Unsere Sicht der Dinge: November 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Nach den Wahlen in den USA wird sich die Politik primär mit der zweiten Corona Welle befassen müssen. Die Schweiz geht bis anhin einen eigenständigen Weg und verzichtet auf einen flächendeckenden harten Lockdown. Es wird versucht, die Balance zwischen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Aspekten auszuloten. Als pragmatischer Weg gilt mittlerweile unter vielen Wissenschaftern: Risikogruppen schützen, den Rest laufen lassen. Impfstoffe werden wohl erst ab Mitte 2021 zur Verfügung stehen.

Währungen

Der USD dürfte im Hinblick auf eine demokratische Regierung kaum zur Stärke neigen. Sollte die definitive Ermittlung des neuen Präsidenten über ein Gerichtsverfahren entschieden werden und sich damit über längere Zeit hinziehen, wird das dem USD ebenfalls nicht helfen. Die Geldpolitik der US-Notenbank wird zudem weiterhin expansiv bleiben, was die Realzinsen ins Negative drückt. Schweizer Franken und Yen sind damit einmal mehr die Felsen in der Brandung. Fundamental zu billig ist nach wie vor das britische Pfund.

Die USA haben…

Der Demokrat Joe Biden wird mit grosser Wahrscheinlichkeit neuer Präsident der USA. Die definitive Entscheidung wird wohl noch eine Weile auf sich warten lassen. Das Resultat wird knapper ausfallen als erwartet und die Mehrheit im Senat bleibt möglicherweise sogar in republikanischer Hand. Donald Trump hat in seiner Amtszeit einige nachhaltige Akzente gesetzt. China wird heute wesentlich kritischer betrachtet, dies auch in Europa. Probleme wie Technologietransfer oder die Teilautonomie Hongkongs…

… gewählt

…werden vom Westen klar adressiert. Die Friedensabkommen zwischen Israel, den Vereinigten Arabische Emeriaten und Bahrein sind ein wichtiger Schritt im Nahen Osten. Die Schweiz wird ihre guten Kontakte wieder neu knüpfen müssen. So ist beispielsweise der US-Markt für unsere Pharmaindustrie von zentraler Bedeutung, was ein geschicktes Lobbying rechtfertigt. Joe Biden wird wieder vermehrt auf den Multilateralismus setzen. Der Schweiz als exportorientiertem Kleinstaat wird dies zweifelsohne zugutekommen.

Wirtschaft

Im dritten Quartal verzeichneten die meisten Volkswirtschaften hohe BIP-Wachstumsraten. In der Eurozone betrug der Anstieg im Vergleich zum Vorquartal 12.7%. Leider wird diese Dynamik in den nächsten Wochen wieder einen deutlichen Dämpfer erhalten. Getragen wird die Weltwirtschaft von China, welches als einziges G20 Land im laufenden Jahr ein positives Wachstum erzielen kann. Insgesamt werden die Staaten stark leidende Wirtschaftszweige, wie die Tourismus- und Reisebranche, unterstützen müssen.

Obligationen / Zinsen

Die Anleihenmärkte haben sich im Oktober ruhig entwickelt. Die Anlageklasse, welche kaum mehr Zinserträge generiert, hat sich in diesem turbulenten Corona-Jahr zumindest als Stabilisator in den Portfolios erwiesen. Nachhaltig positive Renditen sind jedoch in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Die staatlichen Hilfsprogramme lassen die Staats-Schuldenberge weiter ansteigen. Bilanztechnisch betrachtet investieren wir daher lieber in Netto-Aktiven (Aktien) als in Instrumente auf der Passivseite der Bilanzen (Schulden).

Monitäres Umfeld / Inflation

In der Schweiz liegen die Konsumentenpreise im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 0.6% tiefer und notieren damit den neunten Monat in Folge im negativen Bereich. Auch in der Eurozone liegt die Inflation bei -0.3%. Die EZB wird daher weiterhin Wertpapierkäufe tätigen, um den Euro zu schwächen und damit die importierte Inflation zu heben. In der Eurozone wurden 70% der seit Februar emittierten Staatsschulden durch die Notenbank aufgekauft. Inflation ist aber nach wie vor nur bei den Vermögenspreisen sichtbar.

