Unsere Sicht der Dinge: November 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Im Handelsstreit zwischen den USA und China wird auf ein sogenanntes Phase-1-Abkommen hingearbeitet. Damit könnte Donald Trump wenigstens einen kleinen «Deal» vorweisen. Primär geht es bei dieser Vereinbarung um die Abnahme amerikanischer Agrargüter im Wert von rund USD 40 Mrd. über die nächsten zwei Jahre. Die Finanzmärkte erwarten, dass ein Abschluss kurz bevorsteht. Das Schicksal des Brexit wird durch die Dezemberwahlen bestimmt. Die Tories liegen bei den Umfragen vorne.

Währungen

Die Lösung des gordischen Knotens bei den Brexit-Verhandlungen verhalfen dem englischen Pfund und in dessen Sog dem Euro zu einer Erholung. Das Pfund ist nach wie vor deutlich unterbewertet, liegt doch die Kaufkraftparität gegenüber dem CHF bei rund CHF 1.45. Wir sehen damit weiteres Erholungspotenzial für das britische Pfund, zumal das Risiko für einen «No Deal-Brexit» deutlich gesunken ist. Der USD hat sich im Zuge der Zinssenkung leicht abgeschwächt und dürfte nun seitwärts tendieren.

Die politische Schweiz…

Die Parlamentswahlen im Oktober führten zu einem deutlichen Rutsch Richtung Links-Grün. Im Nationalrat verloren die bürgerlichen Parteien SVP, FDP, CVP und BDP 22 Sitze und kommen noch auf 110 von 200 Mandaten. Da erfahrungsgemäss Teile der CVP, FDP und BDP mit der Ratslinken stimmen, werden es sozialpolitische (Umverteilung) und Umweltthemen (Lenkungsabgaben, Verbote) einfacher haben, Mehrheiten zu finden. Dies wird zu einer Mehrbelastung der Wirtschaft führen. Beispiele sind die…

…langweilig war es früher

…CO2-Steuer, Rückzonungen von Bauland, obligatorische Elternzeit usw. Aussenpolitisch steht erneut Ungemach von der OECD an. Unternehmenssteuern sollen nicht mehr am juristischen Sitz der Gesellschaft anfallen, sondern dort, wo deren Produkte verkauft werden. Multinationale Firmen, welche wenig Umsatz in der Schweiz tätigen, wären davon stark betroffen. Dem Schweizer Fiskus könnten damit ein bis fünf Mrd. CHF Steuereinnahmen entgehen. Kleinstaaten wären generell die Verlierer eines solchen Steuerregimes.

Wirtschaft

Die Stimmungsindikatoren in der Industrie konnten sich im Oktober weltweit auf tiefem Niveau stabilisieren. In den USA stieg das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 1.9%, was über den Erwartungen lag. In Deutschland stieg der vielbeachtete IFO-Index für die Geschäftserwartungen von 90.9 auf 91.5 Punkte. Vorher sank dieser Index sechs Mal in Folge. Auch in der Schweiz erholte sich das KOF-Konjunkturbarometer leicht von 93.1 auf 94.7 Punkte. Insgesamt sind wir von einer Erholung noch weit entfernt.

Obligationen / Zinsen

Obwohl die Notenbanken weiterhin für eine expansive Geldpolitik plädieren, stiegen die Renditen an den Kapitalmärkten leicht an. Auch hier dürften die Hoffnungen auf eine Entspannung im Handelsstreit, und in der Folge Umlagerungen von Obligationen in Aktien der Grund dafür sein. Damit mussten im Oktober auf den festverzinslichen Werten leichte Verluste in Kauf genommen werden. Da die Aktienmärkte bereits eine Konjunkturerholung zu antizipieren beginnen, werden die Obligationenzinsen kaum sinken.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank senkte im Oktober die Leitzinsen um 0.25% auf 1.50 – 1.75%. Dieser Schritt war erwartet worden. Unter dem Eindruck des anhaltend guten Wirtschaftswachstums und einer positiven Beschäftigungsentwicklung, erfolgte die Zinssenkung unter dem Hinweis, dass nun wohl eine Pause eingelegt wird. Es ist damit in den USA im laufenden Jahr kein weiterer Zinsschritt zu erwarten. In der Schweiz fiel die Inflationsrate erstmals seit drei Jahren wieder in den negativen Bereich und liegt bei -0.3%.

Aktien

Die Aktienmärkte haben sich nach dem Einbruch anfangs Oktober wieder erholt und verzeichneten teilweise gar neue Höchststände. Die zuvor abgestraften zyklischen Aktien reagierten positiv auf die Stabilisierung der konjunkturellen Frühindikatoren. Ein zu starkes Antizipieren eines allfälligen Wirtschaftsaufschwungs birgt jedoch auch Risiken für erneute Rückschläge bei den Industrietiteln. Da der englische Aktienmarkt infolge der Brexit-Unsicherheiten zurückgeblieben ist, sehen wir dort Aufholpotenzial.

Asset Allocation

Wir nehmen keine Änderungen bei der Asset Allocation vor. Innerhalb der Aktienquote empfehlen wir den Aufbau einer kleinen Position in England zulasten des Schweizer Aktienteils. Da der Schweizer Aktienmarkt bisher die beste Performance unter den etablierten Märkten gezeigt hat, sehen wir für unseren Heimmarkt kurzfristig eher eine Verschnaufpause. Wir bleiben bei den Aktien insgesamt übergewichtet, würden jedoch im Zuge der jüngsten Kurserholungen überhöhte Positionen leicht reduzieren.

Unsere Sicht der Dinge: Oktober 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die Welthandelsorganisation WTO entschied, dass die EU den Flugzeugbauer Airbus zu unrecht subventioniert hat und erlaubt, den USA Zölle auf einen Warenwert von USD 7.5 Mrd. zu erheben. Seit über 15 Jahren dauert dieser Streit bereits an und zeigt damit die Trägheit der WTO. Schlimmer wäre allerdings, wenn die USA im November Zölle auf europäische Autos und Autoteile erheben würden. Im Handelsstreit mit China zeichnet sich trotz fortgesetzten Verhandlungen keine substanzielle Lösung ab.

