Unsere Sicht der Dinge: Juli 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Politisch steht uns eine spannende zweite Jahreshälfte bevor. China hat in einer Nacht- und Nebelaktion ein neues Sicherheitsgesetz für Hongkong eingeführt, welches die Freiheitsrechte der Bevölkerung massiv einschränkt. Das Verhältnis zum Westen wird dadurch zusätzlich belastet. Die EU will mit einem Wiederaufbauplan über 750 Mrd. EUR eine Schuldenunion durch die Hintertür einführen. In den USA sieht sich Donald Trump in der Wählergunst auf einem Tiefststand und muss um die Wiederwahl bangen.

Währungen

Seit Mitte Mai neigt der USD zur Schwäche. Die Neuansteckungen mit dem Coronavirus nehmen wieder zu und erhöhen damit die wirtschaftliche Unsicherheit. Die aggressive Zinspolitik der US-Notenbank brachte den Zinsvorteil des USD gegenüber anderen Währungen zum Verschwinden. Das britische Pfund wurde durch die Brexit-Unsicherheiten und dem wirtschaftlichen Einbruch, welcher noch höher liegt als auf dem Kontinent, arg geschwächt. Die Staatsverschuldung liegt in England bei 100% des Bruttoinlandprodukts.

Die Unabhängigkeit der Nationalbank…

Politisch steigt der Druck, die Finanzprobleme der Schweiz mit Hilfe der Nationalbank zu lösen. Die Aufgabe der Nationalbank ist primär, die Kaufkraft des Franken zu erhalten. Die geldpolitischen Massnahmen der letzten Jahre führten auf der Aktivseite zu Devisenreserven von 800 Mrd. CHF (Ende 2019). Diese Devisenbestände sind somit das Arbeitsinstrument der Notenbank und kein Volksvermögen. Sollte der CHF einmal zur Schwäche neigen, muss die SNB diese Bestände wieder verkaufen können…

…ist ein wertvolles Gut

…Ein interessanter Gedanke äusserte kürzlich Prof. Yvan Lengwiler in der Weltwoche. Er macht beliebt, die Gewinne, welche aus diesen Transaktionen entstanden sind (rund 45 Mrd. CHF) und nicht für die Geldpolitik benötigt werden, dem Bund einmalig zukommen zu lassen. Damit könnten die Corona-Schulden praktisch getilgt werden. Die Schuldenbremse müsste nicht ausgesetzt werden. Falls diese Ausschüttung eine einmalige Ausnahme bliebe, wäre dies eine elegante Lösung, aber die Begehrlichkeiten der Politik…

Wirtschaft

In den USA hat sich im Juni der Einkaufsmanagerindex für die Industrie von 43.1 auf 52.6 Punkte erholt. Die psychologisch wichtige Wachstumsschwelle (50) wurde damit übertroffen. Die überraschend starke Erholung dürfte auf einen gewissen Nachholbedarf und das tiefe Ausgangsniveau zurückzuführen sein. Der IWF zeigt sich für das US-Wachstum 2020 recht pessimistisch und erwartet einen Einbruch von 8%. Dies erscheint uns in Anbetracht der jüngsten Konjunkturzahlen doch als zu pessimistisch.

Obligationen / Zinsen

Obwohl sich die weltweite Konjunktur langsam erholt, blieben die Renditen für Staatsanleihen tief. Die Interventionen der Notenbanken und ein hohes Sicherheitsbedürfnis der Investoren sind dafür verantwortlich. Gewisse Notenbanken legen gar Renditeziele für bestimmte Laufzeiten von Staatsanleihen fest. Die japanische Notenbank verfolgt beispielsweise für 10-jährige Staatsanleihen eine Rendite von 0%. Im hochverzinslichen Obligationensegment haben sich die Risikoaufschläge in den letzten Wochen deutlich reduziert.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die Notenbanken begleiten die wirtschaftliche Genesung mit einer anhaltend expansiven Geldpolitik. Ein deutliches Zeichen setzte die US-Notenbank, indem sie festhält, dass der Leitzins bis mindestens Ende 2022 nahe bei 0% verharren soll. Eine geldpolitische Strategieüberprüfung der FED wird zeigen, ob sich die Notenbank eher an der Inflation oder der Arbeitslosenquote orientieren wird. Beide Indikatoren (aktuell tiefe Inflation und hohe Arbeitslosigkeit) sprechen zumindest kurzfristig für offene Geldschleusen.

Aktien

Die Aktienmärkte unterlagen im Juni starken Schwankungen, konnten jedoch am Schluss gegenüber dem Vormonat etwas zulegen. Zyklische Aktien, welche von einer Konjunkturerholung profitieren und deutlich hinter der Gesamtmarktentwicklung herhinken, rückten überdurchschnittlich stark vor. Die im Juli anstehenden Halbjahresergebnisse der Unternehmen werden die Aktienmärkte einem Realitätscheck unterziehen. Kurzfrisitg ist somit eine gewisse Vorsicht angebracht. Die Volatilität dürfte wieder ansteigen.

Asset Allocation

Wir nehmen keine Änderung unserer Asset-Allocation vor. Im Hinblick auf die bevorstehenden Unternehmensresultate für das erste Semester sowie die wieder ansteigenden Ansteckungsraten mit dem Corona-Virus, bleiben wir an der Seitenlinie. Dies bedeutet eine leichte Untergewichtung bei den Aktien und eine deutliche Untergewichtung der Obligationen (negatives Chancen/Risikoverhältnis). Am Übergewicht beim Gold halten wir ebenfalls fest. Die tiefen Realzinsen dürften das Gold weiterhin unterstützen.

