Unsere Sicht der Dinge: Dezember 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

In den USA wurde Donald Trump abgewählt und durch den Demokraten Joe Biden ersetzt. Die Mehrheitsverhältnisse im Senat werden allerdings erst am 5. Januar 2021 entschieden, wo zwei Senatssitze neu bestellt werden müssen. Falls die Demokraten beide Sitze gewinnen, was momentan nicht erwartet wird, könnte Joe Biden seine grünsoziale Agenda einfacher umsetzen. Die Vizepräsidentin hätte den Stichentscheid. Geo- und wirtschaftspolitisch bleibt uns der spannende Machtkampf zwischen den USA und China erhalten.

Währungen

Der USD hat im Moment einen schweren Stand und notiert gegenüber dem CHF auf dem tiefsten Stand seit 2015. Eine demokratische Regierung mit Janet Yellen als designierter Finanzministerin und eine weiterhin lockere Geldpolitik des FED belasten den Greenback. Die Hoffnungen auf einen deutlichen Wirtschaftsaufschwung in der zweiten Hälfte 2021 lassen zudem Mittel in Währungen aufstrebender Länder fliessen und schwächen damit den USD. Im Vorfeld des Brexit Showdown gerät auch das GBP unter Druck.

Immobilien

Im Zuge der höheren Aktienkurse konnten sich auch die Schweizer Immobilienfonds positiv in Szene setzen. Der vom Bundesamt für Statistik neu geschaffenen Immobilienpreisindex (IMPI) misst für das dritte Quartal einen Preisanstieg von Schweizer Wohnimmobilien von 2.6% gegenüber der Vorjahresperiode. Dabei stieg vor allem der Preis für Einfamilienhäuser um überdurchschnittliche 3.1%. Eigentumswohnungen verteuerten sich vor allem in den grossen Städten, wo die Preise um kräftige 4.5% anzogen.

Wirtschaft

Die vorlaufenden Konjunkturindikatoren zeigen immer noch ein günstiges Bild. So ist der globale Einkaufsmanagerindex für die Industrie im November von 53.0 auf 53.7 Punkte gestiegen, was eine anhaltende Erholung signalisiert. Im vierten Quartal ist jedoch ein Rückschlag zu erwarten. Im Euroraum wird das BIP im Schlussquartal um ca. 3% schrumpfen. Die Weltwirtschaft wird gemäss OECD 2020 um 4.2% sinken und 2021 im selben Ausmass wieder wachsen. China wächst 2020 ca. 2% und 2021 rund 8%.

Obligationen / Zinsen

In den USA sind die 10-Jährigen Zinsen für Staatsobligationen seit August von 0.5% auf über 0.9% angestiegen. Um den Zinsanstieg zu dämpfen hat die US-Notenbank 20% der neu emittierten Staatsanleihen aufgekauft. Im Zuge der positiven Nachrichten punkto Covid-19 Impfstoffe dürfte es zu weiter steigenden Kapitalmarktzinsen kommen. Die Zinskurven werden damit etwas steiler, was den erwarteten Wirtschaftsaufschwung unterstreicht. Dies impliziert klar eine negative Performance qualitativ guter Obligationen.

Gold

Die baldige Verfügbarkeit der neuen Covid-Impfstoffe veranlasste die Investoren, einen Teil ihrer Gold-ETF’s in Aktien umzuschichten. In den USA führte der nominelle Zinsanstieg auch zu einem leichten Anstieg der Realrenditen, was ebenfalls auf den Goldpreis drückte. Die Wertpapierkäufe der US-Notenbank führen jedoch dazu, dass die Realrenditen negativ bleiben und dies wahrscheinlich noch für eine längere Zeit. Bessere Aussichten für den Konsum wird auch die Schmuckindustrie reanimieren.

Monitäres Umfeld / Inflation

In der Schweiz liegen auf den Girokonti der inländischen Banken bei der Nationalbank rund CHF 630 Mrd. Vor der Finanzkrise 2007 lagerten dort stabil rund CHF 6 Mrd. Dieses Geld wurde von der Schweiz. Nationalbank gedruckt, um den Franken zu schwächen, was nur bedingt gelungen ist. Da diese Mittel bei der Notenbank ruhen und nicht in den volkswirtschaftlichen Kreislauf gelangten, half es zwar die Zinsen tief zu halten aber eine deutliche Stimulierung der Wirtschaft konnte damit nicht erzielt werden.

Aktien

Nach der Bekanntgabe der Testresultate der neuen mRNA-Impfstoffe reagierten die Börsen im November euphorisch. Konjunktursensitive Aktien und Finanztitel waren besonders gesucht. Kurzfristig erscheint uns der Anstieg etwas übertrieben, weshalb wir aktuell von Zukäufen absehen. Eine Konsolidierung ist wahrscheinlich. Selektive Gewinnmitnahmen und Portfoliobereinigungen dürften sich daher auszahlen. Starke Rückschläge erwarten wir jedoch im Hinblick auf die verbesserten Konjunkturaussichten nicht.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Aktienquoten unverändert auf Übergewichten. Überhöhte Quoten würden wir im Sinne eines Rebalancing etwas reduzieren. Wir erhöhen das Untergewicht bei den Obligationen leicht, dies zugunsten der Immobilienquote. Aus Bewertungsgründen bleiben wir bei den Immobilienfonds jedoch leicht untergewichtet. Im Hinblick auf die anhaltend steigenden Geldmengen, favorisieren wir weiterhin Realwertanlagen (Aktien, Gold Immobilien) im Verhältnis zu Nominellen Werten (Obligationen, Geldmarkt).