Währungen

Die schwache Konjunktur in der Eurozone und die expansivere Geldpolitik der EZB dürften den Euro schwächen. Im Gegensatz zur EZB, welche den Einlagesatz für Banken von -0.40% auf -0.50% gesenkt hat, verzichtete die SNB auf eine Zinssenkung. Die EZB kauft zudem monatlich wieder Anleihen im Wert von EUR 20 Mrd. Sollte die US-Notenbank entgegen dem allgemeinen Konsens Ende Oktober eine etwas mutigere Zinssenkung vornehmen, wird sich auch der USD gegenüber dem CHF etwas abschwächen.

Verschuldung, auch in der Schweiz…

In der Schweiz beträgt die Staatsverschuldung (Bund, Kantone, Gemeinden) rund 28% des Bruttoinlandprodukts. Seit 2004 sind diese Schulden um 18% gesunken, der Anteil am BIP betrug damals 47%. Dieser Erfolg ist u.a. auf die Schuldenbremse zurückzuführen, welche 2001 vom Volk beschlossen wurde. Anders sieht es bei der Hypothekarverschuldung aus. Diese beträgt über CHF 1’000 Mrd. was rund 145% des BIP entspricht. 2004 betrug dieser Anteil noch 105%. Das Hypothekenvolumen ist seit 2004…

…nicht unproblematisch

…um 94% gestiegen. Auch bei den Konsum-, Bar- und Autoleasingkrediten ist seit 2004 ein Anstieg um rund 60% festzustellen, allerdings ist dort das Volumen mit rund CHF 24 Mrd. eher bescheiden. Stark zugenommen haben dabei Leasingkredite. Gemäss dem Schweizerischen Leasingverband werden in der Schweiz 50% aller Autos geleased. Die Schweiz steht in punkto Staatsverschuldung sehr gut da, bei der Hypothekar- und Privatverschuldung sieht es dagegen infolge der Tiefzinspolitik eher besorgniserregend aus.

Wirtschaft

In den USA sank der stark beachtete Einkaufsmanagerindex für die Industrie im September von 49.1 auf 47.8 Punkte und verfehlte damit die Erwartungen. Der Index sank damit auf den tiefsten Stand seit 2009 und lässt Rezessionsbefürchtungen aufkommen. In der Schweiz fiel der vergleichbare Frühindikator auf 44.6 Punkte, was ebenfalls dem schlechtesten Wert seit Juli 2009 entspricht. In Deutschland revidierten führende Prognoseinstitute das Wirtschaftswachstum für 2019 auf noch 0.5% herunter.

Obligationen / Zinsen

Nachdem die Kapitalmarktzinsen im September wieder leicht gestiegen sind, werden sie infolge der tieferen Inflationserwartungen und der relativ schwachen Weltwirtschaft kaum weiter steigen. Schlechte Schuldner können jedoch in wirtschaftlich schlechteren Zeiten nur bedingt vom tiefen Zinsniveau profitieren. Dies zeigte der Konkurs des Reisekonzerns Thomas Cook, welcher für Kredite rund 6% Zinsen bezahlen musste. Steigende Bonitätsrisiken dürften die Obligationenmärkte vermehrt belasten.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die Inflationsraten liegen in den USA und in der Eurozone deutlich unter den Marken von 2%, welche von den Notenbanken als «Preisstabilität» bezeichnet werden. In der Schweiz stieg der Konsumentenpreisindex im September um lediglich 0.1%. Zusammen mit den schwächeren Konjunkturdaten ermöglicht dies den Zentralbanken, die Geldschleusen weiter zu öffnen. In den USA könnte dies gar bedeuten, dass die FED im Oktober eine Zinssenkung von 0.5% vornimmt, um den Abschwung abzudämpfen.

Aktien

Die weltweiten Aktienmärkte gerieten aufgrund aufkeimender Rezessionsängste und neuer Provokationen von Präsident Trump gegenüber China unter Druck. Vor allem konjunkturabhängige Firmen, welche im September noch freundlich tendierten, mussten jüngst herbe Rückschläge verkraften. Der Oktober gilt saisonal als turbulenter Monat. Wir erwarten jedoch, dass sich die Aktienmärkte wieder beruhigen werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die bevorstehenden Firmenresultate die Erwartungen erfüllen.

Asset Allocation

Wir belassen unsere aktuelle Asset Allocation unverändert. In Aktien bleiben wir somit übergewichtet und in Obligationen deutlich untergewichtet. Die Bewertung der Aktienmärkte ist im Vergleich zu den Festverzinslichen nach wie vor deutlich attraktiver. Wir erwarten, dass insbesondere in Deutschland die tiefe Staatsverschuldung zur Stimulierung der Wirtschaft genutzt wird. Dies dürfte der Konjunktur mehr helfen als die lockere Geldpolitik der EZB. Die neue Chefin des IWF hat sich bereits in diese Richtung geäussert.

Unsere Sicht der Dinge: August 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die jüngsten Verhandlungen im Handelspoker zwischen den USA und China enden vorerst in einer Eskalation. Präsident Trump droht mit neuen Zöllen von 10% auf chinesische Importe im Wert von USD 300 Mrd. China reagiert postwendend mit einer Abwertung ihrer Währung, dem Yuan. In der Folge bezichtigen die Amerikaner die Chinesen der Währungsmanipulation. Das Verhandlungsklima ist damit vergiftet, eine schnelle Lösung verlangt Kompromisse seitens der USA. Gefährlich ist die labile Lage in Hongkong.

