Unsere Sicht der Dinge: Januar 2021

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Der Abgang von Donald Trump fordert fünf Todesopfer und beschädigt die Demokratie. Autokraten wie Vladimir Putin oder Xi Jinping festigen damit ihre Stellung im Inland. Corona fordert die Politik auch 2021 enorm. Riesige Hilfsprogramme lassen die Staatsschulden weiter stark steigen. In der Schweiz muss das Verhältnis zur EU endlich geregelt werden. Deutschland blickt auf ein Superwahljahr. Sechs Landtagswahlen, die Bundestagswahl sowie die Kür mehrerer Parteichefs und Kanzlerkandidaten stehen bevor.

Pseudowährung Bitcoin

Der Bitcoin hat kürzlich die Marke von USD 40’000 durchbrochen. Der als Kryptowährung bezeichnete virtuelle Coin weckt damit wieder das Interesse der Investoren. Das Angebot an Bitcoin ist beschränkt bei 21 Mio. Einheiten. Eine Bewertung ist nicht möglich, da keine Cashflows abdiskontiert werden können. Eine Währung sind Bitcoins nicht. Die Staaten werden die Hoheit über ihre Währungen behalten und keine Ersatzwährungen dulden. Wir empfehlen, auf Anlagen in sog. Kryptowährungen zu verzichten.

Brexit und das Rahmenabkommen…

Das Vereinigte Königreich hatte es schwer, den EU-Austritt geordnet zu vollziehen. Den Briten ging es um Souveränität. Sie haben ab dem 1. Januar wieder die Kontrolle über ihre Grenze und sie machen die Gesetze wieder selbst. England zahlte 2019 netto EUR 6.8 Mrd. in den EU-Haushalt ein, auch das fällt jetzt weg. Waren können jedoch weiterhin zollfrei gehandelt werden und die Unterstellung unter den Europäischen Gerichtshof EuGH ist trotzdem vom Tisch. Nachteile nimmt man in Kauf (u.a. Zollformalitäten, …

…Schweiz – EU, jetzt wird’s spannend

…keine gleich langen Spiesse für die Banken). In der Schweiz gilt es nun die Frage zu beantworten, ob ein Souveränitätsverlust, welcher das Rahmenabkommen beinhaltet, in Kauf genommen werden will. Wer rein wirtschaftlich argumentiert befürwortet das Abkommen. Der Zugang zum Binnenmarkt bringt Vorteile. Aus staatspolitischer Sicht ist das Gegenteil der Fall (fremde Richter, automatische Gesetzgebung). Wie der Brexit zeigt, ist eine Kündigung des Abkommens ein schwieriges Unterfangen.

Wirtschaft

Im Dezember sind die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie sehr positiv ausgefallen. In den USA ist der Wert gar auf 60.7 Punkte gestiegen (Werte über 50 Punkte signalisieren Wachstum). Der Optimismus ist auf die Verfügbarkeit wirksamer Impfstoffe gegen das Corona-Virus zurückzuführen. Die aktuellen harten behördlichen Massnahmen werden jedoch kurzfristig das Wirtschaftswachstum bremsen. Wirtschaftsprognosen sind generell ein schwieriges Metier, im aktuellen Umfeld sind sie schier unmöglich.

Obligationen / Zinsen

In den USA ist die Rendite für 10-jährige Staatsobligationen seit anfangs Jahr um rund 0.25% auf 1.15% gestiegen. Dies ist zwar nicht spektakulär, könnte jedoch eine Trendwende darstellen. Der Anstieg widerspiegelt die höheren Inflationserwartungen. Die Zentralbanken werden einen starken Zinsanstieg mit Wertpapierkäufen dämpfen, ganz verhindern werden sie ihn nicht können. Deutlich höhere Zinsen erträgt das Finanzsystem nicht. Für Covid-Hilfsprogramme wurden die Schulden weltweit um rund 10% des BIP erhöht.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die Mehrheit der Prognostiker sieht mittelfristig keine Inflationsgefahren. Die Ökonomen C. Goodhart und M. Pradhan vertreten eine andere Meinung. Bisher sei die globale Erwerbsbevölkerung stärker gewachsen als die Gesamtbevölkerung. Dies wird sich vor allem in China ändern, wo sich der Anteil älterer Leute erhöht. Arbeitskräfte würden damit knapper, die Löhne werden ansteigen. Zusammen mit den enorm gestiegenen Geldmengen lauern an der Teuerungsfront somit durchaus Gefahren. Die Lage ist ungemütlich.

Aktien

Die weltweiten Aktienmärkte setzten ihren positiven Trend in den letzten Wochen fort. Schnelle Zulassungsverfahren der Impfstoffe und der Start der Impfungen stimmen die Märkte zuversichtlich. Das mutierte Virus führt jedoch zu besorgniserregenden Neuansteckungszahlen und damit zu stärker als erwarteten Lockdowns von Teilen der Wirtschaft. Wir sind deshalb kurzfristig etwas vorsichtig und empfehlen teilweise Gewinne zu realisieren, da sich die Aktienmärkte nahe den Allzeithöchstständen befinden..

Asset Allocation

Wir reduzieren die Aktienquoten von Übergewichten auf Neutral. Die Märkte schauen unseres Erachtens etwas zu sorglos über die dritte Pandemiewelle hinweg. Bis zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Normalität ist noch ein weiter Weg, der auch an den Finanzmärkten nicht nur gradlinig verlaufen wird. Obligationen bleiben untergewichtet, ebenso die Immobilien. Dies primär aus Bewertungsgründen. Gold bleibt übergewichtet, auch wenn leichte Zinserhöhungen vorübergehend zu Korrekturen führen werden.