Unsere Sicht der Dinge: September 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Bei den NAFTA-Verhandlungen konnten sich die USA und Mexiko einigen. Eine Übereinkunft mit Kanada wird etwas schwieriger, zielt doch die Kritik der USA gegen die hohen Schutzzölle auf Milchprodukten (teilweise über 250%). Immerhin kann festgehalten werden, dass die USA zu Lösungen bereit sind, wenn die Gegenpartei deutliche Kompromisse eingeht. Die heikelste offene Baustelle bei den Handelskonflikten bleibt das Verhältnis zwischen den USA und China. Hier geht es generell um Machtpolitik.

Währungen

In den letzten drei Wochen wurde der Schweizer Franken deutlich stärker. Krisen in Schwellenländern wie der Türkei und Argentinien, Zweifel an der Stabilität Italiens sowie die anhaltende Unsicherheit durch Handelsstreitigkeiten waren die Gründe für diese abrupten Veränderungen. Der Schweizer Franken, der US-Dollar und der japanische Yen erwiesen sich als sichere Häfen. Der Euro wird erst wieder an Vertrauen gewinnen, wenn Italien bis Ende September ein glaubwürdiges Haushaltsbudget vorlegt.

Liquiditätsentzug oder…

Die Finanz- und Immobilienmärkte haben sich an die grosszügige Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken gewöhnt. Die US-Notenbank ist die erste grosse Zentralbank, welche nun eine Normalisierung ihrer expansiven Geldpolitik umsetzt. Schrittweise Erhöhungen der Leitzinsen sowie die Verkürzung der Bilanz um jährlich USD 600 Mrd. sind die entsprechenden Massnahmen. In den USA ist die Wirtschaft in einer derart robusten Verfassung, dass das Anziehen der Schraube noch keine Auswirkungen auf den…

…der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht

…Aktienmarkt hat. Schwellenländer, welche einen Teil ihrer Schulden in USD finanziert haben und deren Währung stark abgewertet hat, kommen in Schwierigkeiten. Die schwachen Glieder der Kette beginnen zu reissen. Ob sich die Krisen Argentiniens und der Türkei auf weitere Schwellenländer ausbreiten lässt sich nicht vorhersagen. Aufgrund der Erfahrungen früherer Zyklen und dem Miteinbezug der Anlegerpsychologie (Herdentrieb) mahnen wir zur Vorsicht bei Schwellenländeranlagen (Aktien und Obligationen).

Wirtschaft

In den USA hat sich die Stimmung in der Industrie gemessen am nationalen Einkaufsmanagerindex im August entgegen den Erwartungen deutlich verbessert. Der Index stieg von 58.1 auf 61.3 Punkte. Damit wurden Bedenken wegen der Handelsstreitigkeiten zumindest kurzfristig zerstreut. Auch in der Schweiz konnte der gleiche Indikator zulegen (von 61.9 auf 64.8 Punkte). Haupttreiber war die Subkomponente «Produktion». Die jüngste Stärke des Schweizer Franken hatte offenbar noch keinen Einfluss auf die Umfrage.

Obligationen / Zinsen

Bei den Obligationen beginnt sich der Spreu vom Weizen zu trennen. Die Zinsdifferenz 10-jähriger Staatsanleihen von Italien zu Deutschland hat sich in den letzten drei Monaten auf 2.8% verdoppelt. Ob die europäische Zentralbank wieder als Retter einspringen kann wie dies 2011 der Fall war, darf bezweifelt werden. Trotz tiefer Renditen sind Obligationen guter Qualität mit kurzen bis mittleren Laufzeiten zu bevorzugen. Obligationenfonds, welche stark im Derivativbereich tätig sind, gilt es zu meiden.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank hat am Treffen führender Geldpolitiker in Jackson Hole die Politik der kleinen Zinsschritte verteidigt. Die Kerninflation liegt bei 2.4%, die Arbeitslosenquote unter 4% und die Wirtschaft wächst über Potenzial. Damit schaden Zinserhöhungen der US-Wirtschaft momentan nicht, setzen aber Länder mit hohen USD-Schulden unter Druck. Die nächste Zinserhöhung in den USA wird am 26. September erwartet. Expansiv wirkt dagegen die Fiskalpolitik (Steuersenkungen der Administration Trump).

Aktien

Die Aktienmärkte notierten im August mehrheitlich negativ. Die Märkte orientierten sich wieder vermehrt an den politischen Problemen. Die stärksten Korrekturen in CHF verzeichneten England (unglöster Brexit) sowie die Emerging Markets (Türkei, Argentinien). Die schrittweisen Zinserhöhungen in den USA entziehen den Märkten Liquidität. Die jüngsten Krisen in gewissen Schwellenländern führen zu Kapitalabflüssen. Die Gelder fliessen zurück in die Heimmärkte, beispielsweise in die USA.

Asset Allocation

Die neutrale Gewichtung des Aktienteils bleibt bestehen. Wir nehmen jedoch innerhalb der Aktienanlagen eine Umschichtung von Emerging Markets in den Trendbereich vor. Themen wie Technologie, Wasser oder die Überalterung der Gesellschaft werden mit Fonds abgedeckt. Obwohl die aktuelle Entwicklung des Goldpreises die Anlegernerven strapaziert, halten wir an unserer Position fest. Erstmals seit 2001 bestehen bei den Goldfutures-Kontrakten mehr Verkaufs- als Kaufpositionen.

