Unsere Sicht der Dinge: Juli 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Der G20-Gipfel in Osaka brachte zwar keine Lösung im Handelskonflikt zwischen den USA und China, aber immerhin eine Fortführung der Verhandlungen. In Europa wurden Ursula von der Leyen (Präsidium EU-Kommission) und Christine Lagarde (Präsidium Europäische Zentralbank) für zwei Schlüsselpositionen neu nominiert. Die Finanzierung maroder EU-Länder über die Notenpresse dürfte sich damit fortsetzen. Die Schweizerische Nationalbank wird an dieser Ausgangslage keine Freude haben.

Währungen / Gold

Die Zinsdifferenz und die relative Stärke der US-Wirtschaft gaben dem USD bis anhin eine solide Unterstützung. Die tieferen Zinsen machen es momentan unattraktiver, die US-Zwillingsdefizite zu finanzieren und werden damit den USD tendenziell belasten. Gegen einen festeren EUR spricht die neue designierte EZB-Chefin Christine Lagarde, welche sich bereits beim IWF für eine lockere Geld- und Fiskalpolitik ausgesprochen hat. Der Goldpreis und der CHF könnten unseres Erachtens die Gewinner sein.

Libra…

Facebook gründet in Genf einen Verein namens Libra. Prominente Unternehmen wie Visa, Uber und Vodafone zählen zu den Mitgliedern. Zweck ist die Lancierung einer auf der Blockchain-Technologie basierenden E-Währung. Diese wird durch einen Hartwährungskorb gesichert. Damit verfügt Libra über einen inneren Wert. Dies im Gegensatz zum Bitcoin, welcher in der Kategorie Casino anzusiedeln ist. Der Libra soll primär als Zahlungsmittel für Nutzer ohne Bankverbindung dienen. Da sich solche Nutzer vorab…

…die neue Währung

…in Schwellenländern befinden, wird er dort auf grosses Interesse stossen. Das Risiko als Mittel zur Kapitalflucht zu dienen, dürfte politische Wiederstände auslösen. Nicht erfreut sind die Banken, würden ihnen doch günstige Refinanzierungsmittel entzogen. Die Idee erscheint uns innovativ und zukunftsträchtig. Regulierungsbehörden (z.B. Datenschutz), Notenbanken und politische Instanzen werden am Schluss ausschlaggebend sein, ob der Libra in der Realität umgesetzt werden kann. Das Projekt ist spannend.

Wirtschaft

Die konjunkturellen Vorlaufindikatoren für die Weltwirtschaft präsentieren sich auch im Juni eher auf der negativen Seite. In der Schweiz lag der Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Juni bei 47.7 Punkten und verfehlte damit die Erwartungen. Zudem liegt dieser Indikator seit drei Monaten unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. In den USA wird sich das Wachstum (Q1: 3.2%) auf 2% abschwächen, was in etwa dem Potenzialwachstum entspricht. In China hinterlässt der Handelskonflikt negative Spuren.

Obligationen / Zinsen

Die 10-jährigen Staatsobligationen in den USA rentieren aktuell unter 2%. Der starke Renditerückgang kann als Indikator für eine markante Wirtschaftsabschwächung, als Vorbote für deutliche Zinssenkungen durch die Notenbank oder beides interpretiert werden. Wir sind der Meinung, dass die Zinsen zu tief gefallen sind, da sich das Wirtschaftswachstum in den USA weiterhin solide entwickeln wird, wenn auch nicht auf dem Wunschniveau von Donald Trump (3%). Wir erwarten wieder etwas höhere Zinsen.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank vollzog an ihrer Juni-Sitzung eine bemerkenswerte Kehrtwende. Die FED beschreibt ihre Politik nicht mehr als „geduldig“, sondern benutzt die Formulierung „enge Überwachung“. Der Markt erwartet damit zwei bis drei Zinssenkungen bis Ende 2019. Tiefere Inflationserwartungen, anhaltende Handelskonflikte sowie schwächere Frühindikatoren sind die Begründungen der FED. Die EZB hat ebenfalls Zinssenkungen und eine Wiederausweitung der Wertpapierkäufe signalisiert.

