Unsere Sicht der Dinge: Mai 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Immobilien, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

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Unsere Sicht der Dinge: April 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Immobilien, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die grüne Welle rollt über Europa. Die Landtagswahlen in Bayern oder jüngst im Kanton Zürich zeitigten massive Verschiebungen Richtung grüne Parteien. Ob der Kanton Zürich nun prädestiniert ist, das Weltklima zu verbessern, darf bezweifelt werden. Die USA, China und Indien sind die grössten Klimasünder und demzufolge relevant in dieser Frage. Grüne Politik ist letztlich linke Politik und verschlechtert bei einseitigen Massnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der entsprechenden Standorte und damit den Wohlstand.

Währungen

Die im Quervergleich schlechten Wirtschaftsindikatoren in der Eurozone hatten den EUR gegenüber dem CHF unter die CHF 1.12-Marke gedrückt. Wir erwarten jedoch in der Eurozone eine wirtschaftliche Stabilisierung und damit auch im EUR. Insgesamt erwarten wir keine grossen Bewegungen an den Devisenmärkten, da die wichtigen Zentralbanken alle synchron agieren. Die Schweiz als kleiner Währungsraum hat die geldpolitische Autonomie längst verloren und hängt nach wie vor am Rockzipfel der EZB.

Immobilien

Die Finma fordert strengere Regeln bei der Hypothekargewährung für Renditeliegenschaften. Von 2008 bis 2017 sind das Bruttoinlandprodukt (BIP) nominell um 11% und die Inlandhypotheken um über 40% gestiegen. Das Hypothekarvolumen beträgt rund CHF 1000 Mrd. und liegt damit rund 45% über dem BIP. Aktuell stehen rund 72’000 Wohnungen leer. Da die Bauherrschaft oft institutionellen Anlegern obliegt, welche keine Hypotheken brauchen, werden die geforderten Massnahmen nur bedingt Wirkung zeigen.

Wirtschaft

Im März haben sich die Frühindikatoren im Industriebereich in den USA und in China leicht erholt, während sich in Europa, insbesondere Deutschland und der Schweiz, die Lage weiter eingetrübt hat. In den USA wurden im März 196’000 neue Stellen geschaffen. Das aktuelle Stellenwachstum ist dabei immer noch doppelt so hoch, wie der demografische Trend vorgibt. In Deutschland sind andererseits die Industrieaufträge im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 8.4% eingebrochen.

Obligationen / Zinsen

Die Kapitalmarktzinsen sind in den letzten Wochen insbesondere in der Eurozone deutlich zurückgekommen. Der Hauptgrund ist die Entspannung an der Inflationsfront. Die Kernteuerung (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) sank auf 0.8%, dem tiefsten Wert seit elf Monaten. Weltweit werden mittlerweile wieder Anleihen im Betrag von USD 9000 Mrd. mit einer negativen Rendite verzinst. Dies verleitet viele Anleger, in Obligationen mit tiefem Rating zu investieren. Wir bleiben für dieses Segment zurückhaltend.

Gold

Die rückläufigen Realzinsen vermochten den Goldpreis für einmal nicht zu stimulieren. Gemäss dem World Gold Council haben die Notenbanken 2018 651 Tonnen Gold gekauft, was einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 74% entspricht. Dies war das grösste Kaufvolumen der Notenbanken seit Anfang der Siebzigerjahre. Anleger verkauften jedoch jüngst Gold ETF’s und setzten vermehrt auf Aktien. Wir schätzen am Gold nach wie vor die positiven Diversifikationseigenschaften in der Portfoliokonstruktion.

Monetäres Umfeld / Inflation

Tiefe Inflationsraten und schwaches Wachstum lassen die Notenbanken wieder expansiver agieren. Prominente Marktstrategen glauben gar, dass die Inflation tot ist. Als Gründe werden u.a. die Demographie (ältere Leute geben weniger Geld aus als junge) oder der technische Fortschritt (Produkte werden billiger und leistungsfähiger) angegeben. Wir sind skeptischer, da unseres Erachtens der Zusammenhang zwischen Geldmengenausweitung und Inflation nicht für ewig ausser Kraft gesetzt werden kann.

Aktien

Die Erholung an den Aktienmärkten setzte sich auch im März fort. In den USA wird für das erste Quartal mit einem durchschnittlichen Gewinnrückgang von 4% gerechnet. Die Löhne in den USA steigen dagegen um 3%, weshalb es schwieriger wird, die hohen Gewinnmargen zu halten. Generell antizipieren die Aktienmärkte eine Verbesserung der Konjunkturlage im zweiten Halbjahr. Wir sind skeptisch, ob sich die erwartete konjunkturelle Trendwende wirklich einstellt. Kurzfristig dürften Aktien eher seitwärts tendieren.

Asset Allocation

Wir halten an unseren bisherigen Investitionsquoten fest. Aktien bleiben damit nahezu neutral gewichtet. Durch die gestiegenen Aktienpreise erhöhten sich die Aktienquoten automatisch. Wir empfehlen, diese durch ein Rebalancing wieder etwas anzupassen und selektiv Positionen abzubauen. Der Obligationenteil bleibt untergewichtet. Diese Anlageklasse wird noch längere Zeit unattraktiv bleiben, da der Markt durch die Notenbank-interventionen massiv verzerrt ist. Die Goldquote bleibt unverändert.