Unsere Sicht der Dinge: August 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die USA und die EU erzielten nach dem Besuch von Jean-Claude Juncker in Washington Fortschritte im Handelskonflikt. Bis die aktuellen Verhandlungen beendet sind, sollen keine neuen Zölle mehr eingeführt werden. Dies ist ein Erfolg für die EU. Mit China hingegen kommen die Gespräche nicht voran. Die USA drohten jüngst, chinesische Güter im Wert von 200 Mrd. USD mit Zöllen von 25% zu belegen. China droht im Gegenzug mit Zöllen auf US-Importe im Wert von 60 Mrd. USD.

Währungen

Im Juli verkehrten die Hauptwährungen gegenüber dem CHF praktisch unverändert. Etliche Marktteilnehmer favorisieren den EUR gegenüber dem USD, da sich die Zinserwartungen in der Eurozone stärker nach oben orientieren als in den USA. Wir glauben, dass die US-Notenbank den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik konsequenter vollziehen wird als die EZB unter Mario Draghi. Dies spricht für den USD. Die nahende Budgetdebatte in Italien wird die Euro-Krise wieder anfachen.

USA gegen China

Während die USA und die EU zu konstruktiven Gesprächen zurückgefunden haben, sind die USA und China unversöhnlich. Der Handelsbilanzüberschuss der Chinesen von rund 350 Mrd. USD missfällt Donald Trump. Dessen Reduktion ist Teil seiner «America First»-Politik. Die Chinesen waren seit ihrem Beitritt zur WTO 2001 daran gewöhnt, vom Westen «hofiert» zu werden. Der gigantische Markt lockte viele Firmen an. Es bestand die Hoffnung, dass die Hürden und Auflagen für den Marktzutritt irgendwann beseitigt würden. Staatlich subventionierte und gelenkte Kolosse, Patentverletzungen sowie das Hemmnis, dass chinesische Firmen vorbehaltlos durch ausländische Unternehmen übernommen werden können, zeigen jedoch den Rückstand der Chinesen in Sachen liberaler Wirtschaftspolitik. China muss seinen Lippenbekenntnissen zum freien Handel nun Taten folgen lassen und Donald Trump muss lernen, dass der isolierte Blick auf das eigene Handelsbilanzdefizit nicht zielführend ist.

Wirtschaft

Im zweiten Quartal verzeichnete die US-Wirtschaft ein annualisiertes Wachstum von 4.1%. Andererseits schwächten sich der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie von 60.2 auf 58.1 Punkte ab und der gleiche Indikator für die Dienstleistungen von 59.1 auf 55.7 Punkte. 49% der befragten Industriebetriebe äusserten sich besorgt über die US-Handelspolitik. Im Juni waren es noch 38%, im März 32%. Diese Skepsis kann das Investitionsverhalten negativ beeinflussen und so die aktuelle Dynamik bremsen.

Obligationen / Zinsen

Die ausgehende Unsicherheit von den Handelskonflikten hält die Kapitalmarktzinsen tief. Falls sich die Weltkonjunktur jedoch nicht deutlich abkühlt, dürften die Zinsen weiter steigen. Höhere Importzölle werden zudem auf die Verbraucherpreise überwälzt, was die Inflation erhöht. Das höhere Zinsniveau trifft die Schuldner mit schlechter Bonität überdurchschnittlich, da der Markt für solche Papiere eine höhere Risikoentschädigung einfordern wird. Wir empfehlen risikoarme Anlagen mit kurzer Laufzeit.

Monetäres Umfeld / Inflation

In der Schweiz betrug die Jahresteuerung im Juli 1.2%. Dabei verteuerten sich die Importgüter um 3.4% und die Inlandpreise stiegen um 0.5%.

Die EZB wird ihr Wertpapierkaufprogramm von 30 Mrd. EUR pro Monat bis Ende September fortsetzen und danach auf 15 Mrd. EUR reduzieren. Ende 2018 sollte die Aktion beendet sein. Damit wird die EZB für 2.6 Bio. EUR Wertpapiere gekauft haben (davon 2 Bio. EUR Staatsanleihen). Die Inflationsrate liegt in der Eurozone bei 2.1% und erfüllt den Zielbereich.

Aktien

Die Aktienmärkte waren im Juli positiv gestimmt. Gute Halbjahresergebnisse sowie eine vorläufige Beruhigung im Handelsstreit zwischen den USA und der EU sind die Gründe. Da sich gewisse Frühindikatoren etwas abschwächten, war auf Sektorebene eine deutliche Rotation hin zu defensiven Werten zu verzeichnen. Dies half insbesondere dem Swiss Market-Index, wo die Schwergewichte aus dem Pharmabereich deutlich zulegten. Kurzfristig rechnen wir eher mit einer Seitwärtsbewegung.

Asset Allocation

Wir behalten im Aktienbereich unsere neutrale Gewichtung bei. Die Berichtssaison über das erste Semester geht langsam zu Ende. In den USA vermochten die Firmen im Durchschnitt zu überzeugen, stiegen doch die Gewinne um rund 24%. Politische Themen (Handelsstreit, Iran) werden jedoch in den nächsten Wochen wieder in den Vordergrund rücken. Die deutliche Untergewichtung bei den Obligationen bleibt bestehen, ebenso das Übergewicht beim Gold. Der Goldpreis leidet aktuell unter hohen Leerverkäufen.