Unsere Sicht der Dinge: Juli 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Politisch steht uns eine spannende zweite Jahreshälfte bevor. China hat in einer Nacht- und Nebelaktion ein neues Sicherheitsgesetz für Hongkong eingeführt, welches die Freiheitsrechte der Bevölkerung massiv einschränkt. Das Verhältnis zum Westen wird dadurch zusätzlich belastet. Die EU will mit einem Wiederaufbauplan über 750 Mrd. EUR eine Schuldenunion durch die Hintertür einführen. In den USA sieht sich Donald Trump in der Wählergunst auf einem Tiefststand und muss um die Wiederwahl bangen.

Währungen

Seit Mitte Mai neigt der USD zur Schwäche. Die Neuansteckungen mit dem Coronavirus nehmen wieder zu und erhöhen damit die wirtschaftliche Unsicherheit. Die aggressive Zinspolitik der US-Notenbank brachte den Zinsvorteil des USD gegenüber anderen Währungen zum Verschwinden. Das britische Pfund wurde durch die Brexit-Unsicherheiten und dem wirtschaftlichen Einbruch, welcher noch höher liegt als auf dem Kontinent, arg geschwächt. Die Staatsverschuldung liegt in England bei 100% des Bruttoinlandprodukts.

Die Unabhängigkeit der Nationalbank…

Politisch steigt der Druck, die Finanzprobleme der Schweiz mit Hilfe der Nationalbank zu lösen. Die Aufgabe der Nationalbank ist primär, die Kaufkraft des Franken zu erhalten. Die geldpolitischen Massnahmen der letzten Jahre führten auf der Aktivseite zu Devisenreserven von 800 Mrd. CHF (Ende 2019). Diese Devisenbestände sind somit das Arbeitsinstrument der Notenbank und kein Volksvermögen. Sollte der CHF einmal zur Schwäche neigen, muss die SNB diese Bestände wieder verkaufen können…

…ist ein wertvolles Gut

…Ein interessanter Gedanke äusserte kürzlich Prof. Yvan Lengwiler in der Weltwoche. Er macht beliebt, die Gewinne, welche aus diesen Transaktionen entstanden sind (rund 45 Mrd. CHF) und nicht für die Geldpolitik benötigt werden, dem Bund einmalig zukommen zu lassen. Damit könnten die Corona-Schulden praktisch getilgt werden. Die Schuldenbremse müsste nicht ausgesetzt werden. Falls diese Ausschüttung eine einmalige Ausnahme bliebe, wäre dies eine elegante Lösung, aber die Begehrlichkeiten der Politik…

Wirtschaft

In den USA hat sich im Juni der Einkaufsmanagerindex für die Industrie von 43.1 auf 52.6 Punkte erholt. Die psychologisch wichtige Wachstumsschwelle (50) wurde damit übertroffen. Die überraschend starke Erholung dürfte auf einen gewissen Nachholbedarf und das tiefe Ausgangsniveau zurückzuführen sein. Der IWF zeigt sich für das US-Wachstum 2020 recht pessimistisch und erwartet einen Einbruch von 8%. Dies erscheint uns in Anbetracht der jüngsten Konjunkturzahlen doch als zu pessimistisch.

Obligationen / Zinsen

Obwohl sich die weltweite Konjunktur langsam erholt, blieben die Renditen für Staatsanleihen tief. Die Interventionen der Notenbanken und ein hohes Sicherheitsbedürfnis der Investoren sind dafür verantwortlich. Gewisse Notenbanken legen gar Renditeziele für bestimmte Laufzeiten von Staatsanleihen fest. Die japanische Notenbank verfolgt beispielsweise für 10-jährige Staatsanleihen eine Rendite von 0%. Im hochverzinslichen Obligationensegment haben sich die Risikoaufschläge in den letzten Wochen deutlich reduziert.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die Notenbanken begleiten die wirtschaftliche Genesung mit einer anhaltend expansiven Geldpolitik. Ein deutliches Zeichen setzte die US-Notenbank, indem sie festhält, dass der Leitzins bis mindestens Ende 2022 nahe bei 0% verharren soll. Eine geldpolitische Strategieüberprüfung der FED wird zeigen, ob sich die Notenbank eher an der Inflation oder der Arbeitslosenquote orientieren wird. Beide Indikatoren (aktuell tiefe Inflation und hohe Arbeitslosigkeit) sprechen zumindest kurzfristig für offene Geldschleusen.