Unsere Sicht der Dinge: März 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die Gespräche zwischen den USA und China zur Beilegung der Handelsstreitigkeiten scheinen positiv zu verlaufen. Präsident Trump hat auf eine Erhöhung der Importzölle per 1. März verzichtet und die Verhandlungsfrist verlängert. Ebenfalls verschoben werden dürfte das Austrittsdatum für den Brexit. Hier erstreckt sich das Spektrum eines möglichen Ausgangs vom Hard-Brexit bis zum erneuten Referendum. Der ganze Prozess wirft ein sehr negatives Licht auf die politische Elite in London und Brüssel.

Währungen

Die Währungen verzeichneten im Februar keine grossen Schwankungen. Seit anfangs Jahr fällt lediglich das britische Pfund auf, welches sich gegenüber dem CHF um 5% aufgewertet hat. Der Markt erwartet eine Verschiebung des Brexit-Datums und die Abwendung eines ungeordneten Austritts. Die Schweizerische Nationalbank orientiert sich nach wie vor an der EZB und wird versuchen, eine unkontrollierte Aufwertung des Schweizer Frankens zu vermeiden. Wir bevorzugen relativ hohe CHF-Quoten.

Schweizer Pensionskassen…

Bei der ersten Säule der Altersvorsorge (AHV) gilt das Umlageverfahren, wonach die aktive Bevölkerung für die Renten der Pensionierten aufkommt. Die zweite Säule beruht dagegen auf dem Prinzip, dass jeder für sich selber spart. Die laufend steigende Lebenserwartung und die durch die Nationalbank künstlich tief gehaltenen Zinsen bewirken, dass aktuell eine Umverteilung von den aktiv Versicherten zu den Rentnern von rund CHF 7 Mrd. pro Jahr stattfindet. Die zu hohen Renten werden durch den…

…nicht nachhaltig aufgestellt

…Umwandlungssatz bestimmt, welcher gemäss Spezialis-ten ökonomisch bei 3.8% liegen sollte, in der Realität jedoch knapp 6% beträgt. Pensionskassen sind auf stabile Erträge angewiesen. Da die Zinsen bei qualitativ guten CHF-Obligationen bei 0% liegen, sind die Kassen gezwungen, im Anlagebereich grössere Risiken einzugehen. Dies führte letztes Jahr dazu, dass bei den privatrechtlichen Einrichtungen, infolge der schwachen Aktienmärkte, die Reserven von 14.4% auf 7.7% eingebrochen sind.

Wirtschaft

In den USA ist die Wirtschaft im vierten Quartal 2018 mit 2.6% gewachsen. Dies sieht im Vergleich zur Eurozone (+1.2%) und zur Schweiz (+1.4%) deutlich positiver aus. Die Konsumentenstimmung in den USA hat sich im Februar stark verbessert, was auf das Ende des Government Shutdowns zurückzuführen ist. Dagegen hat sich die Stimmung in der Industrie abgeschwächt. In der Schweiz weist das KOF-Barometer weiterhin auf eine schwache Wirtschaftsentwicklung, vor allem im Gewerbe, hin.

Obligationen / Zinsen

Die US-Notenbank vermochte die Kapitalmärkte zu beruhigen, so dass sich im laufenden Jahr vor allem die hochverzinslichen Obligationen mit tiefem Rating erholen konnten. Derweil steigen die Schuldenberge weiter. In den USA macht die „Modern Monetary Theory“ die Runde. Diese geht von der abstrusen These aus, dass Staats-ausgaben, welche nicht mit Einnahmen gedeckt sind, mit der Notenpresse finanziert werden können. Süd-amerikanische Beispiele zeigen, dass dies nicht funktioniert.

Monetäres Umfeld / Inflation

Da der Erdölpreis vor Jahresfrist rund 10% über dem aktuellen Preis notierte, fallen die jüngst publizierten Inflationsraten moderat aus (USA 1.6%, EU 1.4%, Schweiz 0.6%). Die robusten Arbeitsmarktdaten führen jedoch dazu, dass die Löhne in den USA um rund 3% steigen und in der Eurozone ebenfalls um 2.5%. Aufgrund der momentanen Inflationsraten können sich die Notenbanken jedoch zurück-lehnen und auf Zinserhöhungen verzichten. Aktuell wird auch in den USA für 2019 keine Leitzinserhöhung erwartet.

Aktien

Die Erholung an den weltweiten Aktienmärkten setzte sich im Februar fort. Stabile Zinsen und die Hoffnung auf einen positiven Ausgang des Handelsstreits zwischen den USA und China sind die Hauptgründe für die Erholung. Die Konjunkturindikatoren signalisieren jedoch deutlich tiefere Wachstumsraten, so dass die Gewinnschätzungen für 2019 unseres Erachtens zu hoch angesetzt sind. Damit ist das kurzfristige Potential für Aktien eher begrenzt, eine Konsolidierung ist wahrscheinlich.

Asset Allocation

Wir nehmen keine Änderungen in der Asset Allocation vor. Die Aktiengewichtung liegt nahe dem neutralen Bereich. Innerhalb des Aktiensegments bleiben wir in Europa unter-gewichtet (konjunkturelle und strukturelle Risiken) und bei den Trends übergewichtet. Dort geben demografische und technologische Entwicklungen den Takt vor. Obligationen bleiben deutlich untergewichtet (wir verzichten auf Hochzins-anleihen schlechter Qualität). Die Übergewichtung im Gold (stabilisierende Portfolioeigenschaften) bleibt bestehen.