Unsere Sicht der Dinge: September 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

In Japan tritt Shinzo Abe als Regierungschef zurück. Sein Wirtschaftsprogramm, Abenomics genannt, bestand aus drei Pfeilern. Mit einer lockeren Geldpolitik sollte die Deflation bezwungen werden. Staatliche Ausgabenprogramme sollten das Wachstum beleben. Zudem sollten Strukturreformen die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Nachhaltig gestiegen sind lediglich die Staatsschulden, welche rund 240% des BIP betragen und die zu 40% bei der Bank of Japan lagern. Dies ist wahrlich keine Erfolgsgeschichte.

Währungen

In den USA liegt die Realverzinsung bei -0.9%. Dies war letztmals im Dezember 2013 der Fall. Damals lag die Relation EUR/USD bei über 1.30, aktuell liegt diese bei 1.18. Die USD-Schwäche ist damit nicht ungewöhnlich und sollte nicht als Abgesang auf die führende Leitwährung interpretiert werden. Gemessen an der Kaufkraftparität weist die britische Währung gegenüber dem Schweizer Franken nach wie vor einen Abschlag von rund 15% auf, was primär den Brexit-Unsicherheiten geschuldet ist.

Immobilien

Die Schweizer Immobilienfonds sind von der Corona-Krise weniger stark betroffen als die Immobilienfirmen. Die Fonds sind zu rund 55% in Wohnungen, zu 14% in Büros und nur zu 14% in Hotels, Restaurants und Geschäfte investiert. Bei den Firmen machen Wohnen 13%, Büros 42% und die stark betroffenen Segmente 23% aus. Immobilienfonds sind da-mit weniger stark von pandemiebedingten Mietzinsausfällen tangiert. Wegen den hohen Aufschlägen (30%) zum inneren Wert empfehlen wir ein taktisches Untergewicht.

Wirtschaft

In den USA ist die Angst vor einer zweiten Pandemie-Welle etwas zurückgegangen. Der ISM Einkaufsmanager-Index stieg im August auf 56 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit November 2018. Es wird erwartet, dass ab Mitte 2021 Corona Impfstoffe weltweit verfügbar sind und sich damit das wirtschaftliche Leben wieder normalisiert. Damit hellen sich die mittelfristigen wirtschaftlichen Perspektiven deutlich auf. Kurzfristig wird die Wachstumsdynamik durch das Abflachen der Aufholeffekte etwas gebremst.

Obligationen / Zinsen

Die Risikoprämien von Unternehmensanleihen haben sich im Zug der generellen Normalisierung an den Finanzmärkten wieder zurückgebildet. Dazu beigetragen hat auch die Bereitschaft der Notenbanken, solche Papiere zu kaufen. Wir empfehlen, Obligationenbestände mit Ratings von BBB oder tiefer abzubauen und in höherwertige Bonitäten zu tauschen. Dazu eignen sich beispielsweise inflationsgeschützte und währungsgesicherte Staatsanleihen. Dies ist auch sinnvoll mit Blick auf die ultra expansive Geldpolitik.

Gold

Die neue geldpolitische Strategie der US-Notenbank impliziert, dass die Zinsen auch dann tief gehalten werden, wenn die Inflation steigen sollte. Dies führt zu weiter sinkenden Realzinsen. Tiefe Realzinsen sind einer der Haupttreiber für den Goldpreis. Die jüngste Konsolidierung nach den Höchstständen anfangs August ist unseres Erachtens keine Trendwende sondern lediglich eine Verschnaufpause. Gold verfügt zudem erwiesenermassen über positive Diversifikationseigenschaften bei der Konstruktion gemischter Portfolios.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank hat ihre geldpolitische Strategie neu definiert und zaubert mit dem „Average Inflation Targeting“ ein neues Instrument aus dem Hut. Die Inflation soll demnach auch über das Ziel von 2% hinaus steigen dürfen, wenn sie vorher darunter lag. Warum eine Inflation von 3% gut sein soll, wenn sie vorher nur 1% betrug ist schwer nachvollziehbar. Offenbar will die FED die Zinsen nicht erhöhen, auch wenn die Inflation zu steigen beginnt. Dies dürfte einer stabilen Preisentwicklung nicht förderlich sein.

Aktien

Die Aktienmärkte zeigten sich auch im August von der freundlichen Seite. Die Annahmen, dass flächendeckende Lockdowns nicht mehr zu erwarten sind und Impfstoffe bald zur Verfügung stehen, hoben die Kurse vorab von zyklischen Märkten weiter an. Kurzfristig erscheint uns damit das Aufwärtspotential ausgeschöpft. Die nahenden US-Wahlen, die zu starke Euphorie im Technologiesektor sowie der Anmarsch der saisonalen Erkältungs- und Grippeerkrankungen könnten kurzfristig für Korrekturen sorgen.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Asset Allocation unverändert. Dies entspricht einer neutralen Gewichtung bei den Aktien, einer Untergewichtung bei den Obligationen und den Immobilien sowie einer Übergewichtung beim Gold. Da die besseren Wirtschaftsaussichten unseres Erachtens bereits in den Kursen aller Anlageklassen enthalten sind, ist mit einer etwas holprigeren Entwicklung zu rechnen. Die staatlichen Corona-Hilfen sind zwar eine willkommene Krücke für die Wirtschaft, nachhaltige Stabilität bringen sie jedoch keine.