Währungen

Expansive Signale der US-Notenbank sowie der EZB und die Turbulenzen rund um den Handelskonflikt haben den CHF und den YEN gestärkt. Japan und Südkorea streiten über Entschädigungen an südkoreanische Zwangsarbeiter im zweiten Weltkrieg. Japan streicht in der Folge Südkorea von der Liste vertrauenswürdiger Länder. Die koreanische Währung verlor seit anfangs Jahr rund 11% gegenüber dem Yen. Die Schweizerische Nationalbank dürfte versuchen, den CHF mit Deviseninterventionen zu schwächen.

Immobilien

Gemäss den Spezialisten von WüestPartner sind in der Schweiz die Preise für Eigentumswohnungen in den letzten zwölf Monaten um 2.8% und diejenigen für Einfamilienhäuser um 4.4% gestiegen. Dies liegt nicht zuletzt am Angebot, wird doch im Verhältnis zu den Mietwohnungen deutlich zu wenig Wohneigentum erstellt. Die Angebotsmieten sind dagegen aufgrund der hohen Produktion im Vorjahresvergleich um 1.5% gesunken. Der Leerstand an Mietwohnungen könnte sich dieses Jahr um 9’000 Einheiten erhöhen.

Wirtschaft

Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 2.1% gewachsen. Getragen wurde das Wachstum vom privaten und staatlichen Konsum, schwach präsentierten sich die Investitionen und der Aussenhandel. In Deutschland fällt der IFO-Geschäftsklimaindex auf den tiefsten Stand seit 2014. Die Schwäche verursacht v.a. der Industriesektor. Eine Ansteckung des Dienstleistungsbereichs ist bereits erfolgt. Das Bruttoinlandsprodukt wird in Deutschland 2019 mit weniger als 1% wachsen. Dies ist auch für die Schweiz negativ.

Obligationen / Zinsen

Die vorerwähnten Unsicherheiten trieben die Anleger in Staatsobligationen. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sank seit Ende Juli von 2.05% auf 1.70%. In der Schweiz (-0.9%) und in Deutschland (-0.5%) erreichten die Renditen 10-jähriger Staatsobligationen neue Rekordtiefststände. Global weisen mittlerweile Anleihen im Wert von knapp USD 14 Billionen eine negative Rendite auf. Dies entspricht einem Viertel aller ausstehenden Anleihen. Obligationen guter Qualität sind damit noch unattraktiver geworden.

Gold

Der Goldpreis hat auf die jüngsten Zinssenkungen und die Krisen im Handelsstreit sowie im Iran positiv reagiert, da sich tiefe Realzinsen positiv für das Gold auswirken. Der Realzins errechnet sich aus dem Nominalzins minus der Inflation. Da kurzfristig die nominellen Zinsen stärker gesunken sind als die Inflationserwartungen, erwarten wir weiterhin eine freundliche Stimmung im Goldmarkt. Banken verlangen vermehrt Negativzinsen auf den Konten, was Umlagerungen in physisches Gold oder ETF’s auslösen könnte.

Monetäres Umfeld / Inflation

Zum ersten Mal seit zehn Jahren senkt die US-Notenbank an ihrer Sitzung Ende Juli die Zinsen. Befürchtungen über eine Verlangsamung der US-Wirtschaft sowie ein Verharren der Kerninflation bei 1.6% waren die Begründung für den Zinsschritt von -0.25%. Die europäische Zentralbank beliess zwar die Zinsen unverändert, signalisierte jedoch eine weitere Lockerung. Im September ist mit einer Senkung des Einlagesatzes von -0.4% auf -0.5% zu rechnen. Neue Anleihenkäufe sind ebenfalls angedacht.

Aktien

Donald Trump hat mit seiner jüngsten Drohung gegenüber China eine Korrektur an den Aktienmärkten ausgelöst. Er will 2020 wiedergewählt werden und da er den Erfolg seiner Wirtschaftspolitik nicht zuletzt über steigende Aktienkurse definiert, wird er einen Deal präsentieren müssen, auch wenn dieser die Maximalforderungen der USA nicht erfüllt. Der US-Präsident erhöht mit seinen Tweets auch den Druck auf die Notenbank, die Zinsen weiter zu senken. Für uns heisst das: investiert bleiben und Nerven behalten.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Investitionsquoten unverändert und behalten die leichte Untergewichtung der Aktienquoten vorerst bei, da die Schwächephase noch etwas andauern könnte. Sollten die Aktienmärkte jedoch weiter korrigieren, würden wir die tieferen Kurse für selektive Käufe nutzen. Die Notenbankliquidität sowie eine von uns erwartete Entspannung bei den Handelskonflikten werden die Aktienmärkte stützen. Bei den Obligationen bleiben wir infolge der tiefen Zinsen untergewichtet und im Gold übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: Juli 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Der G20-Gipfel in Osaka brachte zwar keine Lösung im Handelskonflikt zwischen den USA und China, aber immerhin eine Fortführung der Verhandlungen. In Europa wurden Ursula von der Leyen (Präsidium EU-Kommission) und Christine Lagarde (Präsidium Europäische Zentralbank) für zwei Schlüsselpositionen neu nominiert. Die Finanzierung maroder EU-Länder über die Notenpresse dürfte sich damit fortsetzen. Die Schweizerische Nationalbank wird an dieser Ausgangslage keine Freude haben.

Währungen / Gold

Die Zinsdifferenz und die relative Stärke der US-Wirtschaft gaben dem USD bis anhin eine solide Unterstützung. Die tieferen Zinsen machen es momentan unattraktiver, die US-Zwillingsdefizite zu finanzieren und werden damit den USD tendenziell belasten. Gegen einen festeren EUR spricht die neue designierte EZB-Chefin Christine Lagarde, welche sich bereits beim IWF für eine lockere Geld- und Fiskalpolitik ausgesprochen hat. Der Goldpreis und der CHF könnten unseres Erachtens die Gewinner sein.