 

Unsere Sicht der Dinge: Februar 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Bis zum 1. März bleibt den USA und China Zeit, um eine Vereinbarung zur Verbesserung der Handelsbeziehungen zu erreichen. Die USA haben angedroht, beim Scheitern der Verhandlungen die Importzölle für chinesische Güter im Wert von USD 200 Mrd. von 10% auf 20% zu erhöhen. Themen wie Schutz des geistigen Eigentums, Marktzugang, Abbau des Handelsbilanzdefizits und die Währungspolitik zeigen die Komplexität auf. Die Märkte erwarten einen positiven Ausgang des Konflikts.

Währungen

Die Beruhigung der weltweiten Aktienmärkte führte dazu, dass der Schweizer Franken als sicherer Hafen kurzfristig nicht im Vordergrund steht. Die meisten Hauptwährungen haben seit Anfang des Jahres gegenüber dem CHF zugelegt. Die Wachstumsschwäche in der Eurozone, welche die EZB zu einer weiterhin expansiven Geldpolitik animiert, sprechen gegen den Euro. Der USD konnte sich infolge tieferer Inflationserwartungen gut behaupten, wird sich infolge des zu Ende gehenden Zinszyklus jedoch kaum stark aufwerten.

Brexit in Grossbritannien…

Auf den ersten Blick haben die Austrittsverhandlungen Grossbritanniens aus der EU und das vorliegende Rahmenabkommen der Schweiz mit der EU nichts miteinander zu tun. Die Engländer wollen wieder mehr Souveränität, die EU-Zentrale in Brüssel wird als zu ab-gehoben und zentralistisch empfunden. Der Preis für den Austritt sind allerdings wirtschaftliche Nachteile, die sich allenfalls mittelfristig mit neuen Freihandelsabkommen und der Förderung der Standortattraktivität beheben lassen…

…Rahmenvertrag der Schweiz mit der EU

…Die Schweiz hat sich mit den bilateralen Verträgen schöne Filetstücke für den Marktzugang zum Binnenmarkt gesichert und ist damit zufrieden. Die EU sieht darin eine Rosinenpickerei und ist nicht mehr gewillt, diesen Weg ohne institutionelle Einbindung weiterzuführen. Gerhard Schwarz (Liberaler) hält jüngst in der NZZ fest, dass aus liberaler Sicht im Konfliktfall die Freiheit dem Wohlstand vorgehen muss. Um Freiheit und Selbstbestimmung geht es letztlich sowohl in England als auch in der Schweiz.

Wirtschaft

In der EU und in weiten Teilen Asiens signalisieren die wirtschaftlichen Frühindikatoren eine abnehmende Dynamik. Italien befindet sich bereits in einer Rezession. Überraschend positiv haben sich die Industrieumfragen und die Arbeitsmarktdaten in den USA entwickelt, dies trotz Handelskonflikt und Regierungsstillstand. Führende Prognoseinstitute (z.B. IWF) korrigieren ihre Prognosen laufend nach unten. In der Schweiz liegt der Stand des KOF-Barometers der ETH auf dem tiefsten Stand seit April 2015.

Obligationen / Zinsen

Die deutlichen geldpolitischen Zeichen der europäischen und der US-Notenbank führten zu einer Entspannung bei den Kapitalmarktzinsen. Die Aufwärtsbewegung an den Anleihenmärkten wird sich aber aufgrund des nach wie vor tiefen Zinsniveaus kaum fortsetzen, so dass sich Anlagen in Obligationen nicht lohnen. Die Signale der Notenbanken zeigen einerseits, dass sich diese um die Konjunktur Sorgen machen aber auch bereit sind monetär einzugreifen. Die Finanzmärkte verdanken dies mit Kursavancen.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Zentralbank hat mit dem Satz „Man kann es sich leisten, geduldig zu sein“, die Erwartungen für weitere Zinserhöhungen aus dem Markt genommen. Die Ausführungen, dass auch die Bilanz der Zentralbank weniger stark verkürzt werden dürfte als geplant, unterstreicht die Kehrtwende der US-Notenbank. Kritiker werfen dem FED vor, bereits bei ersten Anzeichen von Marktproblemen einzuknicken. Nun, das FED hat den nötigen Spielraum. Wir in Europa haben ihn nicht.

Aktien

Das neue Jahr hat für die Aktienmärkte gut begonnen. Einmal mehr vermochten die Notenbanken, die Anleger zu beruhigen. Die Aufwärtsbewegung ist allerdings zu ausgeprägt und zu schnell erfolgt, weshalb wir kurzfristig eine Konsolidierung erwarten. Uns erscheinen die aktuellen Gewinnschätzungen für 2019 aufgrund der realwirt-schaftlichen Abkühlung als zu hoch, v.a. für Europa. Die Ausschläge an den Aktienmärkten bleiben hoch, weshalb in Stärkephasen selektive Verkäufe zu empfehlen sind.