Aktien

Die Aktienmärkte unterliegen aktuell starken Schwankungen. Corona und die US-Wahlen sind die Hauptgründe. Diese Unsicherheiten eröffnen jedoch Chancen. Gegen Ende Jahr könnten Meldungen über Zulassungen von Impfstoffen den Aktienmärkten Unterstützung bieten, auch wenn diese Impfungen erst später verfügbar sind. Wir empfehlen daher Schwächephasen für Käufe zu nutzen. Insbesondere mittlere und kleinere Gesellschaften in der Schweiz und Global verfügen über Aufholpotential.

Asset Allocation

Wir erhöhen unsere Aktienquoten von neutral auf übergewichten. Bei den Trends setzen wir zusätzlich auf Biotechnologie und verstärken damit den Gesundheitsbereich. Die Emerging Markets erhöhen wir von untergewichten auf neutral, dies im Zuge der robusten Wirtschaft in China. In der Schweiz reduzieren wir das Untergewicht leicht zugunsten von Small & Mid Caps. Da der Themenbereich mit Biotech, Medtech und Informationstechnologie stark USA-lastig ist, reduzieren wir die Länderquote für die USA leicht.

Unsere Sicht der Dinge: Oktober 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Bei den Präsidentschaftswahlen in den USA liegt Joe Biden mit rund 7% knapp in Führung. Dies sollte reichen, um die Mehrheit in beiden Kongresskammern zu gewinnen. In diesem Fall würden die Demokraten die Steuern für hohe Einkommen und den Grenzsteuersatz für Unternehmen erhöhen. Zudem soll ein Investitionsprogramm von USD 2 Bio. über vier Jahre getätigt werden (u.a. Infrastruktur, saubere Energie). Unsicherheit für die Finanzmärkte brächte die Anfechtung einer Wahlniederlage durch Donald Trump.

Währungen

Gegenüber dem CHF haben sich die Hauptwährungen seit Ende 1980 wie folgt entwickelt: USD -47%, EUR -53%, GBP -72%, JPY 0%. Fremdwährungen als Anlageklasse aus CHF-Sicht sind demnach langfristig, mit Ausnahme der japanischen Währung, ein sicheres Verlustgeschäft. Deshalb sollte man auf Währungsprognosen verzichten und bei Anlagen einen hohen Anteil in der eigenen Referenzwährung halten. Die Stabilität des Yen leitet sich aus der nachhaltig tiefen Inflation in Japan ab (Kaufkraftparitätstheorie).

Immobilien

In der Schweiz zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik eine Beschleunigung des Leerwohnngsbestands im laufenden Jahr (Stichtag: 1.6.2020). Dieser befindet sich bei 1.72% und liegt damit nicht mehr weit weg vom Höchststand von 1.85% im Jahr 1998. Bedingt durch den Anlagenotstand im festverzinslichen Bereich, sind v.a. Mietwohnungen im Angebot (+5.5%). In den grossen Zentren liegen die Leerstände allerdings bei tiefen 0.5%. Die Mietzinsen werden daher vor allem in ländlichen Gebieten sinken.

Wirtschaft

Die Weltwirtschaft erholt sich weiterhin stetig vom tiefen Einbruch durch die Corona-Krise. Die Wachstumsraten werden für das dritte Quartal zweifelsfrei stark positiv ausfallen (Schätzung: +5.5%). Allerdings wird die Dynamik, welche primär durch Aufholeffekte entstand, in den nächsten Wochen und Monaten deutlich nachlassen. Dies zeigen sowohl die Wachstumsraten der Einzelhandelsumsätze wie auch der Industrieproduktion. In der Schweiz dürfte Das BIP 2020 rund 4.5% sinken und 2021 um rund 3.5% wachsen.

Obligationen / Zinsen

Die Notenbanken bekräftigten jüngst, dass sie die Leitzinsen tief halten wollen. In den USA rechnet die FED bis Ende 2023 mit unveränderten Geldmarktzinsen. In England wird die Einführung von Negativzinsen nicht mehr ausgeschlossen. In den USA werden die Staatsschulden im laufenden Jahr 100% des BIP übersteigen, nachdem die Quote vor der Finanzkrise 2007 noch bei 35% lag. Auch in der EU wird die Staatsschuldenquote erstmals über 100% steigen. Höhere Zinsen brächten das Kartenhaus zum Einsturz.