Unsere Sicht der Dinge: Dezember 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die Wahlen in England werden zeigen, ob der Brexit nun doch vollzogen werden kann. Sollten die Tories die Wahlen gewinnen, wird Boris Johnson England per Ende Januar 2020 aus der EU führen. Ein umfassendes Freihandelsabkommen würde dann das Verhältnis zur EU regeln. Im Handelsstreit zwischen den USA und China lässt ein Teilabkommen weiter auf sich warten. Dass die USA die Demonstranten in Hongkong explizit unterstützen hilft nicht. Der Machtkampf der beiden Grossmächte bleibt uns erhalten.

Währungen

Kurzfristig spannend bleibt die Entwicklung des englischen Pfunds. Laut jüngsten Umfragen führt die Partei von Boris Johnson mit 43% Wähleranteil deutlich vor Labour mit 33%. Sollten sich die Umfragen bewahrheiten, würde dies dem Pfund weitere Unterstützung bieten. Ansonsten hat sich die Volatilität an den Devisenmärkten weiter zurückgebildet. Strukturell bleibt der Schweizer Franken eine relativ starke Währung (EZB bleibt ultraexpansiv), was unsere Notenbank auch weiterhin zwingt, den schwachen Euro zu stützen.

Immobilien

Eine Studie der Zürcher Kantonalbank zeigt auf, dass sich in der Schweiz nur noch 20% der Mieterhaushalte aufgrund ihres Einkommens für eine Hypothek qualifizieren. Vor zwanzig Jahren waren es noch 50%. Nimmt man das erforderliche Eigenkapital als Massstab, sind es nur 10%. Mietwohnungen lassen sich infolge des Anlagenotstandes institutioneller Anleger besser verkaufen als Stockwerkeigentum. Nebst den tiefen Zinsen wirkt damit auch das knappe Angebot an neuen Eigentumswohnungen preistreibend.

Wirtschaft

Obwohl sich die Frühindikatoren für die Industrie weltweit auf tiefem Niveau stabilisieren, ist noch kein Aufschwung in Sicht. Für einmal vermochten die Umfragen in Europa und China die Erwartungen zu übertreffen, während die Daten in den USA enttäuschend ausfielen. In Deutschland belastet der Umbruch in der Automobilindustrie. Der angekündigte Personalabbau in diesem wichtigen Industriezweig beträgt für 2019 kumuliert rund 50’000 Stellen. Das sind 6% der in der Autoindustrie beschäftigten Personen.

Obligationen / Zinsen

Die Obligationenrenditen haben sich von ihren Tiefstständen im August etwas nach oben bewegt. Die US-Notenbank wird die Zinsen vorderhand nicht weiter senken, konnten doch im November 266’000 neue Stellen geschaffen werden, was dem höchsten Wert seit Januar entspricht. Zudem ist die Arbeitslosenquote in den USA auf 3.5% gefallen. Das moderate Wachstum der Weltwirtschaft sowie der ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China verhindern jedoch einen weiteren deutlichen Zinsanstieg.

Gold

Die jüngsten politischen Entspannungen beim Brexit und dem Handelskonflikt USA – China sowie der Zinsanstieg der Kapitalmarktrenditen aufgrund der Stabilisierung der zyklischen Frühindikatoren setzten den Goldpreis etwas unter Druck. Die anhaltend expansive Geldpolitik der Notenbanken sowie die nach wie vor tiefen oder gar negativen Realzinsen dürften dem Goldpreis nächstes Jahr wieder Auftrieb geben. Die tiefe Korrelation des Goldpreises mit den Aktienmärkten beeinflusst das Portfoliorisiko positiv.

Monetäres Umfeld / Inflation

In der Schweiz liegt die Teuerung mit -0.1% seit zwei Monaten wieder im negativen Bereich. Dies gäbe der Schweizerischen Nationalbank die Möglichkeit, die Zinsen weiter zu senken. Der Unmut der Sparer wächst jedoch zunehmend, weshalb wir erwarten, dass die SNB am Status Quo nichts ändern wird. Derweil sinnieren Notenbanker in den USA und Europa, ob sie sich nicht auch noch um Umverteilungspolitik und Klimawandel kümmern sollten. Die Machtausweitung der grossen Notenbanken ist beunruhigend.

Aktien

Die weltweiten Aktienmärkte konnten sich auch im November positiv in Szene setzen. Die absoluten Bewertungen sind im historischen Vergleich recht hoch. Betrachtet man jedoch die relative Bewertung zu den Obligationen, sieht diese vernünftig aus. Aktien bleiben damit attraktiv, solange die Zinsen tief bleiben. In der Schweiz werden den Bankkunden vermehrt Negativzinsen auf Konten belastet, was den Druck erhöht, das Geld zu investieren. Obwohl die Luft dünner wird, kommt man an Aktienanlagen nicht vorbei.

Asset Allocation

Die aktuellen Quoten der verschiedenen Anlageklassen bleiben unverändert. Im Aktienbereich haben zurückgebliebene Value-Aktien noch Aufholpotenzial. Um allfällige Rückschläge etwas zu dämpfen, können auch Produkte mit tieferer Volatilität (Low Volatility) zielführend sein. Generell gilt für die Asset Allocation, dass Realwerte (Aktien, Gold, teilweise Immobilien) den Nominalwerten (Obligationen, Liquidität) aufgrund der geldpolitischen Experimente der Notenbanken überzugewichten sind.