Aktien

Die Aktienmärkte unterlagen im Juni starken Schwankungen, konnten jedoch am Schluss gegenüber dem Vormonat etwas zulegen. Zyklische Aktien, welche von einer Konjunkturerholung profitieren und deutlich hinter der Gesamtmarktentwicklung herhinken, rückten überdurchschnittlich stark vor. Die im Juli anstehenden Halbjahresergebnisse der Unternehmen werden die Aktienmärkte einem Realitätscheck unterziehen. Kurzfrisitg ist somit eine gewisse Vorsicht angebracht. Die Volatilität dürfte wieder ansteigen.

Asset Allocation

Wir nehmen keine Änderung unserer Asset-Allocation vor. Im Hinblick auf die bevorstehenden Unternehmensresultate für das erste Semester sowie die wieder ansteigenden Ansteckungsraten mit dem Corona-Virus, bleiben wir an der Seitenlinie. Dies bedeutet eine leichte Untergewichtung bei den Aktien und eine deutliche Untergewichtung der Obligationen (negatives Chancen/Risikoverhältnis). Am Übergewicht beim Gold halten wir ebenfalls fest. Die tiefen Realzinsen dürften das Gold weiterhin unterstützen.

Unsere Sicht der Dinge: Juni 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die Corona-Pandemie verliert auf der politischen Agenda langsam an Bedeutung. In den USA rücken die Präsidentschaftswahlen näher. Bill Clinton gewann die Wahlen einst mit dem Slogan: „It’s the economy, stupid“ (Es ist die Wirtschaft, Dummkopf). Ob die Wirtschaft bis im Herbst wieder so auf Kurs sein wird, dass es Donald Trump für eine Wiederwahl reicht, ist fraglich. Protektionismus (Zölle) und die Abkehr vom Multilateralismus (u.a. Attacken auf die WTO und die WHO) schaffen jedenfalls keinen Wohlstand.

Währungen

Die Ankündigung eines Fiskalpakets der EU-Kommission von 750 Mrd. EUR hat dem EUR kurzfristig Auftrieb gegeben. Die Hilfe kommt v.a. südeuropäischen Ländern zugute. Das Paket wird als stärkere fiskalische Integration der EU-Länder wahrgenommen. Ob dies dem EUR hilft, darf bezweifelt werden. Markterwartungen, dass die Leitzinsen in den USA und in England ins Negative fallen könnten, belasteten das GBP und den USD. Gemäss der US-Notenbank ist zumindest in den USA nicht mit Negativzinsen zu rechnen.

Ordnungspolitische Sündenfälle…

Wirtschafts- und geldpolitische Regeln scheinen sich nur in konjunkturellen Schönwetterphasen zu bewähren. In der EU ist eine Schuldenaufnahme der Staatengemeinschaft vertraglich ausgeschlossen. Dennoch will die Kommission 750 Mrd. EUR aufnehmen. 500 Mrd. sollen als nicht rückzahlbare Zuschüsse an stark pandemiegeschädigte Staaten fliessen. Nebst einer gigantischen Umverteilung wird damit der Einführung einer Schuldenunion der Weg geebnet. Deutschland trägt einmal mehr die Hauptlast. Die EZB…

… häufen sich in Krisen?

…kauft Anleihen ohne sich an die selbst auferlegten Regeln zu halten (max. 33% einer Emission und max. 33% pro Emittent). Auch das FED monetisiert mit seinen Anleihen-käufen faktisch die Staatsschulden. In der Schweiz verfügt das Parlament Mietzinserlasse für Geschäfte von willkürlichen 60%, was ein unglaublicher Eingriff in die privaten Eigentumsrechte darstellt. Überdies soll die Schuldenbremse für die Corona-Schulden nicht gelten. Der Zweck heiligt offenbar die Mittel, aber wo bleibt die Rechtssicherheit?