Gold

Eine Normalisierung der Geldpolitik scheiterte Ende 2018. Die US-Notenbank wollte ihre Bilanz verkürzen und stellte Zinserhöhungen in Aussicht. Die Finanzmärkte reagierten darauf mit einer Panikattacke. Damit ist klar, dass es kein zurück zur Normalität mehr gibt. Die Schulden sollen mit der Notenpresse weginflationiert werden. Damit bleibt Gold, welches nicht beliebig vermehrbar ist, im aktuellen Umfeld ein Bestandteil unserer taktischen Asset Allocation. Kurzfristige Rückschläge können zu Käufen genutzt werden.

Monitäres Umfeld / Inflation

Im September ist die Inflation in der Eurozone auf -0.3% gefallen und die Kernrate (ohne Lebensmittel und Energie) auf 0.2%. Sonderfaktoren wie die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland oder ein verspäteter Sommerausverkauf sind dafür ausschlaggebend. Die Zentralbank sähe gerne höhere Inflationsraten, damit sich die hohen nominellen Schuldentürme relativ zur Wirtschaftsleistung verkleinern würden. Die Notenbanken werden an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten, um die Weltwirtschaft zu unterstützen.

Aktien

Im Vorfeld der US-Präsidentenwahlen steigt die Unsicherheit an den Aktienmärkten. Steigende Corona Fallzahlen führen zudem partiell zu Einschränkungen, was eine weitere zügige Wirtschaftserholung beeinträchtigt. Die anstehenden Quartalszahlen der Firmen sollten dagegen die Märkte stützen. Wir bleiben mit unserer Positionierung vorerst auf der Seitenlinie, würden jedoch starke Kurskorrekturen für eine Erhöhung der Aktienquote nutzen. In der Schweiz bevorzugen wir Small & Mid Caps gegenüber SMI-Titeln.

Asset Allocation

Wir ändern nichts an unserer Asset Allocation. Die Aktiengewichtung bleibt neutral, Immobilienfonds und Obligationen werden untergewichtet und Gold wird übergewichtet. Mit der erwarteten Verfügbarkeit eines Covid-Impfstoffes im Verlauf von 2021 wird die Zuversicht an den Aktienmärkten wieder steigen. Kurzfristig sind jedoch die US-Wahlen, Sorgen über die zweite Pandemiewelle, das angespannte geopolitische Verhältnis USA-China sowie der mühsame Brexit-Prozess potentielle Belastungsfaktoren für die Finanzmärkte.

Unsere Sicht der Dinge: September 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

In Japan tritt Shinzo Abe als Regierungschef zurück. Sein Wirtschaftsprogramm, Abenomics genannt, bestand aus drei Pfeilern. Mit einer lockeren Geldpolitik sollte die Deflation bezwungen werden. Staatliche Ausgabenprogramme sollten das Wachstum beleben. Zudem sollten Strukturreformen die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Nachhaltig gestiegen sind lediglich die Staatsschulden, welche rund 240% des BIP betragen und die zu 40% bei der Bank of Japan lagern. Dies ist wahrlich keine Erfolgsgeschichte.

Währungen

In den USA liegt die Realverzinsung bei -0.9%. Dies war letztmals im Dezember 2013 der Fall. Damals lag die Relation EUR/USD bei über 1.30, aktuell liegt diese bei 1.18. Die USD-Schwäche ist damit nicht ungewöhnlich und sollte nicht als Abgesang auf die führende Leitwährung interpretiert werden. Gemessen an der Kaufkraftparität weist die britische Währung gegenüber dem Schweizer Franken nach wie vor einen Abschlag von rund 15% auf, was primär den Brexit-Unsicherheiten geschuldet ist.

Immobilien

Die Schweizer Immobilienfonds sind von der Corona-Krise weniger stark betroffen als die Immobilienfirmen. Die Fonds sind zu rund 55% in Wohnungen, zu 14% in Büros und nur zu 14% in Hotels, Restaurants und Geschäfte investiert. Bei den Firmen machen Wohnen 13%, Büros 42% und die stark betroffenen Segmente 23% aus. Immobilienfonds sind da-mit weniger stark von pandemiebedingten Mietzinsausfällen tangiert. Wegen den hohen Aufschlägen (30%) zum inneren Wert empfehlen wir ein taktisches Untergewicht.

Wirtschaft

In den USA ist die Angst vor einer zweiten Pandemie-Welle etwas zurückgegangen. Der ISM Einkaufsmanager-Index stieg im August auf 56 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit November 2018. Es wird erwartet, dass ab Mitte 2021 Corona Impfstoffe weltweit verfügbar sind und sich damit das wirtschaftliche Leben wieder normalisiert. Damit hellen sich die mittelfristigen wirtschaftlichen Perspektiven deutlich auf. Kurzfristig wird die Wachstumsdynamik durch das Abflachen der Aufholeffekte etwas gebremst.