Libra…

Facebook gründet in Genf einen Verein namens Libra. Prominente Unternehmen wie Visa, Uber und Vodafone zählen zu den Mitgliedern. Zweck ist die Lancierung einer auf der Blockchain-Technologie basierenden E-Währung. Diese wird durch einen Hartwährungskorb gesichert. Damit verfügt Libra über einen inneren Wert. Dies im Gegensatz zum Bitcoin, welcher in der Kategorie Casino anzusiedeln ist. Der Libra soll primär als Zahlungsmittel für Nutzer ohne Bankverbindung dienen. Da sich solche Nutzer vorab…

…die neue Währung

…in Schwellenländern befinden, wird er dort auf grosses Interesse stossen. Das Risiko als Mittel zur Kapitalflucht zu dienen, dürfte politische Wiederstände auslösen. Nicht erfreut sind die Banken, würden ihnen doch günstige Refinanzierungsmittel entzogen. Die Idee erscheint uns innovativ und zukunftsträchtig. Regulierungsbehörden (z.B. Datenschutz), Notenbanken und politische Instanzen werden am Schluss ausschlaggebend sein, ob der Libra in der Realität umgesetzt werden kann. Das Projekt ist spannend.

Wirtschaft

Die konjunkturellen Vorlaufindikatoren für die Weltwirtschaft präsentieren sich auch im Juni eher auf der negativen Seite. In der Schweiz lag der Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Juni bei 47.7 Punkten und verfehlte damit die Erwartungen. Zudem liegt dieser Indikator seit drei Monaten unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. In den USA wird sich das Wachstum (Q1: 3.2%) auf 2% abschwächen, was in etwa dem Potenzialwachstum entspricht. In China hinterlässt der Handelskonflikt negative Spuren.

Obligationen / Zinsen

Die 10-jährigen Staatsobligationen in den USA rentieren aktuell unter 2%. Der starke Renditerückgang kann als Indikator für eine markante Wirtschaftsabschwächung, als Vorbote für deutliche Zinssenkungen durch die Notenbank oder beides interpretiert werden. Wir sind der Meinung, dass die Zinsen zu tief gefallen sind, da sich das Wirtschaftswachstum in den USA weiterhin solide entwickeln wird, wenn auch nicht auf dem Wunschniveau von Donald Trump (3%). Wir erwarten wieder etwas höhere Zinsen.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank vollzog an ihrer Juni-Sitzung eine bemerkenswerte Kehrtwende. Die FED beschreibt ihre Politik nicht mehr als „geduldig“, sondern benutzt die Formulierung „enge Überwachung“. Der Markt erwartet damit zwei bis drei Zinssenkungen bis Ende 2019. Tiefere Inflationserwartungen, anhaltende Handelskonflikte sowie schwächere Frühindikatoren sind die Begründungen der FED. Die EZB hat ebenfalls Zinssenkungen und eine Wiederausweitung der Wertpapierkäufe signalisiert.

Aktien

Die Vermeidung einer Eskalation im Handelsstreit sowie die expansiven Signale der Notenbanken beflügelten im Juni die Aktienmärkte. Die bevorstehende Berichtssaison der Firmen über die Halbjahresresultate und die Kommentare zu den Aussichten werden nun den Blick wieder mehr auf fundamentale Fakten lenken. Wir erwarten eher negative Überraschungen. In Anbetracht der starken Kursavancen empfehlen wir, die aktuelle Stärkephase zu selektiven Aktienverkäufen und Portfoliobereinigungen zu nutzen.

Asset Allocation

Die aktuellen Quoten in unserer taktischen Vermögensallokation bleiben unverändert. Dies bedeutet ein kleines Untergewicht bei den Aktien (v.a. Europa) und ein klares Untergewicht im Obligationensektor. Obwohl wir nicht von einer harten Landung der Weltwirtschaft ausgehen, haben die Aktienmärkte viel Positives antizipiert. Obligationen bleiben nach dem jüngsten Zinsrückgang unattraktiv. Gold hat jüngst deutlich zugelegt und damit auf die tieferen Zinsen reagiert. Wir bleiben im Gold übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: April 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Immobilien, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die grüne Welle rollt über Europa. Die Landtagswahlen in Bayern oder jüngst im Kanton Zürich zeitigten massive Verschiebungen Richtung grüne Parteien. Ob der Kanton Zürich nun prädestiniert ist, das Weltklima zu verbessern, darf bezweifelt werden. Die USA, China und Indien sind die grössten Klimasünder und demzufolge relevant in dieser Frage. Grüne Politik ist letztlich linke Politik und verschlechtert bei einseitigen Massnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der entsprechenden Standorte und damit den Wohlstand.

Währungen

Die im Quervergleich schlechten Wirtschaftsindikatoren in der Eurozone hatten den EUR gegenüber dem CHF unter die CHF 1.12-Marke gedrückt. Wir erwarten jedoch in der Eurozone eine wirtschaftliche Stabilisierung und damit auch im EUR. Insgesamt erwarten wir keine grossen Bewegungen an den Devisenmärkten, da die wichtigen Zentralbanken alle synchron agieren. Die Schweiz als kleiner Währungsraum hat die geldpolitische Autonomie längst verloren und hängt nach wie vor am Rockzipfel der EZB.

Immobilien

Die Finma fordert strengere Regeln bei der Hypothekargewährung für Renditeliegenschaften. Von 2008 bis 2017 sind das Bruttoinlandprodukt (BIP) nominell um 11% und die Inlandhypotheken um über 40% gestiegen. Das Hypothekarvolumen beträgt rund CHF 1000 Mrd. und liegt damit rund 45% über dem BIP. Aktuell stehen rund 72’000 Wohnungen leer. Da die Bauherrschaft oft institutionellen Anlegern obliegt, welche keine Hypotheken brauchen, werden die geforderten Massnahmen nur bedingt Wirkung zeigen.