Asset Allocation

Wir reduzieren unsere Aktienquote von Übergewichten auf nahezu neutral. Die Reduktion erfolgt primär im Bereich Aktien Europa und marginal bei den Trends. Die Probleme in Europa sind sowohl konjunktureller als auch struktureller Art (schwaches Wachstum in Deutschland, Rezession in Italien, Gelbwesten, Brexit). Zudem werfen die bevor-stehenden Europawahlen ihre Schatten voraus. Grund-sätzlich bleiben wir jedoch für Aktien verhalten optimistisch. Obligationen bleiben untergewichtet, Gold übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: Januar 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die Turbulenzen an den Aktienmärkten sowie deutliche Anzeichen einer wirtschaftlichen Verlangsamung erhöhen den Druck auf die USA und China, im Handelsstreit Lösungen zu erarbeiten. Die EU lässt im Dezember gegenüber der Schweiz verlauten, dass ohne Rahmenvertrag keine neuen Marktzugangsabkommen mehr möglich sind. Ebenso betroffen wären bestehende Verträge, welche nicht mehr aktualisiert werden könnten. Die Anerkennung der Börsenäquivalenz wurde um sechs Monate verlängert.

Währungen

Die Wirkung der fiskalpolitischen wird 2019 in den USA nachlassen, sodass die US-Wirtschaft in ein gemächlicheres Wachstum mündet. Dies wird unseres Erachtens den Aufwertungsdruck auf den USD bremsen (nahes Ende des Zinserhöhungszyklus). Der Euro ist jedoch nach wie vor keine valable Alternative. Der Entscheid des Europäischen Gerichtshofs, dass die Anleihenkäufe der EZB am Sekundärmarkt rechtens seien, stellen einen Freipass zur Staatsfinanzierung via Notenpresse dar.

Immobilien

Erstmals seit fünf Jahren verloren indirekte Immobilienanlagen (Immobilienfonds) in der Schweiz an Wert (-5.3%). Der durchschnittliche Aufschlag (Agio) gegenüber dem inneren Wert ist im Durchschnitt aller Immobilienfonds von 29.4% auf 15.7% zurückgegangen. Damit hat sich die Bewertung etwas normalisiert, ist aber immer noch zu hoch. Die Leerstandsquote für Mietwohnungen steigt seit acht Jahren an und beträgt nun 2.5%. Auch für 2019 ist mit einem weiteren Anstieg an leeren Wohnungen zu rechnen.

Wirtschaft

Die Frühindikatoren haben sich im Dezember eingetrübt. In den USA sank der Einkaufsmanagerindex für die Industrie von 59.3 auf 54.1 Punkte. Dies signalisiert eine Wachstumsverlangsamung, aber noch keine Rezession. Für eine weiche Landung sprechen die pragmatische Haltung der US-Notenbank, tiefe Rohstoffpreise und sinkende Inflationserwartungen. Für die Weltwirtschaft wird 2019 ein Wachstum von rund 3.5% erwartet. Die Schwellenländer wachsen dabei um 4.5%, die Industriestaaten um 2%.

Obligationen / Zinsen

Im Dezember profitierten Staatsobligationen vom Verkaufsdruck an den Aktienmärkten. In den USA sank dadurch die Rendite zehnjähriger Regierungsanleihen von 3% auf unter 2.7%. Damit wurde die Zinskurve invers, d.h. die kurzfristigen Zinsen lagen leicht höher als die langfristigen. Für viele Analytiker gilt dies als Signal für eine Rezession. Da jedoch das Zinsniveau unter 3% liegt (frühere Zyklen 5% bis 6%), entfällt die brüske Bremswirkung der Geldpolitik. Obligationen bleiben insgesamt unattraktiv.

Gold

Im Zuge der jüngsten Entspannung bei den Kapitalmarktzinsen und den Einbrüchen an den Aktienmärkten erwies sich Gold erneut als Stabilisator. Die Erwartung, dass sich der Zinserhöhungszyklus in den USA langsam seinem Ende nähert und damit der Aufwertungsdruck auf den USD nachlässt, wird den Goldpreis weiterhin unterstützen. Schwelende Krisenherde wie beispielsweise die maroden Banken in Italien werden auch 2019 für Turbulenzen sorgen. Wir erachten Gold weiterhin als Krisenwährung.

Monetäres Umfeld / Inflation

Der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, hat jüngst kommuniziert, dass der neutrale Leitzins über der aktuellen Marke liegt. Dies gibt der Notenbank die Möglichkeit, zukünftige Zinsentscheide entlang der erwarteten Wirtschaftsentwicklung auszurichten. Im Vergleich zur EZB oder Schweizerischen Nationalbank verfügt die US-Notenbank damit über einen komfortablen geldpolitischen Spielraum. Die Inflationsraten tendieren infolge der schwachen Energiepreise kurzfristig rückläufig.

Aktien

Das schwierige Aktienjahr 2018 endete mit äusserst scharfen Korrekturen im Dezember. Die Zinserhöhung der US-Notenbank wurde von den Märkten als Kampfansage der Notenbank gegenüber dem Präsidenten interpretiert. Der US-Aktienmarkt verlor daraufhin im Dezember 10%. Wir erachten die Korrekturen als übertrieben und erwarten eine Gegenbewegung. Die Bewertung der Aktien ist auf den aktuellen Niveaus und unter Berücksichtigung der tiefen Zinsen angemessen. Selektive Käufe sind angezeigt.