Obligationen / Zinsen

Die Risikoprämien von Unternehmensanleihen haben sich im Zug der generellen Normalisierung an den Finanzmärkten wieder zurückgebildet. Dazu beigetragen hat auch die Bereitschaft der Notenbanken, solche Papiere zu kaufen. Wir empfehlen, Obligationenbestände mit Ratings von BBB oder tiefer abzubauen und in höherwertige Bonitäten zu tauschen. Dazu eignen sich beispielsweise inflationsgeschützte und währungsgesicherte Staatsanleihen. Dies ist auch sinnvoll mit Blick auf die ultra expansive Geldpolitik.

Gold

Die neue geldpolitische Strategie der US-Notenbank impliziert, dass die Zinsen auch dann tief gehalten werden, wenn die Inflation steigen sollte. Dies führt zu weiter sinkenden Realzinsen. Tiefe Realzinsen sind einer der Haupttreiber für den Goldpreis. Die jüngste Konsolidierung nach den Höchstständen anfangs August ist unseres Erachtens keine Trendwende sondern lediglich eine Verschnaufpause. Gold verfügt zudem erwiesenermassen über positive Diversifikationseigenschaften bei der Konstruktion gemischter Portfolios.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank hat ihre geldpolitische Strategie neu definiert und zaubert mit dem „Average Inflation Targeting“ ein neues Instrument aus dem Hut. Die Inflation soll demnach auch über das Ziel von 2% hinaus steigen dürfen, wenn sie vorher darunter lag. Warum eine Inflation von 3% gut sein soll, wenn sie vorher nur 1% betrug ist schwer nachvollziehbar. Offenbar will die FED die Zinsen nicht erhöhen, auch wenn die Inflation zu steigen beginnt. Dies dürfte einer stabilen Preisentwicklung nicht förderlich sein.

Aktien

Die Aktienmärkte zeigten sich auch im August von der freundlichen Seite. Die Annahmen, dass flächendeckende Lockdowns nicht mehr zu erwarten sind und Impfstoffe bald zur Verfügung stehen, hoben die Kurse vorab von zyklischen Märkten weiter an. Kurzfristig erscheint uns damit das Aufwärtspotential ausgeschöpft. Die nahenden US-Wahlen, die zu starke Euphorie im Technologiesektor sowie der Anmarsch der saisonalen Erkältungs- und Grippeerkrankungen könnten kurzfristig für Korrekturen sorgen.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Asset Allocation unverändert. Dies entspricht einer neutralen Gewichtung bei den Aktien, einer Untergewichtung bei den Obligationen und den Immobilien sowie einer Übergewichtung beim Gold. Da die besseren Wirtschaftsaussichten unseres Erachtens bereits in den Kursen aller Anlageklassen enthalten sind, ist mit einer etwas holprigeren Entwicklung zu rechnen. Die staatlichen Corona-Hilfen sind zwar eine willkommene Krücke für die Wirtschaft, nachhaltige Stabilität bringen sie jedoch keine.

Unsere Sicht der Dinge: Juli 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Politisch steht uns eine spannende zweite Jahreshälfte bevor. China hat in einer Nacht- und Nebelaktion ein neues Sicherheitsgesetz für Hongkong eingeführt, welches die Freiheitsrechte der Bevölkerung massiv einschränkt. Das Verhältnis zum Westen wird dadurch zusätzlich belastet. Die EU will mit einem Wiederaufbauplan über 750 Mrd. EUR eine Schuldenunion durch die Hintertür einführen. In den USA sieht sich Donald Trump in der Wählergunst auf einem Tiefststand und muss um die Wiederwahl bangen.

Währungen

Seit Mitte Mai neigt der USD zur Schwäche. Die Neuansteckungen mit dem Coronavirus nehmen wieder zu und erhöhen damit die wirtschaftliche Unsicherheit. Die aggressive Zinspolitik der US-Notenbank brachte den Zinsvorteil des USD gegenüber anderen Währungen zum Verschwinden. Das britische Pfund wurde durch die Brexit-Unsicherheiten und dem wirtschaftlichen Einbruch, welcher noch höher liegt als auf dem Kontinent, arg geschwächt. Die Staatsverschuldung liegt in England bei 100% des Bruttoinlandprodukts.