Wirtschaft

Im März haben sich die Frühindikatoren im Industriebereich in den USA und in China leicht erholt, während sich in Europa, insbesondere Deutschland und der Schweiz, die Lage weiter eingetrübt hat. In den USA wurden im März 196’000 neue Stellen geschaffen. Das aktuelle Stellenwachstum ist dabei immer noch doppelt so hoch, wie der demografische Trend vorgibt. In Deutschland sind andererseits die Industrieaufträge im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 8.4% eingebrochen.

Obligationen / Zinsen

Die Kapitalmarktzinsen sind in den letzten Wochen insbesondere in der Eurozone deutlich zurückgekommen. Der Hauptgrund ist die Entspannung an der Inflationsfront. Die Kernteuerung (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) sank auf 0.8%, dem tiefsten Wert seit elf Monaten. Weltweit werden mittlerweile wieder Anleihen im Betrag von USD 9000 Mrd. mit einer negativen Rendite verzinst. Dies verleitet viele Anleger, in Obligationen mit tiefem Rating zu investieren. Wir bleiben für dieses Segment zurückhaltend.

Gold

Die rückläufigen Realzinsen vermochten den Goldpreis für einmal nicht zu stimulieren. Gemäss dem World Gold Council haben die Notenbanken 2018 651 Tonnen Gold gekauft, was einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 74% entspricht. Dies war das grösste Kaufvolumen der Notenbanken seit Anfang der Siebzigerjahre. Anleger verkauften jedoch jüngst Gold ETF’s und setzten vermehrt auf Aktien. Wir schätzen am Gold nach wie vor die positiven Diversifikationseigenschaften in der Portfoliokonstruktion.

Monetäres Umfeld / Inflation

Tiefe Inflationsraten und schwaches Wachstum lassen die Notenbanken wieder expansiver agieren. Prominente Marktstrategen glauben gar, dass die Inflation tot ist. Als Gründe werden u.a. die Demographie (ältere Leute geben weniger Geld aus als junge) oder der technische Fortschritt (Produkte werden billiger und leistungsfähiger) angegeben. Wir sind skeptischer, da unseres Erachtens der Zusammenhang zwischen Geldmengenausweitung und Inflation nicht für ewig ausser Kraft gesetzt werden kann.

Aktien

Die Erholung an den Aktienmärkten setzte sich auch im März fort. In den USA wird für das erste Quartal mit einem durchschnittlichen Gewinnrückgang von 4% gerechnet. Die Löhne in den USA steigen dagegen um 3%, weshalb es schwieriger wird, die hohen Gewinnmargen zu halten. Generell antizipieren die Aktienmärkte eine Verbesserung der Konjunkturlage im zweiten Halbjahr. Wir sind skeptisch, ob sich die erwartete konjunkturelle Trendwende wirklich einstellt. Kurzfristig dürften Aktien eher seitwärts tendieren.

Asset Allocation

Wir halten an unseren bisherigen Investitionsquoten fest. Aktien bleiben damit nahezu neutral gewichtet. Durch die gestiegenen Aktienpreise erhöhten sich die Aktienquoten automatisch. Wir empfehlen, diese durch ein Rebalancing wieder etwas anzupassen und selektiv Positionen abzubauen. Der Obligationenteil bleibt untergewichtet. Diese Anlageklasse wird noch längere Zeit unattraktiv bleiben, da der Markt durch die Notenbank-interventionen massiv verzerrt ist. Die Goldquote bleibt unverändert.

Unsere Sicht der Dinge: März 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die Gespräche zwischen den USA und China zur Beilegung der Handelsstreitigkeiten scheinen positiv zu verlaufen. Präsident Trump hat auf eine Erhöhung der Importzölle per 1. März verzichtet und die Verhandlungsfrist verlängert. Ebenfalls verschoben werden dürfte das Austrittsdatum für den Brexit. Hier erstreckt sich das Spektrum eines möglichen Ausgangs vom Hard-Brexit bis zum erneuten Referendum. Der ganze Prozess wirft ein sehr negatives Licht auf die politische Elite in London und Brüssel.

Währungen

Die Währungen verzeichneten im Februar keine grossen Schwankungen. Seit anfangs Jahr fällt lediglich das britische Pfund auf, welches sich gegenüber dem CHF um 5% aufgewertet hat. Der Markt erwartet eine Verschiebung des Brexit-Datums und die Abwendung eines ungeordneten Austritts. Die Schweizerische Nationalbank orientiert sich nach wie vor an der EZB und wird versuchen, eine unkontrollierte Aufwertung des Schweizer Frankens zu vermeiden. Wir bevorzugen relativ hohe CHF-Quoten.

Schweizer Pensionskassen…

Bei der ersten Säule der Altersvorsorge (AHV) gilt das Umlageverfahren, wonach die aktive Bevölkerung für die Renten der Pensionierten aufkommt. Die zweite Säule beruht dagegen auf dem Prinzip, dass jeder für sich selber spart. Die laufend steigende Lebenserwartung und die durch die Nationalbank künstlich tief gehaltenen Zinsen bewirken, dass aktuell eine Umverteilung von den aktiv Versicherten zu den Rentnern von rund CHF 7 Mrd. pro Jahr stattfindet. Die zu hohen Renten werden durch den…

…nicht nachhaltig aufgestellt

…Umwandlungssatz bestimmt, welcher gemäss Spezialis-ten ökonomisch bei 3.8% liegen sollte, in der Realität jedoch knapp 6% beträgt. Pensionskassen sind auf stabile Erträge angewiesen. Da die Zinsen bei qualitativ guten CHF-Obligationen bei 0% liegen, sind die Kassen gezwungen, im Anlagebereich grössere Risiken einzugehen. Dies führte letztes Jahr dazu, dass bei den privatrechtlichen Einrichtungen, infolge der schwachen Aktienmärkte, die Reserven von 14.4% auf 7.7% eingebrochen sind.