Asset Allocation

Wir reduzieren unsere Positionen bei den USD-Anleihen zugunsten von CHF-Liquidität und von Ermerging Markets-Aktien. Damit sind wir bei den Aktien aufstrebender Länder wieder neutral gewichtet. Die Bewertung dieser Anlagekategorie ist nach den letztjährigen Korrekturen günstig und das Wirtschaftswachstum liegt nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt der Industrieländer (China +6%, Indien +7%). Insgesamt sind wir bei Aktien übergewichtet, bei den Obligationen untergewichtet und beim Gold übergewichtet.

2019: Chancen und Risiken

2018 ist Geschichte, 2019 hat schon die ersten Tage hinter sich gebracht. Im Consilia Blog betrachtet die FONTARIS AG das neue Jahr aus verschiedenen Perspektiven und gibt die ersten Prognosen ab.

 

Chancen

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten könnten dazu führen, dass sich die USA und China schneller als erwartet auf eine Lösung im Handelsstreit einigen. Um einen Gesichtsverlust zu vermeiden, könnte ein Bekenntnis zu einer raschen Reform der Welthandelsorganisation WTO den Weg bereiten.

Das Wachstum der Weltwirtschaft wird auch 2019 rund 3.5% betragen, nach knapp 4% im abgelaufenen Jahr. Im Unterschied zu früheren Zyklen ist ein abruptes Abwürgen des Aufschwungs durch die Notenbanken nicht zu erwarten. In den USA wurden zwar die Zinsen neunmal angehoben, aber das Niveau liegt sowohl für kurze wie längere Laufzeiten nicht über 3% und ist damit vergleichsweise tief. Die US-Notenbank hat den neutralen Zins jüngst mit 2.75% definiert, was ein deutlich gemächlicheres Tempo für zukünftige Zinserhöhungen oder gar einen Marschhalt impliziert.

Die Aktienmärkte aus aller Welt und insbesondere konjunktursensitive Sektoren haben in den letzten Wochen deutlich an Wert eingebüsst und antizipieren teilweise bereits eine «Gewinnrezension». Hochkonjunktur erleben dagegen die Crashpropheten mit ihren pessimistischen Szenarien. Diese allenfalls zu negative Stimmung birgt Potenzial für positive Überraschungen und damit höhere Kurse für Aktien. Mit Ausnahme der USA haben die Investoren nach wie vor keine Möglichkeit, ihr Geld in risikolosen Geldmarkt- oder Obligationen-Anlagen zu investieren. In Europa und der Schweiz werden die kurzfristigen Zinsen negativ bleiben oder nahe der 0%-Marke verharren.

Risiken

Leider könnten sich die politischen Unsicherheiten auch verschärfen. Für einmal hatten politische Ereignissen einen deutlichen Einfluss auf die Finanzmärkte. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China verunsichert und hemmt die Investitionslust. In Deutschland führt die politische Verteufelung des Dieselmotors zu enormen Kosten für die Autoindustrie und sorgt für rückläufige Absatzzahlen. Dies spürt auch die wichtige Zulieferindustrie. Die Schweiz steht vor einer wichtigen Entscheidung im Verhältnis zur EU. Souveränität oder Zugang zum Binnenmarkt, beides zugleich wird künftig nicht mehr möglich sein. Ohne Rahmenabkommen ist der bilaterale Weg Geschichte.

Sollten die Notenbanken die Geldpolitik weiter normalisieren (was wir in Europa und Japan nicht erwarten), gelangen die enormen Schuldenberge vermehrt in den Fokus der Finanzmärkte. In den USA beträgt die Verschuldung der Nichtfinanzunternehmen 74% des BIP, was über dem Höchststand der Finanzkrise von 2008 liegt. Bei den italienischen Banken beträgt der Anteil fauler Kredite 10-15% des gesamten Kreditvolumens und die Staatsverschuldung liegt bei über 130% des BIP. Die negative Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Die Schuldenproblematik ist eines der grössten Risiken für das globale Finanzsystem.

Aktienmärkte entwickeln sich zwar im langfristigen Durchschnitt entlang der fundamentalen Faktoren (Gewinnentwicklung, Zinsen). Kurzfristig kann jedoch die Psyche der Anleger anhaltende Trends verstärken. Man kann dies als eine Gratwanderung zwischen Habgier und Angst bezeichnen. Die ganz grosse Panik war jedoch bisher an den Aktienmärkten noch nicht auszumachen.

Fazit

2019 startet mit viel Ungewissheit. Dies eröffnet durchaus Chancen für antizyklisch agierende Investoren. Langfristig orientierte Anleger sollten an ihrer Anlagestrategie festhalten und sich von der erhöhten Volatilität nicht verunsichern lassen.

UNSERE SICHT DER DINGE: DEZEMBER 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Am Rande des G20-Gipfels in Buenos Aires vereinbarten die USA und China eine 90-tägige Verhandlungsfrist zur Lösung des Handelsstreits. Damit gewinnt man etwas Zeit, ohne das Problem wirklich zu lösen. Immerhin wurde am G20-Gipfel beschlossen, die Welthandelsorganisation WTO zu reformieren. Vielleicht ebnet dies den Weg, die Streitschlichtung wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Für die Finanzmärkte bleiben die handelspolitischen Querelen kurzfristig als unbequemer Unsicherheitsfaktor bestehen.