Die Unabhängigkeit der Nationalbank…

Politisch steigt der Druck, die Finanzprobleme der Schweiz mit Hilfe der Nationalbank zu lösen. Die Aufgabe der Nationalbank ist primär, die Kaufkraft des Franken zu erhalten. Die geldpolitischen Massnahmen der letzten Jahre führten auf der Aktivseite zu Devisenreserven von 800 Mrd. CHF (Ende 2019). Diese Devisenbestände sind somit das Arbeitsinstrument der Notenbank und kein Volksvermögen. Sollte der CHF einmal zur Schwäche neigen, muss die SNB diese Bestände wieder verkaufen können…

…ist ein wertvolles Gut

…Ein interessanter Gedanke äusserte kürzlich Prof. Yvan Lengwiler in der Weltwoche. Er macht beliebt, die Gewinne, welche aus diesen Transaktionen entstanden sind (rund 45 Mrd. CHF) und nicht für die Geldpolitik benötigt werden, dem Bund einmalig zukommen zu lassen. Damit könnten die Corona-Schulden praktisch getilgt werden. Die Schuldenbremse müsste nicht ausgesetzt werden. Falls diese Ausschüttung eine einmalige Ausnahme bliebe, wäre dies eine elegante Lösung, aber die Begehrlichkeiten der Politik…

Wirtschaft

In den USA hat sich im Juni der Einkaufsmanagerindex für die Industrie von 43.1 auf 52.6 Punkte erholt. Die psychologisch wichtige Wachstumsschwelle (50) wurde damit übertroffen. Die überraschend starke Erholung dürfte auf einen gewissen Nachholbedarf und das tiefe Ausgangsniveau zurückzuführen sein. Der IWF zeigt sich für das US-Wachstum 2020 recht pessimistisch und erwartet einen Einbruch von 8%. Dies erscheint uns in Anbetracht der jüngsten Konjunkturzahlen doch als zu pessimistisch.

Obligationen / Zinsen

Obwohl sich die weltweite Konjunktur langsam erholt, blieben die Renditen für Staatsanleihen tief. Die Interventionen der Notenbanken und ein hohes Sicherheitsbedürfnis der Investoren sind dafür verantwortlich. Gewisse Notenbanken legen gar Renditeziele für bestimmte Laufzeiten von Staatsanleihen fest. Die japanische Notenbank verfolgt beispielsweise für 10-jährige Staatsanleihen eine Rendite von 0%. Im hochverzinslichen Obligationensegment haben sich die Risikoaufschläge in den letzten Wochen deutlich reduziert.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die Notenbanken begleiten die wirtschaftliche Genesung mit einer anhaltend expansiven Geldpolitik. Ein deutliches Zeichen setzte die US-Notenbank, indem sie festhält, dass der Leitzins bis mindestens Ende 2022 nahe bei 0% verharren soll. Eine geldpolitische Strategieüberprüfung der FED wird zeigen, ob sich die Notenbank eher an der Inflation oder der Arbeitslosenquote orientieren wird. Beide Indikatoren (aktuell tiefe Inflation und hohe Arbeitslosigkeit) sprechen zumindest kurzfristig für offene Geldschleusen.

Aktien

Die Aktienmärkte unterlagen im Juni starken Schwankungen, konnten jedoch am Schluss gegenüber dem Vormonat etwas zulegen. Zyklische Aktien, welche von einer Konjunkturerholung profitieren und deutlich hinter der Gesamtmarktentwicklung herhinken, rückten überdurchschnittlich stark vor. Die im Juli anstehenden Halbjahresergebnisse der Unternehmen werden die Aktienmärkte einem Realitätscheck unterziehen. Kurzfrisitg ist somit eine gewisse Vorsicht angebracht. Die Volatilität dürfte wieder ansteigen.

Asset Allocation

Wir nehmen keine Änderung unserer Asset-Allocation vor. Im Hinblick auf die bevorstehenden Unternehmensresultate für das erste Semester sowie die wieder ansteigenden Ansteckungsraten mit dem Corona-Virus, bleiben wir an der Seitenlinie. Dies bedeutet eine leichte Untergewichtung bei den Aktien und eine deutliche Untergewichtung der Obligationen (negatives Chancen/Risikoverhältnis). Am Übergewicht beim Gold halten wir ebenfalls fest. Die tiefen Realzinsen dürften das Gold weiterhin unterstützen.