Wirtschaft

In den USA ist die Wirtschaft im vierten Quartal 2018 mit 2.6% gewachsen. Dies sieht im Vergleich zur Eurozone (+1.2%) und zur Schweiz (+1.4%) deutlich positiver aus. Die Konsumentenstimmung in den USA hat sich im Februar stark verbessert, was auf das Ende des Government Shutdowns zurückzuführen ist. Dagegen hat sich die Stimmung in der Industrie abgeschwächt. In der Schweiz weist das KOF-Barometer weiterhin auf eine schwache Wirtschaftsentwicklung, vor allem im Gewerbe, hin.

Obligationen / Zinsen

Die US-Notenbank vermochte die Kapitalmärkte zu beruhigen, so dass sich im laufenden Jahr vor allem die hochverzinslichen Obligationen mit tiefem Rating erholen konnten. Derweil steigen die Schuldenberge weiter. In den USA macht die „Modern Monetary Theory“ die Runde. Diese geht von der abstrusen These aus, dass Staats-ausgaben, welche nicht mit Einnahmen gedeckt sind, mit der Notenpresse finanziert werden können. Süd-amerikanische Beispiele zeigen, dass dies nicht funktioniert.

Monetäres Umfeld / Inflation

Da der Erdölpreis vor Jahresfrist rund 10% über dem aktuellen Preis notierte, fallen die jüngst publizierten Inflationsraten moderat aus (USA 1.6%, EU 1.4%, Schweiz 0.6%). Die robusten Arbeitsmarktdaten führen jedoch dazu, dass die Löhne in den USA um rund 3% steigen und in der Eurozone ebenfalls um 2.5%. Aufgrund der momentanen Inflationsraten können sich die Notenbanken jedoch zurück-lehnen und auf Zinserhöhungen verzichten. Aktuell wird auch in den USA für 2019 keine Leitzinserhöhung erwartet.

Aktien

Die Erholung an den weltweiten Aktienmärkten setzte sich im Februar fort. Stabile Zinsen und die Hoffnung auf einen positiven Ausgang des Handelsstreits zwischen den USA und China sind die Hauptgründe für die Erholung. Die Konjunkturindikatoren signalisieren jedoch deutlich tiefere Wachstumsraten, so dass die Gewinnschätzungen für 2019 unseres Erachtens zu hoch angesetzt sind. Damit ist das kurzfristige Potential für Aktien eher begrenzt, eine Konsolidierung ist wahrscheinlich.

Asset Allocation

Wir nehmen keine Änderungen in der Asset Allocation vor. Die Aktiengewichtung liegt nahe dem neutralen Bereich. Innerhalb des Aktiensegments bleiben wir in Europa unter-gewichtet (konjunkturelle und strukturelle Risiken) und bei den Trends übergewichtet. Dort geben demografische und technologische Entwicklungen den Takt vor. Obligationen bleiben deutlich untergewichtet (wir verzichten auf Hochzins-anleihen schlechter Qualität). Die Übergewichtung im Gold (stabilisierende Portfolioeigenschaften) bleibt bestehen.

 

Unsere Sicht der Dinge: Februar 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Bis zum 1. März bleibt den USA und China Zeit, um eine Vereinbarung zur Verbesserung der Handelsbeziehungen zu erreichen. Die USA haben angedroht, beim Scheitern der Verhandlungen die Importzölle für chinesische Güter im Wert von USD 200 Mrd. von 10% auf 20% zu erhöhen. Themen wie Schutz des geistigen Eigentums, Marktzugang, Abbau des Handelsbilanzdefizits und die Währungspolitik zeigen die Komplexität auf. Die Märkte erwarten einen positiven Ausgang des Konflikts.

Währungen

Die Beruhigung der weltweiten Aktienmärkte führte dazu, dass der Schweizer Franken als sicherer Hafen kurzfristig nicht im Vordergrund steht. Die meisten Hauptwährungen haben seit Anfang des Jahres gegenüber dem CHF zugelegt. Die Wachstumsschwäche in der Eurozone, welche die EZB zu einer weiterhin expansiven Geldpolitik animiert, sprechen gegen den Euro. Der USD konnte sich infolge tieferer Inflationserwartungen gut behaupten, wird sich infolge des zu Ende gehenden Zinszyklus jedoch kaum stark aufwerten.

Brexit in Grossbritannien…

Auf den ersten Blick haben die Austrittsverhandlungen Grossbritanniens aus der EU und das vorliegende Rahmenabkommen der Schweiz mit der EU nichts miteinander zu tun. Die Engländer wollen wieder mehr Souveränität, die EU-Zentrale in Brüssel wird als zu ab-gehoben und zentralistisch empfunden. Der Preis für den Austritt sind allerdings wirtschaftliche Nachteile, die sich allenfalls mittelfristig mit neuen Freihandelsabkommen und der Förderung der Standortattraktivität beheben lassen…

…Rahmenvertrag der Schweiz mit der EU

…Die Schweiz hat sich mit den bilateralen Verträgen schöne Filetstücke für den Marktzugang zum Binnenmarkt gesichert und ist damit zufrieden. Die EU sieht darin eine Rosinenpickerei und ist nicht mehr gewillt, diesen Weg ohne institutionelle Einbindung weiterzuführen. Gerhard Schwarz (Liberaler) hält jüngst in der NZZ fest, dass aus liberaler Sicht im Konfliktfall die Freiheit dem Wohlstand vorgehen muss. Um Freiheit und Selbstbestimmung geht es letztlich sowohl in England als auch in der Schweiz.

Wirtschaft

In der EU und in weiten Teilen Asiens signalisieren die wirtschaftlichen Frühindikatoren eine abnehmende Dynamik. Italien befindet sich bereits in einer Rezession. Überraschend positiv haben sich die Industrieumfragen und die Arbeitsmarktdaten in den USA entwickelt, dies trotz Handelskonflikt und Regierungsstillstand. Führende Prognoseinstitute (z.B. IWF) korrigieren ihre Prognosen laufend nach unten. In der Schweiz liegt der Stand des KOF-Barometers der ETH auf dem tiefsten Stand seit April 2015.