Wirtschaft

Der partielle Lockdown hinterlässt deutliche Spuren in der Weltwirtschaft. So fielen die Industrieaufträge in Deutschland im April um 36% gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Schweizer Wirtschaft schrumpfte im 1. Quartal um 2.6% im Vergleich zum Vorquartal. Die Rückkehr zur Normalität verläuft langsam, aber sie läuft. Die gigantischen staatlichen Hilfspakete werden ihre strohfeuerähnliche Wirkung in der zweiten Jahreshälfte und 2021 entfalten. Die strukturelle Arbeitslosigkeit wird trotz staatlicher Hilfen leider ansteigen.

Obligationen / Zinsen

Die US-Notenbank kaufte in drei Monaten für 1.6 Bio. USD Staatsanleihen. Die Ankündigung, dass erstmals Unternehmensanleihen gekauft werden sollen, hat zudem die Kreditmärkte beruhigt. Unternehmen konnten von Januar bis Mai für rund 1 Bio. USD Anleihen emittieren, welche vom Markt problemlos absorbiert wurden. Dieses Volumen ist rund doppelt so hoch wie im Vorjahr. Dabei hat das FED mit den Käufen von Unternehmensanleihen noch gar nicht begon-nen. Der Ankündigungseffekt hat seinen Zweck erfüllt.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht das Volumen für ihr Pandemie-Notfall-Kaufprogramm PEPP um 600 Mrd. EUR auf 1’350 Mrd. EUR. Das Programm wird verlängert bis mindestens Juni 2021. Die EZB erwartet dabei eine Teuerung für 2020 von 0.3% und für 2021 von 0.8%. In Deutschland hilft die Regierung mit 130 Mrd. EUR zusätzlich (u.a. mit einer befristeten Senkung der Mehrwertsteuer von 19% auf 16%). Wir erwarten aufgrund dieser rigorosen Massnahmen mittelfristig eine deutlich höhere Inflation.

Aktien

Die weltweiten Aktienmärkte stiegen im Mai und anfangs Juni deutlich. Der US-Aktienmarkt konnte seine Verluste seit anfangs Jahr gar aufholen. Die milliardenschweren geld- und fiskalpolitischen Massnahmen trugen massgeblich zur Erholung bei. Die Realwirtschaft lässt sich jedoch nicht so rasch wieder zum Laufen bringen. Kurzfristig sind damit unseres Erachtens die Aktienmärkte zu schnell, zu weit gelaufen. Eine Konsolidierung ist auch im Hinblick auf die Firmenresultate des zweiten Quartals zu erwarten.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Asset-Allocation unverändert. Nach dem starken Anstieg der Aktien empfehlen wir jedoch eine leichte Reduktion der Positionen auf die vorgesehenen Quoten (Rebalancing). Damit bleibt der Aktienanteil auf einem leichten Untergewicht. Dies erscheint uns nach den deutlichen Kursavancen und den anhaltenden Unsicherheiten über den Pandemieverlauf gerechtfertigt. Obligationen bleiben im Hinblick auf die mageren Renditeaussichten untergewichtet. Gold bleibt als Stabilisator übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: Mai 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Bei den politischen Entscheidungsträgern wächst die Einsicht, dass die Stilllegung der Wirtschaft einem Overkill gleichkommt. Gleichzeitig ist der Respekt vor der zweiten Ansteckungswelle gross. Schrittweise Lockerungen, verbunden mit Warnungen, dass beim Hochschnellen der Ansteckungsraten die Schraube wieder angezogen werden muss, entsprechen einem pragmatischen Vorgehen. Donald Trump versucht seine Wiederwahl zu retten, indem er China zum Sündenbock stempelt und mit neuen Strafzöllen droht.

Währungen

Schweizer Franken, Yen und US-Dollar haben sich im laufenden Jahr einmal mehr als sichere Häfen etabliert. Die Schweizerische Nationalbank versucht die Aufwertung des Frankens mit Interventionen am Devisenmarkt zu bremsen. Vor der Finanzkrise 2008 betrug die Bilanz der SNB 100 Mrd. CHF, mittlerweile liegt dieser Wert bei 900 Mrd. CHF und übersteigt damit das Bruttoinlandprodukt deutlich. Der Aufwertungsdruck bleibt im Zuge der gesunden Staatsfinanzen und der gesunkenen Zinsdifferenzen bestehen.