Unsere Sicht der Dinge: Juni 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die Corona-Pandemie verliert auf der politischen Agenda langsam an Bedeutung. In den USA rücken die Präsidentschaftswahlen näher. Bill Clinton gewann die Wahlen einst mit dem Slogan: „It’s the economy, stupid“ (Es ist die Wirtschaft, Dummkopf). Ob die Wirtschaft bis im Herbst wieder so auf Kurs sein wird, dass es Donald Trump für eine Wiederwahl reicht, ist fraglich. Protektionismus (Zölle) und die Abkehr vom Multilateralismus (u.a. Attacken auf die WTO und die WHO) schaffen jedenfalls keinen Wohlstand.

Währungen

Die Ankündigung eines Fiskalpakets der EU-Kommission von 750 Mrd. EUR hat dem EUR kurzfristig Auftrieb gegeben. Die Hilfe kommt v.a. südeuropäischen Ländern zugute. Das Paket wird als stärkere fiskalische Integration der EU-Länder wahrgenommen. Ob dies dem EUR hilft, darf bezweifelt werden. Markterwartungen, dass die Leitzinsen in den USA und in England ins Negative fallen könnten, belasteten das GBP und den USD. Gemäss der US-Notenbank ist zumindest in den USA nicht mit Negativzinsen zu rechnen.

Ordnungspolitische Sündenfälle…

Wirtschafts- und geldpolitische Regeln scheinen sich nur in konjunkturellen Schönwetterphasen zu bewähren. In der EU ist eine Schuldenaufnahme der Staatengemeinschaft vertraglich ausgeschlossen. Dennoch will die Kommission 750 Mrd. EUR aufnehmen. 500 Mrd. sollen als nicht rückzahlbare Zuschüsse an stark pandemiegeschädigte Staaten fliessen. Nebst einer gigantischen Umverteilung wird damit der Einführung einer Schuldenunion der Weg geebnet. Deutschland trägt einmal mehr die Hauptlast. Die EZB…

… häufen sich in Krisen?

…kauft Anleihen ohne sich an die selbst auferlegten Regeln zu halten (max. 33% einer Emission und max. 33% pro Emittent). Auch das FED monetisiert mit seinen Anleihen-käufen faktisch die Staatsschulden. In der Schweiz verfügt das Parlament Mietzinserlasse für Geschäfte von willkürlichen 60%, was ein unglaublicher Eingriff in die privaten Eigentumsrechte darstellt. Überdies soll die Schuldenbremse für die Corona-Schulden nicht gelten. Der Zweck heiligt offenbar die Mittel, aber wo bleibt die Rechtssicherheit?

Wirtschaft

Der partielle Lockdown hinterlässt deutliche Spuren in der Weltwirtschaft. So fielen die Industrieaufträge in Deutschland im April um 36% gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Schweizer Wirtschaft schrumpfte im 1. Quartal um 2.6% im Vergleich zum Vorquartal. Die Rückkehr zur Normalität verläuft langsam, aber sie läuft. Die gigantischen staatlichen Hilfspakete werden ihre strohfeuerähnliche Wirkung in der zweiten Jahreshälfte und 2021 entfalten. Die strukturelle Arbeitslosigkeit wird trotz staatlicher Hilfen leider ansteigen.

Obligationen / Zinsen

Die US-Notenbank kaufte in drei Monaten für 1.6 Bio. USD Staatsanleihen. Die Ankündigung, dass erstmals Unternehmensanleihen gekauft werden sollen, hat zudem die Kreditmärkte beruhigt. Unternehmen konnten von Januar bis Mai für rund 1 Bio. USD Anleihen emittieren, welche vom Markt problemlos absorbiert wurden. Dieses Volumen ist rund doppelt so hoch wie im Vorjahr. Dabei hat das FED mit den Käufen von Unternehmensanleihen noch gar nicht begon-nen. Der Ankündigungseffekt hat seinen Zweck erfüllt.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht das Volumen für ihr Pandemie-Notfall-Kaufprogramm PEPP um 600 Mrd. EUR auf 1’350 Mrd. EUR. Das Programm wird verlängert bis mindestens Juni 2021. Die EZB erwartet dabei eine Teuerung für 2020 von 0.3% und für 2021 von 0.8%. In Deutschland hilft die Regierung mit 130 Mrd. EUR zusätzlich (u.a. mit einer befristeten Senkung der Mehrwertsteuer von 19% auf 16%). Wir erwarten aufgrund dieser rigorosen Massnahmen mittelfristig eine deutlich höhere Inflation.

