Unsere Sicht der Dinge: November 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Im Handelsstreit zwischen den USA und China wird auf ein sogenanntes Phase-1-Abkommen hingearbeitet. Damit könnte Donald Trump wenigstens einen kleinen «Deal» vorweisen. Primär geht es bei dieser Vereinbarung um die Abnahme amerikanischer Agrargüter im Wert von rund USD 40 Mrd. über die nächsten zwei Jahre. Die Finanzmärkte erwarten, dass ein Abschluss kurz bevorsteht. Das Schicksal des Brexit wird durch die Dezemberwahlen bestimmt. Die Tories liegen bei den Umfragen vorne.

Währungen

Die Lösung des gordischen Knotens bei den Brexit-Verhandlungen verhalfen dem englischen Pfund und in dessen Sog dem Euro zu einer Erholung. Das Pfund ist nach wie vor deutlich unterbewertet, liegt doch die Kaufkraftparität gegenüber dem CHF bei rund CHF 1.45. Wir sehen damit weiteres Erholungspotenzial für das britische Pfund, zumal das Risiko für einen «No Deal-Brexit» deutlich gesunken ist. Der USD hat sich im Zuge der Zinssenkung leicht abgeschwächt und dürfte nun seitwärts tendieren.

Die politische Schweiz…

Die Parlamentswahlen im Oktober führten zu einem deutlichen Rutsch Richtung Links-Grün. Im Nationalrat verloren die bürgerlichen Parteien SVP, FDP, CVP und BDP 22 Sitze und kommen noch auf 110 von 200 Mandaten. Da erfahrungsgemäss Teile der CVP, FDP und BDP mit der Ratslinken stimmen, werden es sozialpolitische (Umverteilung) und Umweltthemen (Lenkungsabgaben, Verbote) einfacher haben, Mehrheiten zu finden. Dies wird zu einer Mehrbelastung der Wirtschaft führen. Beispiele sind die…

…langweilig war es früher

…CO2-Steuer, Rückzonungen von Bauland, obligatorische Elternzeit usw. Aussenpolitisch steht erneut Ungemach von der OECD an. Unternehmenssteuern sollen nicht mehr am juristischen Sitz der Gesellschaft anfallen, sondern dort, wo deren Produkte verkauft werden. Multinationale Firmen, welche wenig Umsatz in der Schweiz tätigen, wären davon stark betroffen. Dem Schweizer Fiskus könnten damit ein bis fünf Mrd. CHF Steuereinnahmen entgehen. Kleinstaaten wären generell die Verlierer eines solchen Steuerregimes.

Wirtschaft

Die Stimmungsindikatoren in der Industrie konnten sich im Oktober weltweit auf tiefem Niveau stabilisieren. In den USA stieg das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 1.9%, was über den Erwartungen lag. In Deutschland stieg der vielbeachtete IFO-Index für die Geschäftserwartungen von 90.9 auf 91.5 Punkte. Vorher sank dieser Index sechs Mal in Folge. Auch in der Schweiz erholte sich das KOF-Konjunkturbarometer leicht von 93.1 auf 94.7 Punkte. Insgesamt sind wir von einer Erholung noch weit entfernt.

Obligationen / Zinsen

Obwohl die Notenbanken weiterhin für eine expansive Geldpolitik plädieren, stiegen die Renditen an den Kapitalmärkten leicht an. Auch hier dürften die Hoffnungen auf eine Entspannung im Handelsstreit, und in der Folge Umlagerungen von Obligationen in Aktien der Grund dafür sein. Damit mussten im Oktober auf den festverzinslichen Werten leichte Verluste in Kauf genommen werden. Da die Aktienmärkte bereits eine Konjunkturerholung zu antizipieren beginnen, werden die Obligationenzinsen kaum sinken.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank senkte im Oktober die Leitzinsen um 0.25% auf 1.50 – 1.75%. Dieser Schritt war erwartet worden. Unter dem Eindruck des anhaltend guten Wirtschaftswachstums und einer positiven Beschäftigungsentwicklung, erfolgte die Zinssenkung unter dem Hinweis, dass nun wohl eine Pause eingelegt wird. Es ist damit in den USA im laufenden Jahr kein weiterer Zinsschritt zu erwarten. In der Schweiz fiel die Inflationsrate erstmals seit drei Jahren wieder in den negativen Bereich und liegt bei -0.3%.

Aktien

Die Aktienmärkte haben sich nach dem Einbruch anfangs Oktober wieder erholt und verzeichneten teilweise gar neue Höchststände. Die zuvor abgestraften zyklischen Aktien reagierten positiv auf die Stabilisierung der konjunkturellen Frühindikatoren. Ein zu starkes Antizipieren eines allfälligen Wirtschaftsaufschwungs birgt jedoch auch Risiken für erneute Rückschläge bei den Industrietiteln. Da der englische Aktienmarkt infolge der Brexit-Unsicherheiten zurückgeblieben ist, sehen wir dort Aufholpotenzial.

Asset Allocation

Wir nehmen keine Änderungen bei der Asset Allocation vor. Innerhalb der Aktienquote empfehlen wir den Aufbau einer kleinen Position in England zulasten des Schweizer Aktienteils. Da der Schweizer Aktienmarkt bisher die beste Performance unter den etablierten Märkten gezeigt hat, sehen wir für unseren Heimmarkt kurzfristig eher eine Verschnaufpause. Wir bleiben bei den Aktien insgesamt übergewichtet, würden jedoch im Zuge der jüngsten Kurserholungen überhöhte Positionen leicht reduzieren.

Risikomanagement – lieber bewusst Risiken eingehen als von unbewussten Risiken überrascht zu werden

Bauch, Herz oder Kopf: Als Individuen gehen wir Menschen je nach Persönlichkeit, Stimmung und anderen Faktoren Risiken ein oder verzichten darauf. Bei jeder getroffenen Entscheidung wägen wir Chancen und Risiken ab und befinden uns in einem stetigen Risikomanagementprozess. In einem Unternehmen treffen wir in vielen Fällen Entscheidungen für Dritte. Ein systematischer Ansatz ermöglicht Unternehmern, bewusst kontrollierte Risiken einzugehen und damit das Unternehmen weiterzubringen. Wir haben uns mit Thomas Koller, Chief Innovation & Product Officer von der IBC Broking and Consulting Bern AG zusammengesetzt, um mehr über dieses Thema zu erfahren.

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