Unsere Sicht der Dinge: Oktober 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Bei den Präsidentschaftswahlen in den USA liegt Joe Biden mit rund 7% knapp in Führung. Dies sollte reichen, um die Mehrheit in beiden Kongresskammern zu gewinnen. In diesem Fall würden die Demokraten die Steuern für hohe Einkommen und den Grenzsteuersatz für Unternehmen erhöhen. Zudem soll ein Investitionsprogramm von USD 2 Bio. über vier Jahre getätigt werden (u.a. Infrastruktur, saubere Energie). Unsicherheit für die Finanzmärkte brächte die Anfechtung einer Wahlniederlage durch Donald Trump.

Währungen

Gegenüber dem CHF haben sich die Hauptwährungen seit Ende 1980 wie folgt entwickelt: USD -47%, EUR -53%, GBP -72%, JPY 0%. Fremdwährungen als Anlageklasse aus CHF-Sicht sind demnach langfristig, mit Ausnahme der japanischen Währung, ein sicheres Verlustgeschäft. Deshalb sollte man auf Währungsprognosen verzichten und bei Anlagen einen hohen Anteil in der eigenen Referenzwährung halten. Die Stabilität des Yen leitet sich aus der nachhaltig tiefen Inflation in Japan ab (Kaufkraftparitätstheorie).

Immobilien

In der Schweiz zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik eine Beschleunigung des Leerwohnngsbestands im laufenden Jahr (Stichtag: 1.6.2020). Dieser befindet sich bei 1.72% und liegt damit nicht mehr weit weg vom Höchststand von 1.85% im Jahr 1998. Bedingt durch den Anlagenotstand im festverzinslichen Bereich, sind v.a. Mietwohnungen im Angebot (+5.5%). In den grossen Zentren liegen die Leerstände allerdings bei tiefen 0.5%. Die Mietzinsen werden daher vor allem in ländlichen Gebieten sinken.

Wirtschaft

Die Weltwirtschaft erholt sich weiterhin stetig vom tiefen Einbruch durch die Corona-Krise. Die Wachstumsraten werden für das dritte Quartal zweifelsfrei stark positiv ausfallen (Schätzung: +5.5%). Allerdings wird die Dynamik, welche primär durch Aufholeffekte entstand, in den nächsten Wochen und Monaten deutlich nachlassen. Dies zeigen sowohl die Wachstumsraten der Einzelhandelsumsätze wie auch der Industrieproduktion. In der Schweiz dürfte Das BIP 2020 rund 4.5% sinken und 2021 um rund 3.5% wachsen.

Obligationen / Zinsen

Die Notenbanken bekräftigten jüngst, dass sie die Leitzinsen tief halten wollen. In den USA rechnet die FED bis Ende 2023 mit unveränderten Geldmarktzinsen. In England wird die Einführung von Negativzinsen nicht mehr ausgeschlossen. In den USA werden die Staatsschulden im laufenden Jahr 100% des BIP übersteigen, nachdem die Quote vor der Finanzkrise 2007 noch bei 35% lag. Auch in der EU wird die Staatsschuldenquote erstmals über 100% steigen. Höhere Zinsen brächten das Kartenhaus zum Einsturz.

Gold

Eine Normalisierung der Geldpolitik scheiterte Ende 2018. Die US-Notenbank wollte ihre Bilanz verkürzen und stellte Zinserhöhungen in Aussicht. Die Finanzmärkte reagierten darauf mit einer Panikattacke. Damit ist klar, dass es kein zurück zur Normalität mehr gibt. Die Schulden sollen mit der Notenpresse weginflationiert werden. Damit bleibt Gold, welches nicht beliebig vermehrbar ist, im aktuellen Umfeld ein Bestandteil unserer taktischen Asset Allocation. Kurzfristige Rückschläge können zu Käufen genutzt werden.

Monitäres Umfeld / Inflation

Im September ist die Inflation in der Eurozone auf -0.3% gefallen und die Kernrate (ohne Lebensmittel und Energie) auf 0.2%. Sonderfaktoren wie die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland oder ein verspäteter Sommerausverkauf sind dafür ausschlaggebend. Die Zentralbank sähe gerne höhere Inflationsraten, damit sich die hohen nominellen Schuldentürme relativ zur Wirtschaftsleistung verkleinern würden. Die Notenbanken werden an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten, um die Weltwirtschaft zu unterstützen.

Aktien

Im Vorfeld der US-Präsidentenwahlen steigt die Unsicherheit an den Aktienmärkten. Steigende Corona Fallzahlen führen zudem partiell zu Einschränkungen, was eine weitere zügige Wirtschaftserholung beeinträchtigt. Die anstehenden Quartalszahlen der Firmen sollten dagegen die Märkte stützen. Wir bleiben mit unserer Positionierung vorerst auf der Seitenlinie, würden jedoch starke Kurskorrekturen für eine Erhöhung der Aktienquote nutzen. In der Schweiz bevorzugen wir Small & Mid Caps gegenüber SMI-Titeln.

Asset Allocation

Wir ändern nichts an unserer Asset Allocation. Die Aktiengewichtung bleibt neutral, Immobilienfonds und Obligationen werden untergewichtet und Gold wird übergewichtet. Mit der erwarteten Verfügbarkeit eines Covid-Impfstoffes im Verlauf von 2021 wird die Zuversicht an den Aktienmärkten wieder steigen. Kurzfristig sind jedoch die US-Wahlen, Sorgen über die zweite Pandemiewelle, das angespannte geopolitische Verhältnis USA-China sowie der mühsame Brexit-Prozess potentielle Belastungsfaktoren für die Finanzmärkte.