Aktien

Die Vermeidung einer Eskalation im Handelsstreit sowie die expansiven Signale der Notenbanken beflügelten im Juni die Aktienmärkte. Die bevorstehende Berichtssaison der Firmen über die Halbjahresresultate und die Kommentare zu den Aussichten werden nun den Blick wieder mehr auf fundamentale Fakten lenken. Wir erwarten eher negative Überraschungen. In Anbetracht der starken Kursavancen empfehlen wir, die aktuelle Stärkephase zu selektiven Aktienverkäufen und Portfoliobereinigungen zu nutzen.

Asset Allocation

Die aktuellen Quoten in unserer taktischen Vermögensallokation bleiben unverändert. Dies bedeutet ein kleines Untergewicht bei den Aktien (v.a. Europa) und ein klares Untergewicht im Obligationensektor. Obwohl wir nicht von einer harten Landung der Weltwirtschaft ausgehen, haben die Aktienmärkte viel Positives antizipiert. Obligationen bleiben nach dem jüngsten Zinsrückgang unattraktiv. Gold hat jüngst deutlich zugelegt und damit auf die tieferen Zinsen reagiert. Wir bleiben im Gold übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: Januar 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die Turbulenzen an den Aktienmärkten sowie deutliche Anzeichen einer wirtschaftlichen Verlangsamung erhöhen den Druck auf die USA und China, im Handelsstreit Lösungen zu erarbeiten. Die EU lässt im Dezember gegenüber der Schweiz verlauten, dass ohne Rahmenvertrag keine neuen Marktzugangsabkommen mehr möglich sind. Ebenso betroffen wären bestehende Verträge, welche nicht mehr aktualisiert werden könnten. Die Anerkennung der Börsenäquivalenz wurde um sechs Monate verlängert.

Währungen

Die Wirkung der fiskalpolitischen wird 2019 in den USA nachlassen, sodass die US-Wirtschaft in ein gemächlicheres Wachstum mündet. Dies wird unseres Erachtens den Aufwertungsdruck auf den USD bremsen (nahes Ende des Zinserhöhungszyklus). Der Euro ist jedoch nach wie vor keine valable Alternative. Der Entscheid des Europäischen Gerichtshofs, dass die Anleihenkäufe der EZB am Sekundärmarkt rechtens seien, stellen einen Freipass zur Staatsfinanzierung via Notenpresse dar.

Immobilien

Erstmals seit fünf Jahren verloren indirekte Immobilienanlagen (Immobilienfonds) in der Schweiz an Wert (-5.3%). Der durchschnittliche Aufschlag (Agio) gegenüber dem inneren Wert ist im Durchschnitt aller Immobilienfonds von 29.4% auf 15.7% zurückgegangen. Damit hat sich die Bewertung etwas normalisiert, ist aber immer noch zu hoch. Die Leerstandsquote für Mietwohnungen steigt seit acht Jahren an und beträgt nun 2.5%. Auch für 2019 ist mit einem weiteren Anstieg an leeren Wohnungen zu rechnen.

Wirtschaft

Die Frühindikatoren haben sich im Dezember eingetrübt. In den USA sank der Einkaufsmanagerindex für die Industrie von 59.3 auf 54.1 Punkte. Dies signalisiert eine Wachstumsverlangsamung, aber noch keine Rezession. Für eine weiche Landung sprechen die pragmatische Haltung der US-Notenbank, tiefe Rohstoffpreise und sinkende Inflationserwartungen. Für die Weltwirtschaft wird 2019 ein Wachstum von rund 3.5% erwartet. Die Schwellenländer wachsen dabei um 4.5%, die Industriestaaten um 2%.

Obligationen / Zinsen

Im Dezember profitierten Staatsobligationen vom Verkaufsdruck an den Aktienmärkten. In den USA sank dadurch die Rendite zehnjähriger Regierungsanleihen von 3% auf unter 2.7%. Damit wurde die Zinskurve invers, d.h. die kurzfristigen Zinsen lagen leicht höher als die langfristigen. Für viele Analytiker gilt dies als Signal für eine Rezession. Da jedoch das Zinsniveau unter 3% liegt (frühere Zyklen 5% bis 6%), entfällt die brüske Bremswirkung der Geldpolitik. Obligationen bleiben insgesamt unattraktiv.