Währungen

Trotz eines allfälligen Marschhalts bei der Normalisierung der US-Zinsen behauptet sich der US-Dollar relativ gut. Der EURO wird durch die aktuell enttäuschenden Konjunkturdaten und die strukturellen Probleme der Eurozone (z.B. Italien) belastet. In Frankreich beunruhigt die Bewegung der Gilets jaunes. Es zeigt, dass es für Präsident Macron schwierig wird, seine Politik durchzusetzen. Die Parteien am linken und rechten Rand wetzen bereits die Messer. Der Euro wird dadurch tendenziell geschwächt.

Globale Verschuldung…

Die globale Verschuldung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, beträgt rund 320%, diese sind über 20% mehr als vor der Finanzkrise. Die Geldpolitik der Notenbanken, welche die Märkte mit billigem Geld überschwemmten, setzten falsche Anreize. Bei den Unternehmensanleihen mit einem BBB-Rating (knapp vor Ramschpapieren) hat sich das Volumen von USD 770 Mrd. 2009 bis heute auf rund USD 2’450 Mrd. erhöht – dies grösstenteils durch Neuemissionen und Herabstufungen. In einer Phase, in der sich das…

…spricht für Gold

…Wirtschaftswachstum verlangsamt, erhöhen sich die Risikoaufschläge für solche Schuldpapiere. Sichere Staatsobligationen werden dann gesucht. Wir halten damit an unserer Empfehlung für qualitativ gute USD-Anleihen im mittleren Laufzeitenbereich fest. Die Zinsentspannung bei den US-Regierungsanleihen gaben dem Goldpreis jüngst eine gewisse Stütze. Sollten sich durch die hohe globale Verschuldung Probleme auf den Kreditmärkten einstellen, wird Gold als Krisenwährung wieder an Glanz gewinnen.

Wirtschaft

In der Schweiz ist das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal unerwartet um 0.2% geschrumpft (Warenexporte -4.2%, Ausrüstungsinvestitionen -2.0%). Auch Deutschland (-0.2%) und Japan (-0.3%) mussten im dritten Quartal Rückschläge beim BIP-Wachstum hinnehmen. In Deutschland hat der Rückgang der Automobilproduktion belastet und in Japan waren es Naturkatastrophen. Generell werden wir uns 2019 weltweit an tiefere Wachstumsraten gewöhnen müssen.

Obligationen / Zinsen

Die veränderte Tonalität der US-Notenbank führte zu einem Rückgang der Renditen bei Staatsanleihen. Zehnjährige US-Treasuries rentieren wieder unter 3%. Dagegen mussten Anleihen mit schlechterem Rating, z.B. BBB, deutliche Kursrückschläge gewärtigen. Dieser Trend dürfte sich im Zuge der zu erwartenden wirtschaftlichen Eintrübung fortsetzen. Falls die EZB Ende Jahr den Kauf von Unternehmens- und anderen Anleihen einstellt, wird dies die Finanzierungsbedingungen auch in Europa verteuern.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die jüngsten Abwärtsrevisionen des Weltwirtschaftswachstums durch die OECD, die Turbulenzen an den Aktienmärkten sowie die Dauerkritik von Donald Trump, veranlassten den Chef der US-Notenbank zur Ankündigung, künftig weniger Zinserhöhungen vorzunehmen. Damit nutzt die US-Notenbank in verbaler Form die Möglichkeit, die Märkte etwas zu beruhigen. In der Schweiz fiel die Inflationsrate im November auf 0.9 Prozentpunkte. Der starke Rückgang der Erdölpreise dämpft die Inflationserwartungen generell.

Aktien

Die Aktienmärkte vermochten sich im November etwas zu stabilisieren, eine Rallye zum Jahresende blieb bisher jedoch aus. Die Reaktion nach dem G20-Gipfel war nur ein Strohfeuer. Bei den Schweizer Aktien wurden konjunktursensitive Aktien in defensive Werte umgeschichtet. Diese dienen mangels Alternativen als Obligationenersatz. Anleger vertrauen auf deren stabile Gewinne und Dividendenrenditen. Trotz der erhöhten Volatilität an den weltweiten Aktienmärkten gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Asset Allocation

Innerhalb des Aktienbereichs reduzieren wir die starke Übergewichtung bei den Trends und kaufen eine kleine Position in den Emerging Markets zurück. Diese haben 2018 überdurchschnittlich stark korrigiert. In China werden für 2019 Steuersenkungen für Unternehmen und Haushalte erwartet, welche rund 1.5% des BIP ausmachen dürften. Mangels Alternativen bleiben wir bei den Aktien trotz hoher Volatilität leicht übergewichtet. Selektiv können stark gefallene Einzeltitel guter Firmen hinzugekauft werden.

ESPORTS: DIGITALE ATHLETEN EROBERN DIE ARENEN

Gaming galt lange als wenig ernsthafte Freizeitbeschäftigung – für eine kleine Nischengruppe und reine Ablenkung von den wichtigen Dingen des Lebens. Diese Wahrnehmung hat sich gewandelt: Mittlerweile gibt es mehr Gamer als Nicht-Gamer, der Markt bricht einen Rekord nach dem anderen und die Szene professionalisiert sich zusehends. Mit Carlo Bertone von der FONTARIS AG sprechen wir darüber, was für E-Athleten zum Thema Planung und Vorsorge zu beachten ist.