Unsere Sicht der Dinge: November 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Im Handelsstreit zwischen den USA und China wird auf ein sogenanntes Phase-1-Abkommen hingearbeitet. Damit könnte Donald Trump wenigstens einen kleinen «Deal» vorweisen. Primär geht es bei dieser Vereinbarung um die Abnahme amerikanischer Agrargüter im Wert von rund USD 40 Mrd. über die nächsten zwei Jahre. Die Finanzmärkte erwarten, dass ein Abschluss kurz bevorsteht. Das Schicksal des Brexit wird durch die Dezemberwahlen bestimmt. Die Tories liegen bei den Umfragen vorne.

Währungen

Die Lösung des gordischen Knotens bei den Brexit-Verhandlungen verhalfen dem englischen Pfund und in dessen Sog dem Euro zu einer Erholung. Das Pfund ist nach wie vor deutlich unterbewertet, liegt doch die Kaufkraftparität gegenüber dem CHF bei rund CHF 1.45. Wir sehen damit weiteres Erholungspotenzial für das britische Pfund, zumal das Risiko für einen «No Deal-Brexit» deutlich gesunken ist. Der USD hat sich im Zuge der Zinssenkung leicht abgeschwächt und dürfte nun seitwärts tendieren.

Die politische Schweiz…

Die Parlamentswahlen im Oktober führten zu einem deutlichen Rutsch Richtung Links-Grün. Im Nationalrat verloren die bürgerlichen Parteien SVP, FDP, CVP und BDP 22 Sitze und kommen noch auf 110 von 200 Mandaten. Da erfahrungsgemäss Teile der CVP, FDP und BDP mit der Ratslinken stimmen, werden es sozialpolitische (Umverteilung) und Umweltthemen (Lenkungsabgaben, Verbote) einfacher haben, Mehrheiten zu finden. Dies wird zu einer Mehrbelastung der Wirtschaft führen. Beispiele sind die…

…langweilig war es früher

…CO2-Steuer, Rückzonungen von Bauland, obligatorische Elternzeit usw. Aussenpolitisch steht erneut Ungemach von der OECD an. Unternehmenssteuern sollen nicht mehr am juristischen Sitz der Gesellschaft anfallen, sondern dort, wo deren Produkte verkauft werden. Multinationale Firmen, welche wenig Umsatz in der Schweiz tätigen, wären davon stark betroffen. Dem Schweizer Fiskus könnten damit ein bis fünf Mrd. CHF Steuereinnahmen entgehen. Kleinstaaten wären generell die Verlierer eines solchen Steuerregimes.

Wirtschaft

Die Stimmungsindikatoren in der Industrie konnten sich im Oktober weltweit auf tiefem Niveau stabilisieren. In den USA stieg das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 1.9%, was über den Erwartungen lag. In Deutschland stieg der vielbeachtete IFO-Index für die Geschäftserwartungen von 90.9 auf 91.5 Punkte. Vorher sank dieser Index sechs Mal in Folge. Auch in der Schweiz erholte sich das KOF-Konjunkturbarometer leicht von 93.1 auf 94.7 Punkte. Insgesamt sind wir von einer Erholung noch weit entfernt.

Obligationen / Zinsen

Obwohl die Notenbanken weiterhin für eine expansive Geldpolitik plädieren, stiegen die Renditen an den Kapitalmärkten leicht an. Auch hier dürften die Hoffnungen auf eine Entspannung im Handelsstreit, und in der Folge Umlagerungen von Obligationen in Aktien der Grund dafür sein. Damit mussten im Oktober auf den festverzinslichen Werten leichte Verluste in Kauf genommen werden. Da die Aktienmärkte bereits eine Konjunkturerholung zu antizipieren beginnen, werden die Obligationenzinsen kaum sinken.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank senkte im Oktober die Leitzinsen um 0.25% auf 1.50 – 1.75%. Dieser Schritt war erwartet worden. Unter dem Eindruck des anhaltend guten Wirtschaftswachstums und einer positiven Beschäftigungsentwicklung, erfolgte die Zinssenkung unter dem Hinweis, dass nun wohl eine Pause eingelegt wird. Es ist damit in den USA im laufenden Jahr kein weiterer Zinsschritt zu erwarten. In der Schweiz fiel die Inflationsrate erstmals seit drei Jahren wieder in den negativen Bereich und liegt bei -0.3%.

Aktien

Die Aktienmärkte haben sich nach dem Einbruch anfangs Oktober wieder erholt und verzeichneten teilweise gar neue Höchststände. Die zuvor abgestraften zyklischen Aktien reagierten positiv auf die Stabilisierung der konjunkturellen Frühindikatoren. Ein zu starkes Antizipieren eines allfälligen Wirtschaftsaufschwungs birgt jedoch auch Risiken für erneute Rückschläge bei den Industrietiteln. Da der englische Aktienmarkt infolge der Brexit-Unsicherheiten zurückgeblieben ist, sehen wir dort Aufholpotenzial.

Asset Allocation

Wir nehmen keine Änderungen bei der Asset Allocation vor. Innerhalb der Aktienquote empfehlen wir den Aufbau einer kleinen Position in England zulasten des Schweizer Aktienteils. Da der Schweizer Aktienmarkt bisher die beste Performance unter den etablierten Märkten gezeigt hat, sehen wir für unseren Heimmarkt kurzfristig eher eine Verschnaufpause. Wir bleiben bei den Aktien insgesamt übergewichtet, würden jedoch im Zuge der jüngsten Kurserholungen überhöhte Positionen leicht reduzieren.