Gold

Im Zuge der jüngsten Entspannung bei den Kapitalmarktzinsen und den Einbrüchen an den Aktienmärkten erwies sich Gold erneut als Stabilisator. Die Erwartung, dass sich der Zinserhöhungszyklus in den USA langsam seinem Ende nähert und damit der Aufwertungsdruck auf den USD nachlässt, wird den Goldpreis weiterhin unterstützen. Schwelende Krisenherde wie beispielsweise die maroden Banken in Italien werden auch 2019 für Turbulenzen sorgen. Wir erachten Gold weiterhin als Krisenwährung.

Monetäres Umfeld / Inflation

Der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, hat jüngst kommuniziert, dass der neutrale Leitzins über der aktuellen Marke liegt. Dies gibt der Notenbank die Möglichkeit, zukünftige Zinsentscheide entlang der erwarteten Wirtschaftsentwicklung auszurichten. Im Vergleich zur EZB oder Schweizerischen Nationalbank verfügt die US-Notenbank damit über einen komfortablen geldpolitischen Spielraum. Die Inflationsraten tendieren infolge der schwachen Energiepreise kurzfristig rückläufig.

Aktien

Das schwierige Aktienjahr 2018 endete mit äusserst scharfen Korrekturen im Dezember. Die Zinserhöhung der US-Notenbank wurde von den Märkten als Kampfansage der Notenbank gegenüber dem Präsidenten interpretiert. Der US-Aktienmarkt verlor daraufhin im Dezember 10%. Wir erachten die Korrekturen als übertrieben und erwarten eine Gegenbewegung. Die Bewertung der Aktien ist auf den aktuellen Niveaus und unter Berücksichtigung der tiefen Zinsen angemessen. Selektive Käufe sind angezeigt.

Asset Allocation

Wir reduzieren unsere Positionen bei den USD-Anleihen zugunsten von CHF-Liquidität und von Ermerging Markets-Aktien. Damit sind wir bei den Aktien aufstrebender Länder wieder neutral gewichtet. Die Bewertung dieser Anlagekategorie ist nach den letztjährigen Korrekturen günstig und das Wirtschaftswachstum liegt nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt der Industrieländer (China +6%, Indien +7%). Insgesamt sind wir bei Aktien übergewichtet, bei den Obligationen untergewichtet und beim Gold übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: November 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die Zwischenwahlen in den USA führten zu einem Umschwung im Repräsentantenhaus, wo nun die Demokraten die Mehrheit haben. Der Senat bleibt in republikanischer Hand. Donald Trump wird mit dieser Ausgangslage etwas zurückgebunden. Für die Finanzmärkte wird kurzfristig die Entwicklung des Verhältnisses der USA zu China von Bedeutung sein. In Deutschland hat die Nachfolgeregelung bei der CDU Einfluss auf ihren zukünftigen Erfolg. Eine Kontrastfigur zu Angela Merkel ist unumgänglich.

Währungen

Der US-Dollar konnte sich von seiner Schwäche im September deutlich erholen. Im Protokoll des Offenmarktausschusses der US-Notenbank wurden im Hinblick auf die aktuelle robuste Wirtschaftsentwicklung für 2019 drei Zinsschritte in Aussicht gestellt. Dies gibt dem USD vorderhand eine Stütze. Nebst dem Budgetstreit mit Italien sprechen auch Schwächezeichen in der deutschen Wirtschaft nicht für eine Erstarkung des Euro. Wir bevorzugen deshalb nach wie vor den USD gegenüber dem EUR.