Jetzt wird alles anders…

Etliche Kommentatoren rufen einen Epochenwechsel oder eine Zeitenwende nach der Corona-Krise aus. Nichts soll wieder so sein wie vorher. Soziologen attestieren jedoch der Gesellschaft ein hohes Beharrungsvermögen. Das Ende der Globalisierung und des Kapitalismus sind damit nicht zu erwarten. Dagegen dürften sich Trends, welche schon vor der Corona-Krise bestanden haben verstärken. Das Verhältnis zwischen den USA und China war und bleibt angespannt. Die Digitalisierung wird sich durch die…

… oder doch nicht?

…positiven Erfahrungen (z.B. Homeoffice, E-Commerce, Contact-Tracing) beschleunigen. Innerhalb der EU kommen die Spannungen zwischen Nord und Süd wieder zum vorschein (Corona- oder Eurobonds). Sogar der Kampf gegen den Klimawandel wird uns erhalten bleiben, gibt es doch Thesen, dass dieser die Wahrscheinlichkeit von Pandemien erhöht. Es ist somit eher von der Kontinuität bestehender Konflikte und Krisen auszugehen als dass die Welt in eine neue Epoche aufbricht. Durchwursteln bleibt Programm.

Wirtschaft

In der Schweiz prognostiziert das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO für 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts um 6.7%. Der Einbruch ist massiv und wird vor allem das zweite Quartal stark prägen. Entscheidend wird sein, wie schnell die Motoren wieder zum laufen gebracht werden können. Social Distancing bleibt und streut dabei Sand ins Getriebe. Die Menschen wollen jedoch wieder Arbeiten, Konsumieren und ihre Freiheit zurück. Der Aufschwung kommt schneller als die Pessimisten erwarten.

Obligationen / Zinsen

Höherverzinsliche Anleihen haben sich im April zögerlich erholt. Die laufend nach unten revidierten Wirtschaftsprognosen hätten eine gegenteilige Reaktion erwarten lassen. Die Tatsache, dass allein die US-Notenbank Unternehmenskreditfazilitäten in Billionenhöhe zur Verfügung stellte, wirkte stabilisierend. Damit ist jedoch die faire Preisbildung durch den Markt verzerrt. Wie gross die effektiven Stützungskäufe sein werden, wird sich zeigen. Bereits die Ankündigung dieser Programme wirkte beruhigend.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die Jahresteuerung ist in der Schweiz im April auf -1.1% gefallen und auch in Deutschland lag die Inflationsrate bei tiefen 0.8%. Die Corona-Krise wirkt damit kurzfristig deflationär. Mittelfristig dürfte die Inflation jedoch steigen. Eine höhere gesamtwirtschaftliche Nachfrage wird auf eine mit höheren Kosten kämpfende Angebotsstruktur treffen (Hygieneschutzmassnahmen kosten Produktivität). Als Damoklesschwert für eine stark ansteigende Inflation figurieren die enormen Ausweitungen der Geldmengen.

Aktien

Im April konnten sich die weltweiten Aktienmärkte erholen. Die enormen staatlichen Hilfspakete wirkten dabei stützend. Auch die langsame Normalisierung in China weckte Hoffnungen. Dividendenkürzungen zum Schutz der Firmenliquidität wurden teilweise gar positiv aufgenommen. 2020 wird punkto Gewinnentwicklung (USA -30% bis -40%) ein Desaster und hemmt das kurzfristige Kurspotential. Zukäufe sollten demnach nur an schwachen Börsentagen getätigt werden. Der Blick ins 2021 wird zunehmend wichtiger.