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Unsere Sicht der Dinge: November 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die Zwischenwahlen in den USA führten zu einem Umschwung im Repräsentantenhaus, wo nun die Demokraten die Mehrheit haben. Der Senat bleibt in republikanischer Hand. Donald Trump wird mit dieser Ausgangslage etwas zurückgebunden. Für die Finanzmärkte wird kurzfristig die Entwicklung des Verhältnisses der USA zu China von Bedeutung sein. In Deutschland hat die Nachfolgeregelung bei der CDU Einfluss auf ihren zukünftigen Erfolg. Eine Kontrastfigur zu Angela Merkel ist unumgänglich.

Währungen

Der US-Dollar konnte sich von seiner Schwäche im September deutlich erholen. Im Protokoll des Offenmarktausschusses der US-Notenbank wurden im Hinblick auf die aktuelle robuste Wirtschaftsentwicklung für 2019 drei Zinsschritte in Aussicht gestellt. Dies gibt dem USD vorderhand eine Stütze. Nebst dem Budgetstreit mit Italien sprechen auch Schwächezeichen in der deutschen Wirtschaft nicht für eine Erstarkung des Euro. Wir bevorzugen deshalb nach wie vor den USD gegenüber dem EUR.

Wirtschaft

Die Weltwirtschaft wächst aktuell weniger synchron als dies noch Anfang des Jahres der Fall war. In den USA betrug das Wachstum im dritten Quartal 3.5%, in der Eurozone betrug der Zuwachs noch 1.7%. In China liegt die Wachstumsrate zwar noch bei 6.5%, dies ist jedoch der tiefste Wert seit der Finanzkrise 2009. Der Trend bei den Frühindikatoren zeigt nach wie vor ein positives Niveau, Abschwächungstendenzen sind jedoch trotzdem klar zu erkennen. Die weltweiten Aktienmärkte antizipieren dies bereits.

Obligationen/Zinsen

Obligationen profitierten in den letzten Wochen von der Korrektur an den Aktienmärkten. In Europa sind die Zinsen am langen Ende unverändert geblieben oder gar leicht gesunken, währenddem sie in den USA weiter gestiegen sind. Sollte die EZB Ende Jahr die Anleihenkäufe stoppen, ist mit einem leichten Anstieg der Kapitalmarktzinsen in der Eurozone zu rechnen. Ungemütlich bleibt der hohe Zinsaufschlag italienischer Staatsanleihen. Wir erachten einzig solide USD-Obligationen mittlerer Laufzeiten als attraktiv.

Gold

Die erhöhte Volatilität an den Aktienmärkten hat den Goldpreis zumindest aufgeweckt. Im Oktober konnte in CHF gerechnet eine deutlich positive Performance erzielt werden. Sollten die Realzinsen in den USA weiter steigen, wird dies den Aufwärtsdrang des Goldpreises wieder dämpfen. Immerhin hat das Gold im Oktober seine Funktion als Krisenwährung erfüllt und im Portfoliokontext zur Stabilisierung beigetragen. Wir empfehlen physische Goldpositionen im Sinne einer Krisenversicherung zu halten.

Monetäres Umfeld/Inflation

Die Inflation bleibt sowohl in den USA als auch im Euroraum unter Kontrolle. Die EZB hat ihr Anleihenkaufprogramm von 30 Mrd. EUR pro Monat auf 15 Mrd. EUR pro Monat zurückgefahren und gedenkt, dieses per Jahresende ganz zu stoppen. In Anbetracht der schwächelnden Konjunktur in der Eurozone ist jedoch auch dies nicht in Stein gemeisselt. In der Schweiz beträgt die aktuelle Inflationsrate immerhin 1.1%. Damit findet die leidige Vermögensumverteilung von den Sparern zu den Schuldnern ihren Fortgang.

Aktieninvestoren…

Der Oktober hat seinem Ruf als gefährlichem Aktienmonat wieder einmal alle Ehre erwiesen. Zyklische Werte wie die Halbleiterindustrie brachen teilweise regelrecht ein. Die Unsicherheit, ob sich die USA und China im Handelsstreit einigen können, führte zu einer Verlangsamung der Investitionen. Die publizierten Drittquartalszahlen übertrafen zwar in den USA mehrheitlich die Erwartungen, doch äusserten sich viele Firmen vorsichtig über die Zukunft. Diese Unsicherheiten führten zu einer Branchenrotation…

…brauchen starke Nerven

…hin zu defensiveren Aktien der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie. Nach den Zwischenwahlen in den USA und dem Auslaufen der Bilanzpublikationen erwarten wir eine Beruhigung an den Aktienmärkten. Als Katalysator einer Kurserholung könnten sich Fortschritte im Handelsstreit zwischen den USA und China erweisen. Donald Trump hat diesbezüglich bereits positive Signale von sich gegeben. Wir empfehlen selektive Zukäufe bei stark unter die Räder geratenen Schweizer Qualitätsaktien.

Asset Allocation

Im Aktienbereich erhöhen wir die Quote bei den Schweizer Aktien von einem leichten Untergewicht auf neutral. Wir erwarten, dass sich die Aktienmärkte nach den starken Oktoberturbulenzen wieder etwas erholen werden. Saisonale Effekte sowie die Unsicherheit betreffend der Zwischenwahlen in den USA sowie eine von uns erwartete Annäherung zwischen China und den USA stimmen uns etwas zuversichtlicher. Insgesamt sind wir nun bei Aktien leicht übergewichtet. Obligationen bleiben untergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: Oktober 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Nach über einem Jahr konnten die Verhandlungen zwischen den USA und Kanada für ein neues NAFTA-Abkommen abgeschlossen werden. Dieses ersetzt den Vertrag von 1994 und heisst neu USMCA (United States-Mexico-Canada Agreement). Für die Autoindustrie ist damit der angedrohte 25%-Zoll vom Tisch. Um Autos zollfrei in einem der drei Länder zu verkaufen, müssen sie zu 75% auf dem nordamerikanischen Kontinent und zu 70% aus heimischem Stahl und Aluminium gefertigt sein.

