktienkurse definiert, wird er einen Deal präsentieren müssen, auch wenn dieser die Maximalforderungen der USA nicht erfüllt. Der US-Präsident erhöht mit seinen Tweets auch den Druck auf die Notenbank, die Zinsen weiter zu senken. Für uns heisst das: investiert bleiben und Nerven behalten.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Investitionsquoten unverändert und behalten die leichte Untergewichtung der Aktienquoten vorerst bei, da die Schwächephase noch etwas andauern könnte. Sollten die Aktienmärkte jedoch weiter korrigieren, würden wir die tieferen Kurse für selektive Käufe nutzen. Die Notenbankliquidität sowie eine von uns erwartete Entspannung bei den Handelskonflikten werden die Aktienmärkte stützen. Bei den Obligationen bleiben wir infolge der tiefen Zinsen untergewichtet und im Gold übergewichtet.