Unsere Sicht der Dinge: Oktober 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die Welthandelsorganisation WTO entschied, dass die EU den Flugzeugbauer Airbus zu unrecht subventioniert hat und erlaubt, den USA Zölle auf einen Warenwert von USD 7.5 Mrd. zu erheben. Seit über 15 Jahren dauert dieser Streit bereits an und zeigt damit die Trägheit der WTO. Schlimmer wäre allerdings, wenn die USA im November Zölle auf europäische Autos und Autoteile erheben würden. Im Handelsstreit mit China zeichnet sich trotz fortgesetzten Verhandlungen keine substanzielle Lösung ab.

Währungen

Die schwache Konjunktur in der Eurozone und die expansivere Geldpolitik der EZB dürften den Euro schwächen. Im Gegensatz zur EZB, welche den Einlagesatz für Banken von -0.40% auf -0.50% gesenkt hat, verzichtete die SNB auf eine Zinssenkung. Die EZB kauft zudem monatlich wieder Anleihen im Wert von EUR 20 Mrd. Sollte die US-Notenbank entgegen dem allgemeinen Konsens Ende Oktober eine etwas mutigere Zinssenkung vornehmen, wird sich auch der USD gegenüber dem CHF etwas abschwächen.

Verschuldung, auch in der Schweiz…

In der Schweiz beträgt die Staatsverschuldung (Bund, Kantone, Gemeinden) rund 28% des Bruttoinlandprodukts. Seit 2004 sind diese Schulden um 18% gesunken, der Anteil am BIP betrug damals 47%. Dieser Erfolg ist u.a. auf die Schuldenbremse zurückzuführen, welche 2001 vom Volk beschlossen wurde. Anders sieht es bei der Hypothekarverschuldung aus. Diese beträgt über CHF 1’000 Mrd. was rund 145% des BIP entspricht. 2004 betrug dieser Anteil noch 105%. Das Hypothekenvolumen ist seit 2004…

…nicht unproblematisch

…um 94% gestiegen. Auch bei den Konsum-, Bar- und Autoleasingkrediten ist seit 2004 ein Anstieg um rund 60% festzustellen, allerdings ist dort das Volumen mit rund CHF 24 Mrd. eher bescheiden. Stark zugenommen haben dabei Leasingkredite. Gemäss dem Schweizerischen Leasingverband werden in der Schweiz 50% aller Autos geleased. Die Schweiz steht in punkto Staatsverschuldung sehr gut da, bei der Hypothekar- und Privatverschuldung sieht es dagegen infolge der Tiefzinspolitik eher besorgniserregend aus.

Wirtschaft

In den USA sank der stark beachtete Einkaufsmanagerindex für die Industrie im September von 49.1 auf 47.8 Punkte und verfehlte damit die Erwartungen. Der Index sank damit auf den tiefsten Stand seit 2009 und lässt Rezessionsbefürchtungen aufkommen. In der Schweiz fiel der vergleichbare Frühindikator auf 44.6 Punkte, was ebenfalls dem schlechtesten Wert seit Juli 2009 entspricht. In Deutschland revidierten führende Prognoseinstitute das Wirtschaftswachstum für 2019 auf noch 0.5% herunter.

Obligationen / Zinsen

Nachdem die Kapitalmarktzinsen im September wieder leicht gestiegen sind, werden sie infolge der tieferen Inflationserwartungen und der relativ schwachen Weltwirtschaft kaum weiter steigen. Schlechte Schuldner können jedoch in wirtschaftlich schlechteren Zeiten nur bedingt vom tiefen Zinsniveau profitieren. Dies zeigte der Konkurs des Reisekonzerns Thomas Cook, welcher für Kredite rund 6% Zinsen bezahlen musste. Steigende Bonitätsrisiken dürften die Obligationenmärkte vermehrt belasten.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die Inflationsraten liegen in den USA und in der Eurozone deutlich unter den Marken von 2%, welche von den Notenbanken als «Preisstabilität» bezeichnet werden. In der Schweiz stieg der Konsumentenpreisindex im September um lediglich 0.1%. Zusammen mit den schwächeren Konjunkturdaten ermöglicht dies den Zentralbanken, die Geldschleusen weiter zu öffnen. In den USA könnte dies gar bedeuten, dass die FED im Oktober eine Zinssenkung von 0.5% vornimmt, um den Abschwung abzudämpfen.

Aktien

Die weltweiten Aktienmärkte gerieten aufgrund aufkeimender Rezessionsängste und neuer Provokationen von Präsident Trump gegenüber China unter Druck. Vor allem konjunkturabhängige Firmen, welche im September noch freundlich tendierten, mussten jüngst herbe Rückschläge verkraften. Der Oktober gilt saisonal als turbulenter Monat. Wir erwarten jedoch, dass sich die Aktienmärkte wieder beruhigen werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die bevorstehenden Firmenresultate die Erwartungen erfüllen.