Asset Allocation

Wir nehmen keine Änderungen in unserer Asset-Allocation vor. In Anbetracht der Unsicherheiten über den weiteren Pandemieverlauf bleiben wir bei den Aktien leicht untergewichtet. Investitionen in Trends wie Gesundheit, Sicherheit oder Technologie gewinnen jedoch an Bedeutung. Bei den Obligationen bleiben wir untergewichtet. Wir erachten das Chancen/Risikoverhältnis, in Anbetracht der Marktverzerrung, nach wie vor als ungenügend. Gold ist in Zeiten der offenen Geldschleusen attraktiv und bleibt übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: April 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die politischen Behörden haben weltweit Massnahmen ergriffen, welche einen Grossteil der Wirtschaft ins künstliche Koma versetzten. China rühmt sich als vorbildlicher Krisenmanager, dabei versuchte Peking die Existenz des Virus am Anfang zu vertuschen. Die USA reagierten ihrerseits zu spät, Donald Trump unterschätzte die Gefahr. Die UNO hat es bis vor kurzem nicht geschafft, die Corona-Krise auf die Agenda zu setzen. Der Sicherheitsrat wird von den Chinesen präsidiert. Es fehlt an guter Kooperation.

Währungen

Der US-Dollar wurde als Leitwährung unter Stress gesetzt. Liquiditätsengpässe am US-Dollarfinanzierungsmarkt führten zu heftigen Kursausschlägen. Die US-Notenbank stellte daraufhin anderen Zentralbanken Swap (Tausch)-Arrangements zur Verfügung, wonach andere Währungen in USD gewechselt werden können. Zusätzlich wird eine neue Repo-Fazilität zur Verfügung gestellt, wo ausländische Notenbanken der FED US-Staatsanleihen gegen USD verkaufen können. Da zeigt die FED Führungsstärke.

Exit…

Für die Schweiz werden die Kosten für den momentanen Lockdown auf CHF 15 Mrd. pro Monat geschätzt. Die griffigen Abfederungsmassnahmen des Bundes mit Kurzarbeit, Überbrückungskrediten und Rechtsstillstand für Konkursverfahren verhindern einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit und eine Pleitewelle im Firmenbereich effizient. Vor allem Kleinstbetriebe verfügen über wenig Reserven, Existenzen sind gefährdet. In der Diskussion um die beste Eindämmungsstrategie des Corona Virus reicht das Spektrum…

… oder Exitus?

…von einer kontrollierten Durchseuchung (zwecks Steigerung der Immunität) bis zu einer länger andauernden rigiden Abschottung. Wir halten einen pragmatischen Mittelweg für die schrittweise Wiederbelebung des wirtschaftlichen- und gesellschaftlichen Lebens für vernünftig. Der maximale Gesundheitsschutz würde die Wirtschaft zum Patienten machen, welcher bald auf der Intensivstation landen würde. Das Fazit „Operation gelungen, Patient (Wirtschaft) gestorben“ wäre dann der wahre Super Gau der jetzigen Krise.

Wirtschaft

In den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosengeld um rund 10 Mio. gestiegen. Der höchste Wert wurde bisher im Oktober 1982 mit knapp 700’000 Anträgen gemessen. Wie stark die Weltwirtschaft leiden wird ist sehr schwierig abzuschätzen, ein Rückgang des globalen Bruttoinlandprodukts um 1% – 2% ist möglich. 2008 schrumpfte die Weltwirtschaft um 1.7%. Die Hoffnungen ruhen auf China, welches rund ein Quartal Vorsprung im Pandemiezyklus aufweist. In der Schweiz könnte das BIP um 3% bis 4% einbrechen.

Obligationen / Zinsen

Die staatlich erzwungene Bremswirkung auf die Wirtschaftsentwicklung setzte Unternehmensanleihen und Emerging Markets Obligationen unter Druck. Die gestiegenen Ausfallwahrscheinlichkeiten führten zu höheren Risikoprämien, Anleger verlangen demnach für riskantere Papiere schlagartig eine höhere Rendite. Diese Entwicklung bereitet uns in Anbetracht der generell hohen Schuldenstände (Staaten und Unternehmen) Sorgen. Die lockere Geldpolitik schuf über Jahre falsche Anreize für Schuldner und Gläubiger.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank hat die Leitzinsen weiter gesenkt, die Spanne liegt nun bei 0% bis 0.25%. Gleichzeitig hat sich die Bilanz der Notenbank von USD 4.3 Billionen auf USD 5.8 Billionen ausgeweitet. Käufe von Staatsanleihen und hypothekarbesicherten Wertpapieren sowie die Vergabe von Corona-Notfallkrediten führten zu dieser im Ausmass nie dagewesenen Ausdehnung. Auch die EZB erklärt sich bereit im Rahmen des Pandemie Emergency Purchase Programms für EUR 750 Mrd. Anleihen zu kaufen.