Unsere Sicht der Dinge: September 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

In Japan tritt Shinzo Abe als Regierungschef zurück. Sein Wirtschaftsprogramm, Abenomics genannt, bestand aus drei Pfeilern. Mit einer lockeren Geldpolitik sollte die Deflation bezwungen werden. Staatliche Ausgabenprogramme sollten das Wachstum beleben. Zudem sollten Strukturreformen die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Nachhaltig gestiegen sind lediglich die Staatsschulden, welche rund 240% des BIP betragen und die zu 40% bei der Bank of Japan lagern. Dies ist wahrlich keine Erfolgsgeschichte.

Währungen

In den USA liegt die Realverzinsung bei -0.9%. Dies war letztmals im Dezember 2013 der Fall. Damals lag die Relation EUR/USD bei über 1.30, aktuell liegt diese bei 1.18. Die USD-Schwäche ist damit nicht ungewöhnlich und sollte nicht als Abgesang auf die führende Leitwährung interpretiert werden. Gemessen an der Kaufkraftparität weist die britische Währung gegenüber dem Schweizer Franken nach wie vor einen Abschlag von rund 15% auf, was primär den Brexit-Unsicherheiten geschuldet ist.

Immobilien

Die Schweizer Immobilienfonds sind von der Corona-Krise weniger stark betroffen als die Immobilienfirmen. Die Fonds sind zu rund 55% in Wohnungen, zu 14% in Büros und nur zu 14% in Hotels, Restaurants und Geschäfte investiert. Bei den Firmen machen Wohnen 13%, Büros 42% und die stark betroffenen Segmente 23% aus. Immobilienfonds sind da-mit weniger stark von pandemiebedingten Mietzinsausfällen tangiert. Wegen den hohen Aufschlägen (30%) zum inneren Wert empfehlen wir ein taktisches Untergewicht.

Wirtschaft

In den USA ist die Angst vor einer zweiten Pandemie-Welle etwas zurückgegangen. Der ISM Einkaufsmanager-Index stieg im August auf 56 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit November 2018. Es wird erwartet, dass ab Mitte 2021 Corona Impfstoffe weltweit verfügbar sind und sich damit das wirtschaftliche Leben wieder normalisiert. Damit hellen sich die mittelfristigen wirtschaftlichen Perspektiven deutlich auf. Kurzfristig wird die Wachstumsdynamik durch das Abflachen der Aufholeffekte etwas gebremst.

Obligationen / Zinsen

Die Risikoprämien von Unternehmensanleihen haben sich im Zug der generellen Normalisierung an den Finanzmärkten wieder zurückgebildet. Dazu beigetragen hat auch die Bereitschaft der Notenbanken, solche Papiere zu kaufen. Wir empfehlen, Obligationenbestände mit Ratings von BBB oder tiefer abzubauen und in höherwertige Bonitäten zu tauschen. Dazu eignen sich beispielsweise inflationsgeschützte und währungsgesicherte Staatsanleihen. Dies ist auch sinnvoll mit Blick auf die ultra expansive Geldpolitik.

Gold

Die neue geldpolitische Strategie der US-Notenbank impliziert, dass die Zinsen auch dann tief gehalten werden, wenn die Inflation steigen sollte. Dies führt zu weiter sinkenden Realzinsen. Tiefe Realzinsen sind einer der Haupttreiber für den Goldpreis. Die jüngste Konsolidierung nach den Höchstständen anfangs August ist unseres Erachtens keine Trendwende sondern lediglich eine Verschnaufpause. Gold verfügt zudem erwiesenermassen über positive Diversifikationseigenschaften bei der Konstruktion gemischter Portfolios.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank hat ihre geldpolitische Strategie neu definiert und zaubert mit dem „Average Inflation Targeting“ ein neues Instrument aus dem Hut. Die Inflation soll demnach auch über das Ziel von 2% hinaus steigen dürfen, wenn sie vorher darunter lag. Warum eine Inflation von 3% gut sein soll, wenn sie vorher nur 1% betrug ist schwer nachvollziehbar. Offenbar will die FED die Zinsen nicht erhöhen, auch wenn die Inflation zu steigen beginnt. Dies dürfte einer stabilen Preisentwicklung nicht förderlich sein.

Aktien

Die Aktienmärkte zeigten sich auch im August von der freundlichen Seite. Die Annahmen, dass flächendeckende Lockdowns nicht mehr zu erwarten sind und Impfstoffe bald zur Verfügung stehen, hoben die Kurse vorab von zyklischen Märkten weiter an. Kurzfristig erscheint uns damit das Aufwärtspotential ausgeschöpft. Die nahenden US-Wahlen, die zu starke Euphorie im Technologiesektor sowie der Anmarsch der saisonalen Erkältungs- und Grippeerkrankungen könnten kurzfristig für Korrekturen sorgen.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Asset Allocation unverändert. Dies entspricht einer neutralen Gewichtung bei den Aktien, einer Untergewichtung bei den Obligationen und den Immobilien sowie einer Übergewichtung beim Gold. Da die besseren Wirtschaftsaussichten unseres Erachtens bereits in den Kursen aller Anlageklassen enthalten sind, ist mit einer etwas holprigeren Entwicklung zu rechnen. Die staatlichen Corona-Hilfen sind zwar eine willkommene Krücke für die Wirtschaft, nachhaltige Stabilität bringen sie jedoch keine.