Asset Allocation

Wir belassen unsere aktuelle Asset Allocation unverändert. In Aktien bleiben wir somit übergewichtet und in Obligationen deutlich untergewichtet. Die Bewertung der Aktienmärkte ist im Vergleich zu den Festverzinslichen nach wie vor deutlich attraktiver. Wir erwarten, dass insbesondere in Deutschland die tiefe Staatsverschuldung zur Stimulierung der Wirtschaft genutzt wird. Dies dürfte der Konjunktur mehr helfen als die lockere Geldpolitik der EZB. Die neue Chefin des IWF hat sich bereits in diese Richtung geäussert.

Unsere Sicht der Dinge: September 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik
Das gegenseitige Hochschaukeln der Strafzölle im Handelskonflikt zwischen den USA und China verunsichert die Entscheidungsträger in der Wirtschaft. Auch wenn verbal der Fuss wieder vom Gaspedal genommen wird, wirkt sich diese Unsicherheit dämpfend auf die momentane globale Wirtschaftsentwicklung aus. In England wollte Boris Johnson den Brexit mit der Brechstange vollenden. Er ist bereits gescheitert. In der Schweiz stehen im Oktober Wahlen an, ein klimabedingter Linksrutsch ist absehbar.

Währungen
Kurzfristig wird die Währungsentwicklung von den Massnahmen der Notenbanken im Zinsbereich abhängen. Die Gewissheit steigt, dass die Zentralbanken primär die Schwächung der eigenen Währung im Auge haben, um die relative Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportindustrien zu verbessern. Da alle die gleiche expansive Geldpolitik verfolgen, werden sich bei den Hauptwährungen kaum grössere Verschiebungen einstellen. Einzig das britische Pfund wird durch die chaotische Politik stärkeren Schwankungen unterliegen.

Hongkong…
Im Jahr 2047 läuft der Sonderstatus Hongkongs aus. Spätestens dann wird Peking endgültig das Sagen haben. Solange die Hongkonger Geschäfte erfolgreich laufen und sich die Bevölkerung nicht um Politik kümmerte, wurde die Stadt von den Machthabern in Peking in Ruhe gelassen. Eine richtige Demokratie wurde in Hongkong nie installiert. Sowohl der Chef der Sonderverwaltungszone als auch die Mehrheit des Parlaments wird nicht in freien Wahlen bestimmt. Damit wird die Bezeichnung «Ein Land, zwei…

…ein Land, zwei Systeme?
…Systeme» zu Makulatur. Die jungen Demonstranten werden ihre Forderungen nicht durchsetzen können, auch wenn die Regierungschefin nun das umstrittene Ausschaffungsgesetz zurückgezogen hat. Jungen Leuten, denen die Freiheit mehr wert ist als Wohlstand, bleibt nur die Migration in ein demokratisches Land. Peking wird sich allerdings hüten, militärisch zu intervenieren, riskiert es doch, in seinen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zum Westen massiv zurückgeworfen zu werden.

Wirtschaft
In den USA ist der vielbeachtete Stimmungsindikator für die Industrie, der Einkaufsmanagerindex, erstmals seit 2016 wieder unter die 50-Punkte-Marke gefallen. Damit schlägt sich die globale Verlangsamung im verarbeitenden Sektor auch auf die USA nieder. Präsident Trump muss diese Schwäche teilweise auf seine Kappe nehmen. In Europa und der Schweiz haben sich die analogen Indikatoren jüngst auf tiefem Niveau stabilisiert. Insgesamt dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft 2019 auf 3% verlangsamen.

Obligationen / Zinsen
Die Zinsen sind im August weiter gefallen und erreichten vielerorts historische Tiefststände. Wir erachten diese Entwicklung als Übertreibung und empfehlen, selektiv Obligationenbestände abzubauen. Der jüngste Zinsrutsch impliziert unseres Erachtens ein zu negatives Bild für die zukünftige Konjunkturentwicklung. In der Schweiz weisen mittlerweile alle ausstehenden Anleihen der Eidgenossenschaft eine negative Verfallrendite auf. Eine Stabilisierung der Konjunktur würde die Renditen wieder steigen lassen.

Monetäres Umfeld / Inflation
Die US-Notenbank bezeichnete die Zinssenkung im Juli als Versicherungsschritt gegen die globale Konjunkturunsicherheit. Da sich die Lage nicht verbessert hat, ist unseres Erachtens mit zwei weiteren Zinssenkungen im laufenden Jahr zu rechnen. Auch die EZB wird den Einlagensatz für Banken um mindestens 0.1% auf -0.5% senken und das Ende 2018 gestoppte Anleihenrückkaufprogramm wieder aktivieren. Es ist nicht auszuschliessen, dass auch die Schweizerische Nationalbank die Zinsen weiter senkt.

Aktien
Die Aktienmärkte weisen im laufenden Jahr grosse Unterschiede bei der Sektorperformance auf. Zyklische Aktien wurden regelrecht abgestraft, während defensive Branchen neue Höchststände erzielten. In zyklischen Werten ist bereits viel Negatives in den Kursen enthalten und die defensiven Titel werden weiterhin als Obligationenersatz dienen. Wir empfehlen daher, Positionen in Europa und in der Schweiz auszubauen. Europäische Aktien verfügen dank der relativ günstigen Bewertung über Aufholpotenzial.

Asset Allocation
Wir erhöhen unsere Aktienquoten zulasten der Obligationen und der Liquidität. Wir sind damit in Aktien neu übergewichtet und im Obligationenbereich noch stärker untergewichtet. Die massiven Zinsrückgänge im August führen dazu, dass Aktien relativ zu Obligationen und Liquidität an Attraktivität gewonnen haben. Wir glauben, dass die Rezession, welche sich weltweit in der Industrie ausgebreitet hat, 2020 wieder verschwinden wird. Die Aktienmärkte werden darauf bereits im Vorfeld positiv reagieren.