Währungen

An der Währungsfront hat sich der CHF jüngst etwas abgeschwächt. Der Euro konnte sich leicht stabilisieren, nachdem Italien versprochen hatte, für die Jahre 2020/21 das Budgetdefizit auf 2.1% bzw. 1.8% zu senken. Die EU hat jedoch Italien für das eingereichte Budget 2019, welches ein Defizit von 2.4% vorsieht, bereits schriftlich verwarnt. Die Zinserhöhungen in den USA machen unseres Erachtens den USD zunehmend attraktiver, weshalb wir diesen gegenüber dem Euro bevorzugen.

Immobilien

Die neusten Statistiken zeigen für die Schweiz einen Leerwohnungsbestand von 72’000 Einheiten. Dies entspricht einer Zunahme im Vorjahresvergleich von 8’000 Wohnungen oder einer Verdopplung innerhalb von neun Jahren. Dies wird laut Experten die Marktmieten 2018 um 1.5% und 2019 um 2.5% sinken lassen. Dass der Immobilienmarkt eine Abkühlung erfährt, zeigen auch die Aufpreise zum inneren Wert der kotierten Immobilienfonds. Diese sind seit Ende Jahr von 29% auf 18% geschrumpft.

Wirtschaft

In der Schweiz erwartet die Konjunkturforschungsstelle der ETH ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für 2018 von 2.9% (alt: 2.3%) und für 2019 1.7% (alt: 1.9%). Eine Inflation von unter 1% und eine Arbeitslosenquote von 2.5% runden das erfreuliche Bild ab. Die Finanzmärkte scheinen sich jedoch auf eine deutlich schwächere Entwicklung einzustellen, wie die jüngsten Korrekturen konjunktursensitiver Aktien nahelegen. Diese signalisieren einen signifikanten Wendepunkt im aktuellen Wirtschaftszyklus.

Obligationen / Zinsen

In den USA ist die Rendite für 10-jährige Staatsobligationen auf 3.2% angestiegen. Die Zinskurve ist zudem relativ flach, weshalb auch Obligationen guter Schuldner mit Laufzeiten von 3 – 4 Jahren Renditen von über 3% abwerfen. In CHF und EUR sind nach wie vor keine vernünftigen Renditen zu erzielen. Wir erachten deshalb kurzfristige USD-Anleihen als relativ attraktiv, zumal die anhaltende Straffung der US-Geldpolitik den USD stützen sollte. Skeptisch bleiben wir für Schwellenländer- und Hochzinsobligationen.

Gold

Der Goldpreis leidet aktuell unter den steigenden Zinsen in den USA. Dies bewirkt höhere Opportunitätskosten, um das ertraglose Edelmetall zu halten. Die Nachfrage nach Schmuck in den grossen Märkten Indien und China wurde durch die Abwertung der jeweiligen Währungen gebremst. Die jüngsten Turbulenzen an den Kreditmärkten, welche vorab zu weiteren Verwerfungen in den Schwellenländern führen werden, sollten den Goldpreis jedoch stützen. Goldpositionen können weiterhin gehalten werden.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank hat die Leitzinsen in diesem Jahr zum dritten Mal erhöht. Insgesamt ist dies die achte Zinserhöhung seit Ende 2015. Die Inflation beträgt 2.7% und die Arbeitslosenquote liegt bei 3.7%, so tief wie seit 1969 nicht mehr. Auch die Frühindikatoren weisen in den USA auf eine anhaltend robuste Konjunktur hin, so dass im Dezember mit einer vierten Zinserhöhung zu rechnen ist. Die europäische Zentralbank bleibt dagegen deutlich expansiver. Sie wird ihr Anleihenkaufprogramm allenfalls Ende Jahr beenden.

Aktien

Die Aktienmärkte tendierten in den letzten Wochen uneinheitlich. Vor allem Gesellschaften, die stark konjunkturabhängig sind, verloren deutlich an Wert. In der Schweiz zeigte sich dies im Segment der mittleren und kleineren Gesellschaften, welche relativ zu den grosskapitalisierten Firmen deutlich schwächer notierten. Schlüsselindustrien wie die Autoindustrien und deren Zulieferfirmen stehen unter Druck. Im Zug der anstehenden Quartalsresultate erwarten wir einen holprigen Oktober.

Asset Allocation

Wir nehmen neu eine Position im Bereich USD-Obligationen in unsere Allokation auf. Da sich die Zinsdifferenzen zum EUR und zum CHF sowohl im kurzen als auch langfristigen Bereich weiter ausgeweitet haben, erscheint uns auch das Fremdwährungsrisiko vertretbar. Insgesamt bleiben wir jedoch bei den festverzinslichen Anlagen untergewichtet. Im Aktienbereich behalten wir die neutrale Gewichtung bei. Defensive Sektoren dürften im Zuge der konjunkturellen Abkühlung relative Stärke zeigen.