Aktien

Die weltweiten Aktienmärkte stiegen im Mai und anfangs Juni deutlich. Der US-Aktienmarkt konnte seine Verluste seit anfangs Jahr gar aufholen. Die milliardenschweren geld- und fiskalpolitischen Massnahmen trugen massgeblich zur Erholung bei. Die Realwirtschaft lässt sich jedoch nicht so rasch wieder zum Laufen bringen. Kurzfristig sind damit unseres Erachtens die Aktienmärkte zu schnell, zu weit gelaufen. Eine Konsolidierung ist auch im Hinblick auf die Firmenresultate des zweiten Quartals zu erwarten.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Asset-Allocation unverändert. Nach dem starken Anstieg der Aktien empfehlen wir jedoch eine leichte Reduktion der Positionen auf die vorgesehenen Quoten (Rebalancing). Damit bleibt der Aktienanteil auf einem leichten Untergewicht. Dies erscheint uns nach den deutlichen Kursavancen und den anhaltenden Unsicherheiten über den Pandemieverlauf gerechtfertigt. Obligationen bleiben im Hinblick auf die mageren Renditeaussichten untergewichtet. Gold bleibt als Stabilisator übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: Mai 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Bei den politischen Entscheidungsträgern wächst die Einsicht, dass die Stilllegung der Wirtschaft einem Overkill gleichkommt. Gleichzeitig ist der Respekt vor der zweiten Ansteckungswelle gross. Schrittweise Lockerungen, verbunden mit Warnungen, dass beim Hochschnellen der Ansteckungsraten die Schraube wieder angezogen werden muss, entsprechen einem pragmatischen Vorgehen. Donald Trump versucht seine Wiederwahl zu retten, indem er China zum Sündenbock stempelt und mit neuen Strafzöllen droht.

Währungen

Schweizer Franken, Yen und US-Dollar haben sich im laufenden Jahr einmal mehr als sichere Häfen etabliert. Die Schweizerische Nationalbank versucht die Aufwertung des Frankens mit Interventionen am Devisenmarkt zu bremsen. Vor der Finanzkrise 2008 betrug die Bilanz der SNB 100 Mrd. CHF, mittlerweile liegt dieser Wert bei 900 Mrd. CHF und übersteigt damit das Bruttoinlandprodukt deutlich. Der Aufwertungsdruck bleibt im Zuge der gesunden Staatsfinanzen und der gesunkenen Zinsdifferenzen bestehen.

Jetzt wird alles anders…

Etliche Kommentatoren rufen einen Epochenwechsel oder eine Zeitenwende nach der Corona-Krise aus. Nichts soll wieder so sein wie vorher. Soziologen attestieren jedoch der Gesellschaft ein hohes Beharrungsvermögen. Das Ende der Globalisierung und des Kapitalismus sind damit nicht zu erwarten. Dagegen dürften sich Trends, welche schon vor der Corona-Krise bestanden haben verstärken. Das Verhältnis zwischen den USA und China war und bleibt angespannt. Die Digitalisierung wird sich durch die…

… oder doch nicht?

…positiven Erfahrungen (z.B. Homeoffice, E-Commerce, Contact-Tracing) beschleunigen. Innerhalb der EU kommen die Spannungen zwischen Nord und Süd wieder zum vorschein (Corona- oder Eurobonds). Sogar der Kampf gegen den Klimawandel wird uns erhalten bleiben, gibt es doch Thesen, dass dieser die Wahrscheinlichkeit von Pandemien erhöht. Es ist somit eher von der Kontinuität bestehender Konflikte und Krisen auszugehen als dass die Welt in eine neue Epoche aufbricht. Durchwursteln bleibt Programm.

Wirtschaft

In der Schweiz prognostiziert das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO für 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts um 6.7%. Der Einbruch ist massiv und wird vor allem das zweite Quartal stark prägen. Entscheidend wird sein, wie schnell die Motoren wieder zum laufen gebracht werden können. Social Distancing bleibt und streut dabei Sand ins Getriebe. Die Menschen wollen jedoch wieder Arbeiten, Konsumieren und ihre Freiheit zurück. Der Aufschwung kommt schneller als die Pessimisten erwarten.