Obligationen / Zinsen

Die deutlichen geldpolitischen Zeichen der europäischen und der US-Notenbank führten zu einer Entspannung bei den Kapitalmarktzinsen. Die Aufwärtsbewegung an den Anleihenmärkten wird sich aber aufgrund des nach wie vor tiefen Zinsniveaus kaum fortsetzen, so dass sich Anlagen in Obligationen nicht lohnen. Die Signale der Notenbanken zeigen einerseits, dass sich diese um die Konjunktur Sorgen machen aber auch bereit sind monetär einzugreifen. Die Finanzmärkte verdanken dies mit Kursavancen.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Zentralbank hat mit dem Satz „Man kann es sich leisten, geduldig zu sein“, die Erwartungen für weitere Zinserhöhungen aus dem Markt genommen. Die Ausführungen, dass auch die Bilanz der Zentralbank weniger stark verkürzt werden dürfte als geplant, unterstreicht die Kehrtwende der US-Notenbank. Kritiker werfen dem FED vor, bereits bei ersten Anzeichen von Marktproblemen einzuknicken. Nun, das FED hat den nötigen Spielraum. Wir in Europa haben ihn nicht.

Aktien

Das neue Jahr hat für die Aktienmärkte gut begonnen. Einmal mehr vermochten die Notenbanken, die Anleger zu beruhigen. Die Aufwärtsbewegung ist allerdings zu ausgeprägt und zu schnell erfolgt, weshalb wir kurzfristig eine Konsolidierung erwarten. Uns erscheinen die aktuellen Gewinnschätzungen für 2019 aufgrund der realwirt-schaftlichen Abkühlung als zu hoch, v.a. für Europa. Die Ausschläge an den Aktienmärkten bleiben hoch, weshalb in Stärkephasen selektive Verkäufe zu empfehlen sind.

Asset Allocation

Wir reduzieren unsere Aktienquote von Übergewichten auf nahezu neutral. Die Reduktion erfolgt primär im Bereich Aktien Europa und marginal bei den Trends. Die Probleme in Europa sind sowohl konjunktureller als auch struktureller Art (schwaches Wachstum in Deutschland, Rezession in Italien, Gelbwesten, Brexit). Zudem werfen die bevor-stehenden Europawahlen ihre Schatten voraus. Grund-sätzlich bleiben wir jedoch für Aktien verhalten optimistisch. Obligationen bleiben untergewichtet, Gold übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: Januar 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die Turbulenzen an den Aktienmärkten sowie deutliche Anzeichen einer wirtschaftlichen Verlangsamung erhöhen den Druck auf die USA und China, im Handelsstreit Lösungen zu erarbeiten. Die EU lässt im Dezember gegenüber der Schweiz verlauten, dass ohne Rahmenvertrag keine neuen Marktzugangsabkommen mehr möglich sind. Ebenso betroffen wären bestehende Verträge, welche nicht mehr aktualisiert werden könnten. Die Anerkennung der Börsenäquivalenz wurde um sechs Monate verlängert.

Währungen

Die Wirkung der fiskalpolitischen wird 2019 in den USA nachlassen, sodass die US-Wirtschaft in ein gemächlicheres Wachstum mündet. Dies wird unseres Erachtens den Aufwertungsdruck auf den USD bremsen (nahes Ende des Zinserhöhungszyklus). Der Euro ist jedoch nach wie vor keine valable Alternative. Der Entscheid des Europäischen Gerichtshofs, dass die Anleihenkäufe der EZB am Sekundärmarkt rechtens seien, stellen einen Freipass zur Staatsfinanzierung via Notenpresse dar.

Immobilien

Erstmals seit fünf Jahren verloren indirekte Immobilienanlagen (Immobilienfonds) in der Schweiz an Wert (-5.3%). Der durchschnittliche Aufschlag (Agio) gegenüber dem inneren Wert ist im Durchschnitt aller Immobilienfonds von 29.4% auf 15.7% zurückgegangen. Damit hat sich die Bewertung etwas normalisiert, ist aber immer noch zu hoch. Die Leerstandsquote für Mietwohnungen steigt seit acht Jahren an und beträgt nun 2.5%. Auch für 2019 ist mit einem weiteren Anstieg an leeren Wohnungen zu rechnen.

Wirtschaft

Die Frühindikatoren haben sich im Dezember eingetrübt. In den USA sank der Einkaufsmanagerindex für die Industrie von 59.3 auf 54.1 Punkte. Dies signalisiert eine Wachstumsverlangsamung, aber noch keine Rezession. Für eine weiche Landung sprechen die pragmatische Haltung der US-Notenbank, tiefe Rohstoffpreise und sinkende Inflationserwartungen. Für die Weltwirtschaft wird 2019 ein Wachstum von rund 3.5% erwartet. Die Schwellenländer wachsen dabei um 4.5%, die Industriestaaten um 2%.

Obligationen / Zinsen

Im Dezember profitierten Staatsobligationen vom Verkaufsdruck an den Aktienmärkten. In den USA sank dadurch die Rendite zehnjähriger Regierungsanleihen von 3% auf unter 2.7%. Damit wurde die Zinskurve invers, d.h. die kurzfristigen Zinsen lagen leicht höher als die langfristigen. Für viele Analytiker gilt dies als Signal für eine Rezession. Da jedoch das Zinsniveau unter 3% liegt (frühere Zyklen 5% bis 6%), entfällt die brüske Bremswirkung der Geldpolitik. Obligationen bleiben insgesamt unattraktiv.

Gold

Im Zuge der jüngsten Entspannung bei den Kapitalmarktzinsen und den Einbrüchen an den Aktienmärkten erwies sich Gold erneut als Stabilisator. Die Erwartung, dass sich der Zinserhöhungszyklus in den USA langsam seinem Ende nähert und damit der Aufwertungsdruck auf den USD nachlässt, wird den Goldpreis weiterhin unterstützen. Schwelende Krisenherde wie beispielsweise die maroden Banken in Italien werden auch 2019 für Turbulenzen sorgen. Wir erachten Gold weiterhin als Krisenwährung.

