Unsere Sicht der Dinge: November 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Nach den Wahlen in den USA wird sich die Politik primär mit der zweiten Corona Welle befassen müssen. Die Schweiz geht bis anhin einen eigenständigen Weg und verzichtet auf einen flächendeckenden harten Lockdown. Es wird versucht, die Balance zwischen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Aspekten auszuloten. Als pragmatischer Weg gilt mittlerweile unter vielen Wissenschaftern: Risikogruppen schützen, den Rest laufen lassen. Impfstoffe werden wohl erst ab Mitte 2021 zur Verfügung stehen.

Währungen

Der USD dürfte im Hinblick auf eine demokratische Regierung kaum zur Stärke neigen. Sollte die definitive Ermittlung des neuen Präsidenten über ein Gerichtsverfahren entschieden werden und sich damit über längere Zeit hinziehen, wird das dem USD ebenfalls nicht helfen. Die Geldpolitik der US-Notenbank wird zudem weiterhin expansiv bleiben, was die Realzinsen ins Negative drückt. Schweizer Franken und Yen sind damit einmal mehr die Felsen in der Brandung. Fundamental zu billig ist nach wie vor das britische Pfund.

Die USA haben…

Der Demokrat Joe Biden wird mit grosser Wahrscheinlichkeit neuer Präsident der USA. Die definitive Entscheidung wird wohl noch eine Weile auf sich warten lassen. Das Resultat wird knapper ausfallen als erwartet und die Mehrheit im Senat bleibt möglicherweise sogar in republikanischer Hand. Donald Trump hat in seiner Amtszeit einige nachhaltige Akzente gesetzt. China wird heute wesentlich kritischer betrachtet, dies auch in Europa. Probleme wie Technologietransfer oder die Teilautonomie Hongkongs…

… gewählt

…werden vom Westen klar adressiert. Die Friedensabkommen zwischen Israel, den Vereinigten Arabische Emeriaten und Bahrein sind ein wichtiger Schritt im Nahen Osten. Die Schweiz wird ihre guten Kontakte wieder neu knüpfen müssen. So ist beispielsweise der US-Markt für unsere Pharmaindustrie von zentraler Bedeutung, was ein geschicktes Lobbying rechtfertigt. Joe Biden wird wieder vermehrt auf den Multilateralismus setzen. Der Schweiz als exportorientiertem Kleinstaat wird dies zweifelsohne zugutekommen.

Wirtschaft

Im dritten Quartal verzeichneten die meisten Volkswirtschaften hohe BIP-Wachstumsraten. In der Eurozone betrug der Anstieg im Vergleich zum Vorquartal 12.7%. Leider wird diese Dynamik in den nächsten Wochen wieder einen deutlichen Dämpfer erhalten. Getragen wird die Weltwirtschaft von China, welches als einziges G20 Land im laufenden Jahr ein positives Wachstum erzielen kann. Insgesamt werden die Staaten stark leidende Wirtschaftszweige, wie die Tourismus- und Reisebranche, unterstützen müssen.

Obligationen / Zinsen

Die Anleihenmärkte haben sich im Oktober ruhig entwickelt. Die Anlageklasse, welche kaum mehr Zinserträge generiert, hat sich in diesem turbulenten Corona-Jahr zumindest als Stabilisator in den Portfolios erwiesen. Nachhaltig positive Renditen sind jedoch in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Die staatlichen Hilfsprogramme lassen die Staats-Schuldenberge weiter ansteigen. Bilanztechnisch betrachtet investieren wir daher lieber in Netto-Aktiven (Aktien) als in Instrumente auf der Passivseite der Bilanzen (Schulden).

Monitäres Umfeld / Inflation

In der Schweiz liegen die Konsumentenpreise im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 0.6% tiefer und notieren damit den neunten Monat in Folge im negativen Bereich. Auch in der Eurozone liegt die Inflation bei -0.3%. Die EZB wird daher weiterhin Wertpapierkäufe tätigen, um den Euro zu schwächen und damit die importierte Inflation zu heben. In der Eurozone wurden 70% der seit Februar emittierten Staatsschulden durch die Notenbank aufgekauft. Inflation ist aber nach wie vor nur bei den Vermögenspreisen sichtbar.

Aktien

Die Aktienmärkte unterliegen aktuell starken Schwankungen. Corona und die US-Wahlen sind die Hauptgründe. Diese Unsicherheiten eröffnen jedoch Chancen. Gegen Ende Jahr könnten Meldungen über Zulassungen von Impfstoffen den Aktienmärkten Unterstützung bieten, auch wenn diese Impfungen erst später verfügbar sind. Wir empfehlen daher Schwächephasen für Käufe zu nutzen. Insbesondere mittlere und kleinere Gesellschaften in der Schweiz und Global verfügen über Aufholpotential.

Asset Allocation

Wir erhöhen unsere Aktienquoten von neutral auf übergewichten. Bei den Trends setzen wir zusätzlich auf Biotechnologie und verstärken damit den Gesundheitsbereich. Die Emerging Markets erhöhen wir von untergewichten auf neutral, dies im Zuge der robusten Wirtschaft in China. In der Schweiz reduzieren wir das Untergewicht leicht zugunsten von Small & Mid Caps. Da der Themenbereich mit Biotech, Medtech und Informationstechnologie stark USA-lastig ist, reduzieren wir die Länderquote für die USA leicht.