Wirtschaft

Die Weltwirtschaft wächst aktuell weniger synchron als dies noch Anfang des Jahres der Fall war. In den USA betrug das Wachstum im dritten Quartal 3.5%, in der Eurozone betrug der Zuwachs noch 1.7%. In China liegt die Wachstumsrate zwar noch bei 6.5%, dies ist jedoch der tiefste Wert seit der Finanzkrise 2009. Der Trend bei den Frühindikatoren zeigt nach wie vor ein positives Niveau, Abschwächungstendenzen sind jedoch trotzdem klar zu erkennen. Die weltweiten Aktienmärkte antizipieren dies bereits.

Obligationen/Zinsen

Obligationen profitierten in den letzten Wochen von der Korrektur an den Aktienmärkten. In Europa sind die Zinsen am langen Ende unverändert geblieben oder gar leicht gesunken, währenddem sie in den USA weiter gestiegen sind. Sollte die EZB Ende Jahr die Anleihenkäufe stoppen, ist mit einem leichten Anstieg der Kapitalmarktzinsen in der Eurozone zu rechnen. Ungemütlich bleibt der hohe Zinsaufschlag italienischer Staatsanleihen. Wir erachten einzig solide USD-Obligationen mittlerer Laufzeiten als attraktiv.

Gold

Die erhöhte Volatilität an den Aktienmärkten hat den Goldpreis zumindest aufgeweckt. Im Oktober konnte in CHF gerechnet eine deutlich positive Performance erzielt werden. Sollten die Realzinsen in den USA weiter steigen, wird dies den Aufwärtsdrang des Goldpreises wieder dämpfen. Immerhin hat das Gold im Oktober seine Funktion als Krisenwährung erfüllt und im Portfoliokontext zur Stabilisierung beigetragen. Wir empfehlen physische Goldpositionen im Sinne einer Krisenversicherung zu halten.

Monetäres Umfeld/Inflation

Die Inflation bleibt sowohl in den USA als auch im Euroraum unter Kontrolle. Die EZB hat ihr Anleihenkaufprogramm von 30 Mrd. EUR pro Monat auf 15 Mrd. EUR pro Monat zurückgefahren und gedenkt, dieses per Jahresende ganz zu stoppen. In Anbetracht der schwächelnden Konjunktur in der Eurozone ist jedoch auch dies nicht in Stein gemeisselt. In der Schweiz beträgt die aktuelle Inflationsrate immerhin 1.1%. Damit findet die leidige Vermögensumverteilung von den Sparern zu den Schuldnern ihren Fortgang.

Aktieninvestoren…

Der Oktober hat seinem Ruf als gefährlichem Aktienmonat wieder einmal alle Ehre erwiesen. Zyklische Werte wie die Halbleiterindustrie brachen teilweise regelrecht ein. Die Unsicherheit, ob sich die USA und China im Handelsstreit einigen können, führte zu einer Verlangsamung der Investitionen. Die publizierten Drittquartalszahlen übertrafen zwar in den USA mehrheitlich die Erwartungen, doch äusserten sich viele Firmen vorsichtig über die Zukunft. Diese Unsicherheiten führten zu einer Branchenrotation…

…brauchen starke Nerven

…hin zu defensiveren Aktien der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie. Nach den Zwischenwahlen in den USA und dem Auslaufen der Bilanzpublikationen erwarten wir eine Beruhigung an den Aktienmärkten. Als Katalysator einer Kurserholung könnten sich Fortschritte im Handelsstreit zwischen den USA und China erweisen. Donald Trump hat diesbezüglich bereits positive Signale von sich gegeben. Wir empfehlen selektive Zukäufe bei stark unter die Räder geratenen Schweizer Qualitätsaktien.

Asset Allocation

Im Aktienbereich erhöhen wir die Quote bei den Schweizer Aktien von einem leichten Untergewicht auf neutral. Wir erwarten, dass sich die Aktienmärkte nach den starken Oktoberturbulenzen wieder etwas erholen werden. Saisonale Effekte sowie die Unsicherheit betreffend der Zwischenwahlen in den USA sowie eine von uns erwartete Annäherung zwischen China und den USA stimmen uns etwas zuversichtlicher. Insgesamt sind wir nun bei Aktien leicht übergewichtet. Obligationen bleiben untergewichtet.