Aktien

Der März war ein schwarzer Monat für die weltweiten Aktienmärkte. Der Schweizer Aktienmarkt kam dank der hohen Gewichtung der defensiven Sektoren Pharma und Nahrungsmittel vergleichsweise glimpflich weg. Kleinere und mittlere Gesellschaften verloren weltweit überdurchschnittlich an Wert, sind sie doch sowohl produktemässig wie geographisch weniger gut diversifiziert. Wir erwarten weiterhin starke Schwankungen. Tradingorientierte Anleger können diese durch antizyklisches Handeln nutzen.

Asset Allocation

Wir belassen die aktuelle Asset Allocation unverändert. Dies bedeutet ein leichtes Untergewicht bei Aktien, ein Untergewicht bei Obligationen und ein Übergewicht beim Gold. Die Ausschläge an den Aktienmärkten sind nach wie vor hoch, was die starke Unsicherheit der Anleger widerspiegelt. Zukäufe von Aktienpositionen bei Rückschlägen sind sinnvoll, um die strategischen Gewichte wieder ins Lot zu bringen. Trotz des nervenaufreibenden Umfeldes sollten emotionale Anlageentscheide vermieden werden.

Coronavirus setzt Aktienmärkten zu

Die Ausbreitung des Corona-Virus veranlasst die Behörden weltweit zu immer drastischeren Massnahmen. Das durch Präsident Trump verhängte Einreiseverbot für Bürger aus dem Schengen Raum bis Ende April, versetzte die Aktienmärkte vollends in Panik. Fontaris erklärt, was Anleger nun tun sollten.

Die gestrigen Tagesverluste an den Aktienmärkten gehörten zu den historisch grössten Tageseinbrüchen. Je nach Index liegen die wichtigsten Barometer rund 20% – 30% unter dem Stand von Anfang 2020 und löschten die Performance der letzten drei bis vier Jahre aus.

Gemäss Aussagen des Bundesamts für Gesundheit könnte es Mai werden, bis sich eine Trendwende bei den Ansteckungsraten abzeichnet. Diese Schätzung stützt sich auf die Beobachtungen über den Verlauf in China. Italien ist nach wie vor der Hot-Spot der Epidemie in Europa. Offiziell leben in Italien rund 320‘0000 Chinesen, welche in Norditalien Kleider, Taschen und Schuhe zu günstigen Preisen produzieren. Leider hat Italien Ende Januar nur die direkten Flugverbindungen nach China unterbrochen, jedoch nicht die Einreise durch Umsteigeflüge verhindert. Dies dürfte die Erklärung für die auffällig hohen Erkrankungen in unserem südlichen Nachbarland sein.

Was ist aus Anlegersicht zu tun? Eine kurzfristige rasche Erholung ist in Anbetracht der Zeitachse, welche sich durch den Verlauf der Pandemie ergibt, nicht zu erwarten. Die wirtschaftlichen Schäden sind enorm und werden zu etlichen Firmenkonkursen und Verwerfungen an den Kreditmärkten führen. Man muss sich deshalb bewusst sein, dass Zukäufe im Aktienbereich, welche heute getätigt werden Geduld erfordern, bis sich ein Erfolg einstellt. Zur Liquidität sollte grundsätzlich nach wie vor Sorge getragen werden. Die Verluste auf den in den Portfolios gehaltenen Positionen tun weh. Es gilt aber zu beachten, dass es sich um Buchverluste handelt. Diese können sich beim Abebben der Krise auch wieder rasch verkleinern.

Fazit: Von Panikverkäufen raten wir ab, da es erfahrungsgemäss schwierig wird, die realisierten Verluste wieder aufzuholen. Ein Wiedereinstieg zum richtigen Zeitpunkt gelingt selten. Positionen sollten deshalb gehalten werden. Zukäufe erfordern andererseits Geduld und starke Nerven, da kurzfristig kaum mit raschen Erfolgen zu rechnen ist. ETF’s oder qualitativ gute Blue Chips (z.B. Schweizer Pharmawerte) eignen sich für Zukäufe am besten.