Unsere Sicht der Dinge: Juni 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die Corona-Pandemie verliert auf der politischen Agenda langsam an Bedeutung. In den USA rücken die Präsidentschaftswahlen näher. Bill Clinton gewann die Wahlen einst mit dem Slogan: „It’s the economy, stupid“ (Es ist die Wirtschaft, Dummkopf). Ob die Wirtschaft bis im Herbst wieder so auf Kurs sein wird, dass es Donald Trump für eine Wiederwahl reicht, ist fraglich. Protektionismus (Zölle) und die Abkehr vom Multilateralismus (u.a. Attacken auf die WTO und die WHO) schaffen jedenfalls keinen Wohlstand.

Währungen

Die Ankündigung eines Fiskalpakets der EU-Kommission von 750 Mrd. EUR hat dem EUR kurzfristig Auftrieb gegeben. Die Hilfe kommt v.a. südeuropäischen Ländern zugute. Das Paket wird als stärkere fiskalische Integration der EU-Länder wahrgenommen. Ob dies dem EUR hilft, darf bezweifelt werden. Markterwartungen, dass die Leitzinsen in den USA und in England ins Negative fallen könnten, belasteten das GBP und den USD. Gemäss der US-Notenbank ist zumindest in den USA nicht mit Negativzinsen zu rechnen.

Ordnungspolitische Sündenfälle…

Wirtschafts- und geldpolitische Regeln scheinen sich nur in konjunkturellen Schönwetterphasen zu bewähren. In der EU ist eine Schuldenaufnahme der Staatengemeinschaft vertraglich ausgeschlossen. Dennoch will die Kommission 750 Mrd. EUR aufnehmen. 500 Mrd. sollen als nicht rückzahlbare Zuschüsse an stark pandemiegeschädigte Staaten fliessen. Nebst einer gigantischen Umverteilung wird damit der Einführung einer Schuldenunion der Weg geebnet. Deutschland trägt einmal mehr die Hauptlast. Die EZB…

… häufen sich in Krisen?

…kauft Anleihen ohne sich an die selbst auferlegten Regeln zu halten (max. 33% einer Emission und max. 33% pro Emittent). Auch das FED monetisiert mit seinen Anleihen-käufen faktisch die Staatsschulden. In der Schweiz verfügt das Parlament Mietzinserlasse für Geschäfte von willkürlichen 60%, was ein unglaublicher Eingriff in die privaten Eigentumsrechte darstellt. Überdies soll die Schuldenbremse für die Corona-Schulden nicht gelten. Der Zweck heiligt offenbar die Mittel, aber wo bleibt die Rechtssicherheit?

Wirtschaft

Der partielle Lockdown hinterlässt deutliche Spuren in der Weltwirtschaft. So fielen die Industrieaufträge in Deutschland im April um 36% gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Schweizer Wirtschaft schrumpfte im 1. Quartal um 2.6% im Vergleich zum Vorquartal. Die Rückkehr zur Normalität verläuft langsam, aber sie läuft. Die gigantischen staatlichen Hilfspakete werden ihre strohfeuerähnliche Wirkung in der zweiten Jahreshälfte und 2021 entfalten. Die strukturelle Arbeitslosigkeit wird trotz staatlicher Hilfen leider ansteigen.

Obligationen / Zinsen

Die US-Notenbank kaufte in drei Monaten für 1.6 Bio. USD Staatsanleihen. Die Ankündigung, dass erstmals Unternehmensanleihen gekauft werden sollen, hat zudem die Kreditmärkte beruhigt. Unternehmen konnten von Januar bis Mai für rund 1 Bio. USD Anleihen emittieren, welche vom Markt problemlos absorbiert wurden. Dieses Volumen ist rund doppelt so hoch wie im Vorjahr. Dabei hat das FED mit den Käufen von Unternehmensanleihen noch gar nicht begon-nen. Der Ankündigungseffekt hat seinen Zweck erfüllt.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht das Volumen für ihr Pandemie-Notfall-Kaufprogramm PEPP um 600 Mrd. EUR auf 1’350 Mrd. EUR. Das Programm wird verlängert bis mindestens Juni 2021. Die EZB erwartet dabei eine Teuerung für 2020 von 0.3% und für 2021 von 0.8%. In Deutschland hilft die Regierung mit 130 Mrd. EUR zusätzlich (u.a. mit einer befristeten Senkung der Mehrwertsteuer von 19% auf 16%). Wir erwarten aufgrund dieser rigorosen Massnahmen mittelfristig eine deutlich höhere Inflation.

Aktien

Die weltweiten Aktienmärkte stiegen im Mai und anfangs Juni deutlich. Der US-Aktienmarkt konnte seine Verluste seit anfangs Jahr gar aufholen. Die milliardenschweren geld- und fiskalpolitischen Massnahmen trugen massgeblich zur Erholung bei. Die Realwirtschaft lässt sich jedoch nicht so rasch wieder zum Laufen bringen. Kurzfristig sind damit unseres Erachtens die Aktienmärkte zu schnell, zu weit gelaufen. Eine Konsolidierung ist auch im Hinblick auf die Firmenresultate des zweiten Quartals zu erwarten.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Asset-Allocation unverändert. Nach dem starken Anstieg der Aktien empfehlen wir jedoch eine leichte Reduktion der Positionen auf die vorgesehenen Quoten (Rebalancing). Damit bleibt der Aktienanteil auf einem leichten Untergewicht. Dies erscheint uns nach den deutlichen Kursavancen und den anhaltenden Unsicherheiten über den Pandemieverlauf gerechtfertigt. Obligationen bleiben im Hinblick auf die mageren Renditeaussichten untergewichtet. Gold bleibt als Stabilisator übergewichtet.