Unsere Sicht der Dinge: August 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die jüngsten Verhandlungen im Handelspoker zwischen den USA und China enden vorerst in einer Eskalation. Präsident Trump droht mit neuen Zöllen von 10% auf chinesische Importe im Wert von USD 300 Mrd. China reagiert postwendend mit einer Abwertung ihrer Währung, dem Yuan. In der Folge bezichtigen die Amerikaner die Chinesen der Währungsmanipulation. Das Verhandlungsklima ist damit vergiftet, eine schnelle Lösung verlangt Kompromisse seitens der USA. Gefährlich ist die labile Lage in Hongkong.

Währungen

Expansive Signale der US-Notenbank sowie der EZB und die Turbulenzen rund um den Handelskonflikt haben den CHF und den YEN gestärkt. Japan und Südkorea streiten über Entschädigungen an südkoreanische Zwangsarbeiter im zweiten Weltkrieg. Japan streicht in der Folge Südkorea von der Liste vertrauenswürdiger Länder. Die koreanische Währung verlor seit anfangs Jahr rund 11% gegenüber dem Yen. Die Schweizerische Nationalbank dürfte versuchen, den CHF mit Deviseninterventionen zu schwächen.

Immobilien

Gemäss den Spezialisten von WüestPartner sind in der Schweiz die Preise für Eigentumswohnungen in den letzten zwölf Monaten um 2.8% und diejenigen für Einfamilienhäuser um 4.4% gestiegen. Dies liegt nicht zuletzt am Angebot, wird doch im Verhältnis zu den Mietwohnungen deutlich zu wenig Wohneigentum erstellt. Die Angebotsmieten sind dagegen aufgrund der hohen Produktion im Vorjahresvergleich um 1.5% gesunken. Der Leerstand an Mietwohnungen könnte sich dieses Jahr um 9’000 Einheiten erhöhen.

Wirtschaft

Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 2.1% gewachsen. Getragen wurde das Wachstum vom privaten und staatlichen Konsum, schwach präsentierten sich die Investitionen und der Aussenhandel. In Deutschland fällt der IFO-Geschäftsklimaindex auf den tiefsten Stand seit 2014. Die Schwäche verursacht v.a. der Industriesektor. Eine Ansteckung des Dienstleistungsbereichs ist bereits erfolgt. Das Bruttoinlandsprodukt wird in Deutschland 2019 mit weniger als 1% wachsen. Dies ist auch für die Schweiz negativ.

Obligationen / Zinsen

Die vorerwähnten Unsicherheiten trieben die Anleger in Staatsobligationen. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sank seit Ende Juli von 2.05% auf 1.70%. In der Schweiz (-0.9%) und in Deutschland (-0.5%) erreichten die Renditen 10-jähriger Staatsobligationen neue Rekordtiefststände. Global weisen mittlerweile Anleihen im Wert von knapp USD 14 Billionen eine negative Rendite auf. Dies entspricht einem Viertel aller ausstehenden Anleihen. Obligationen guter Qualität sind damit noch unattraktiver geworden.

Gold

Der Goldpreis hat auf die jüngsten Zinssenkungen und die Krisen im Handelsstreit sowie im Iran positiv reagiert, da sich tiefe Realzinsen positiv für das Gold auswirken. Der Realzins errechnet sich aus dem Nominalzins minus der Inflation. Da kurzfristig die nominellen Zinsen stärker gesunken sind als die Inflationserwartungen, erwarten wir weiterhin eine freundliche Stimmung im Goldmarkt. Banken verlangen vermehrt Negativzinsen auf den Konten, was Umlagerungen in physisches Gold oder ETF’s auslösen könnte.

Monetäres Umfeld / Inflation

Zum ersten Mal seit zehn Jahren senkt die US-Notenbank an ihrer Sitzung Ende Juli die Zinsen. Befürchtungen über eine Verlangsamung der US-Wirtschaft sowie ein Verharren der Kerninflation bei 1.6% waren die Begründung für den Zinsschritt von -0.25%. Die europäische Zentralbank beliess zwar die Zinsen unverändert, signalisierte jedoch eine weitere Lockerung. Im September ist mit einer Senkung des Einlagesatzes von -0.4% auf -0.5% zu rechnen. Neue Anleihenkäufe sind ebenfalls angedacht.

Aktien

Donald Trump hat mit seiner jüngsten Drohung gegenüber China eine Korrektur an den Aktienmärkten ausgelöst. Er will 2020 wiedergewählt werden und da er den Erfolg seiner Wirtschaftspolitik nicht zuletzt über steigende Aktienkurse definiert, wird er einen Deal präsentieren müssen, auch wenn dieser die Maximalforderungen der USA nicht erfüllt. Der US-Präsident erhöht mit seinen Tweets auch den Druck auf die Notenbank, die Zinsen weiter zu senken. Für uns heisst das: investiert bleiben und Nerven behalten.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Investitionsquoten unverändert und behalten die leichte Untergewichtung der Aktienquoten vorerst bei, da die Schwächephase noch etwas andauern könnte. Sollten die Aktienmärkte jedoch weiter korrigieren, würden wir die tieferen Kurse für selektive Käufe nutzen. Die Notenbankliquidität sowie eine von uns erwartete Entspannung bei den Handelskonflikten werden die Aktienmärkte stützen. Bei den Obligationen bleiben wir infolge der tiefen Zinsen untergewichtet und im Gold übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: Juli 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Der G20-Gipfel in Osaka brachte zwar keine Lösung im Handelskonflikt zwischen den USA und China, aber immerhin eine Fortführung der Verhandlungen. In Europa wurden Ursula von der Leyen (Präsidium EU-Kommission) und Christine Lagarde (Präsidium Europäische Zentralbank) für zwei Schlüsselpositionen neu nominiert. Die Finanzierung maroder EU-Länder über die Notenpresse dürfte sich damit fortsetzen. Die Schweizerische Nationalbank wird an dieser Ausgangslage keine Freude haben.