Monetäres Umfeld / Inflation

Der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, hat jüngst kommuniziert, dass der neutrale Leitzins über der aktuellen Marke liegt. Dies gibt der Notenbank die Möglichkeit, zukünftige Zinsentscheide entlang der erwarteten Wirtschaftsentwicklung auszurichten. Im Vergleich zur EZB oder Schweizerischen Nationalbank verfügt die US-Notenbank damit über einen komfortablen geldpolitischen Spielraum. Die Inflationsraten tendieren infolge der schwachen Energiepreise kurzfristig rückläufig.

Aktien

Das schwierige Aktienjahr 2018 endete mit äusserst scharfen Korrekturen im Dezember. Die Zinserhöhung der US-Notenbank wurde von den Märkten als Kampfansage der Notenbank gegenüber dem Präsidenten interpretiert. Der US-Aktienmarkt verlor daraufhin im Dezember 10%. Wir erachten die Korrekturen als übertrieben und erwarten eine Gegenbewegung. Die Bewertung der Aktien ist auf den aktuellen Niveaus und unter Berücksichtigung der tiefen Zinsen angemessen. Selektive Käufe sind angezeigt.

Asset Allocation

Wir reduzieren unsere Positionen bei den USD-Anleihen zugunsten von CHF-Liquidität und von Ermerging Markets-Aktien. Damit sind wir bei den Aktien aufstrebender Länder wieder neutral gewichtet. Die Bewertung dieser Anlagekategorie ist nach den letztjährigen Korrekturen günstig und das Wirtschaftswachstum liegt nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt der Industrieländer (China +6%, Indien +7%). Insgesamt sind wir bei Aktien übergewichtet, bei den Obligationen untergewichtet und beim Gold übergewichtet.

2019: Chancen und Risiken

2018 ist Geschichte, 2019 hat schon die ersten Tage hinter sich gebracht. Im Consilia Blog betrachtet die FONTARIS AG das neue Jahr aus verschiedenen Perspektiven und gibt die ersten Prognosen ab.

 

Chancen

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten könnten dazu führen, dass sich die USA und China schneller als erwartet auf eine Lösung im Handelsstreit einigen. Um einen Gesichtsverlust zu vermeiden, könnte ein Bekenntnis zu einer raschen Reform der Welthandelsorganisation WTO den Weg bereiten.

Das Wachstum der Weltwirtschaft wird auch 2019 rund 3.5% betragen, nach knapp 4% im abgelaufenen Jahr. Im Unterschied zu früheren Zyklen ist ein abruptes Abwürgen des Aufschwungs durch die Notenbanken nicht zu erwarten. In den USA wurden zwar die Zinsen neunmal angehoben, aber das Niveau liegt sowohl für kurze wie längere Laufzeiten nicht über 3% und ist damit vergleichsweise tief. Die US-Notenbank hat den neutralen Zins jüngst mit 2.75% definiert, was ein deutlich gemächlicheres Tempo für zukünftige Zinserhöhungen oder gar einen Marschhalt impliziert.

Die Aktienmärkte aus aller Welt und insbesondere konjunktursensitive Sektoren haben in den letzten Wochen deutlich an Wert eingebüsst und antizipieren teilweise bereits eine «Gewinnrezension». Hochkonjunktur erleben dagegen die Crashpropheten mit ihren pessimistischen Szenarien. Diese allenfalls zu negative Stimmung birgt Potenzial für positive Überraschungen und damit höhere Kurse für Aktien. Mit Ausnahme der USA haben die Investoren nach wie vor keine Möglichkeit, ihr Geld in risikolosen Geldmarkt- oder Obligationen-Anlagen zu investieren. In Europa und der Schweiz werden die kurzfristigen Zinsen negativ bleiben oder nahe der 0%-Marke verharren.

Risiken

Leider könnten sich die politischen Unsicherheiten auch verschärfen. Für einmal hatten politische Ereignissen einen deutlichen Einfluss auf die Finanzmärkte. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China verunsichert und hemmt die Investitionslust. In Deutschland führt die politische Verteufelung des Dieselmotors zu enormen Kosten für die Autoindustrie und sorgt für rückläufige Absatzzahlen. Dies spürt auch die wichtige Zulieferindustrie. Die Schweiz steht vor einer wichtigen Entscheidung im Verhältnis zur EU. Souveränität oder Zugang zum Binnenmarkt, beides zugleich wird künftig nicht mehr möglich sein. Ohne Rahmenabkommen ist der bilaterale Weg Geschichte.

Sollten die Notenbanken die Geldpolitik weiter normalisieren (was wir in Europa und Japan nicht erwarten), gelangen die enormen Schuldenberge vermehrt in den Fokus der Finanzmärkte. In den USA beträgt die Verschuldung der Nichtfinanzunternehmen 74% des BIP, was über dem Höchststand der Finanzkrise von 2008 liegt. Bei den italienischen Banken beträgt der Anteil fauler Kredite 10-15% des gesamten Kreditvolumens und die Staatsverschuldung liegt bei über 130% des BIP. Die negative Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Die Schuldenproblematik ist eines der grössten Risiken für das globale Finanzsystem.

Aktienmärkte entwickeln sich zwar im langfristigen Durchschnitt entlang der fundamentalen Faktoren (Gewinnentwicklung, Zinsen). Kurzfristig kann jedoch die Psyche der Anleger anhaltende Trends verstärken. Man kann dies als eine Gratwanderung zwischen Habgier und Angst bezeichnen. Die ganz grosse Panik war jedoch bisher an den Aktienmärkten noch nicht auszumachen.

Fazit

2019 startet mit viel Ungewissheit. Dies eröffnet durchaus Chancen für antizyklisch agierende Investoren. Langfristig orientierte Anleger sollten an ihrer Anlagestrategie festhalten und sich von der erhöhten Volatilität nicht verunsichern lassen.