Währungen / Gold

Die Zinsdifferenz und die relative Stärke der US-Wirtschaft gaben dem USD bis anhin eine solide Unterstützung. Die tieferen Zinsen machen es momentan unattraktiver, die US-Zwillingsdefizite zu finanzieren und werden damit den USD tendenziell belasten. Gegen einen festeren EUR spricht die neue designierte EZB-Chefin Christine Lagarde, welche sich bereits beim IWF für eine lockere Geld- und Fiskalpolitik ausgesprochen hat. Der Goldpreis und der CHF könnten unseres Erachtens die Gewinner sein.

Libra…

Facebook gründet in Genf einen Verein namens Libra. Prominente Unternehmen wie Visa, Uber und Vodafone zählen zu den Mitgliedern. Zweck ist die Lancierung einer auf der Blockchain-Technologie basierenden E-Währung. Diese wird durch einen Hartwährungskorb gesichert. Damit verfügt Libra über einen inneren Wert. Dies im Gegensatz zum Bitcoin, welcher in der Kategorie Casino anzusiedeln ist. Der Libra soll primär als Zahlungsmittel für Nutzer ohne Bankverbindung dienen. Da sich solche Nutzer vorab…

…die neue Währung

…in Schwellenländern befinden, wird er dort auf grosses Interesse stossen. Das Risiko als Mittel zur Kapitalflucht zu dienen, dürfte politische Wiederstände auslösen. Nicht erfreut sind die Banken, würden ihnen doch günstige Refinanzierungsmittel entzogen. Die Idee erscheint uns innovativ und zukunftsträchtig. Regulierungsbehörden (z.B. Datenschutz), Notenbanken und politische Instanzen werden am Schluss ausschlaggebend sein, ob der Libra in der Realität umgesetzt werden kann. Das Projekt ist spannend.

Wirtschaft

Die konjunkturellen Vorlaufindikatoren für die Weltwirtschaft präsentieren sich auch im Juni eher auf der negativen Seite. In der Schweiz lag der Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Juni bei 47.7 Punkten und verfehlte damit die Erwartungen. Zudem liegt dieser Indikator seit drei Monaten unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. In den USA wird sich das Wachstum (Q1: 3.2%) auf 2% abschwächen, was in etwa dem Potenzialwachstum entspricht. In China hinterlässt der Handelskonflikt negative Spuren.

Obligationen / Zinsen

Die 10-jährigen Staatsobligationen in den USA rentieren aktuell unter 2%. Der starke Renditerückgang kann als Indikator für eine markante Wirtschaftsabschwächung, als Vorbote für deutliche Zinssenkungen durch die Notenbank oder beides interpretiert werden. Wir sind der Meinung, dass die Zinsen zu tief gefallen sind, da sich das Wirtschaftswachstum in den USA weiterhin solide entwickeln wird, wenn auch nicht auf dem Wunschniveau von Donald Trump (3%). Wir erwarten wieder etwas höhere Zinsen.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank vollzog an ihrer Juni-Sitzung eine bemerkenswerte Kehrtwende. Die FED beschreibt ihre Politik nicht mehr als „geduldig“, sondern benutzt die Formulierung „enge Überwachung“. Der Markt erwartet damit zwei bis drei Zinssenkungen bis Ende 2019. Tiefere Inflationserwartungen, anhaltende Handelskonflikte sowie schwächere Frühindikatoren sind die Begründungen der FED. Die EZB hat ebenfalls Zinssenkungen und eine Wiederausweitung der Wertpapierkäufe signalisiert.

Aktien

Die Vermeidung einer Eskalation im Handelsstreit sowie die expansiven Signale der Notenbanken beflügelten im Juni die Aktienmärkte. Die bevorstehende Berichtssaison der Firmen über die Halbjahresresultate und die Kommentare zu den Aussichten werden nun den Blick wieder mehr auf fundamentale Fakten lenken. Wir erwarten eher negative Überraschungen. In Anbetracht der starken Kursavancen empfehlen wir, die aktuelle Stärkephase zu selektiven Aktienverkäufen und Portfoliobereinigungen zu nutzen.

Asset Allocation

Die aktuellen Quoten in unserer taktischen Vermögensallokation bleiben unverändert. Dies bedeutet ein kleines Untergewicht bei den Aktien (v.a. Europa) und ein klares Untergewicht im Obligationensektor. Obwohl wir nicht von einer harten Landung der Weltwirtschaft ausgehen, haben die Aktienmärkte viel Positives antizipiert. Obligationen bleiben nach dem jüngsten Zinsrückgang unattraktiv. Gold hat jüngst deutlich zugelegt und damit auf die tieferen Zinsen reagiert. Wir bleiben im Gold übergewichtet.