Obligationen / Zinsen

Höherverzinsliche Anleihen haben sich im April zögerlich erholt. Die laufend nach unten revidierten Wirtschaftsprognosen hätten eine gegenteilige Reaktion erwarten lassen. Die Tatsache, dass allein die US-Notenbank Unternehmenskreditfazilitäten in Billionenhöhe zur Verfügung stellte, wirkte stabilisierend. Damit ist jedoch die faire Preisbildung durch den Markt verzerrt. Wie gross die effektiven Stützungskäufe sein werden, wird sich zeigen. Bereits die Ankündigung dieser Programme wirkte beruhigend.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die Jahresteuerung ist in der Schweiz im April auf -1.1% gefallen und auch in Deutschland lag die Inflationsrate bei tiefen 0.8%. Die Corona-Krise wirkt damit kurzfristig deflationär. Mittelfristig dürfte die Inflation jedoch steigen. Eine höhere gesamtwirtschaftliche Nachfrage wird auf eine mit höheren Kosten kämpfende Angebotsstruktur treffen (Hygieneschutzmassnahmen kosten Produktivität). Als Damoklesschwert für eine stark ansteigende Inflation figurieren die enormen Ausweitungen der Geldmengen.

Aktien

Im April konnten sich die weltweiten Aktienmärkte erholen. Die enormen staatlichen Hilfspakete wirkten dabei stützend. Auch die langsame Normalisierung in China weckte Hoffnungen. Dividendenkürzungen zum Schutz der Firmenliquidität wurden teilweise gar positiv aufgenommen. 2020 wird punkto Gewinnentwicklung (USA -30% bis -40%) ein Desaster und hemmt das kurzfristige Kurspotential. Zukäufe sollten demnach nur an schwachen Börsentagen getätigt werden. Der Blick ins 2021 wird zunehmend wichtiger.

Asset Allocation

Wir nehmen keine Änderungen in unserer Asset-Allocation vor. In Anbetracht der Unsicherheiten über den weiteren Pandemieverlauf bleiben wir bei den Aktien leicht untergewichtet. Investitionen in Trends wie Gesundheit, Sicherheit oder Technologie gewinnen jedoch an Bedeutung. Bei den Obligationen bleiben wir untergewichtet. Wir erachten das Chancen/Risikoverhältnis, in Anbetracht der Marktverzerrung, nach wie vor als ungenügend. Gold ist in Zeiten der offenen Geldschleusen attraktiv und bleibt übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: April 2020

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die politischen Behörden haben weltweit Massnahmen ergriffen, welche einen Grossteil der Wirtschaft ins künstliche Koma versetzten. China rühmt sich als vorbildlicher Krisenmanager, dabei versuchte Peking die Existenz des Virus am Anfang zu vertuschen. Die USA reagierten ihrerseits zu spät, Donald Trump unterschätzte die Gefahr. Die UNO hat es bis vor kurzem nicht geschafft, die Corona-Krise auf die Agenda zu setzen. Der Sicherheitsrat wird von den Chinesen präsidiert. Es fehlt an guter Kooperation.

Währungen

Der US-Dollar wurde als Leitwährung unter Stress gesetzt. Liquiditätsengpässe am US-Dollarfinanzierungsmarkt führten zu heftigen Kursausschlägen. Die US-Notenbank stellte daraufhin anderen Zentralbanken Swap (Tausch)-Arrangements zur Verfügung, wonach andere Währungen in USD gewechselt werden können. Zusätzlich wird eine neue Repo-Fazilität zur Verfügung gestellt, wo ausländische Notenbanken der FED US-Staatsanleihen gegen USD verkaufen können. Da zeigt die FED Führungsstärke.

Exit…

Für die Schweiz werden die Kosten für den momentanen Lockdown auf CHF 15 Mrd. pro Monat geschätzt. Die griffigen Abfederungsmassnahmen des Bundes mit Kurzarbeit, Überbrückungskrediten und Rechtsstillstand für Konkursverfahren verhindern einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit und eine Pleitewelle im Firmenbereich effizient. Vor allem Kleinstbetriebe verfügen über wenig Reserven, Existenzen sind gefährdet. In der Diskussion um die beste Eindämmungsstrategie des Corona Virus reicht das Spektrum…

… oder Exitus?

…von einer kontrollierten Durchseuchung (zwecks Steigerung der Immunität) bis zu einer länger andauernden rigiden Abschottung. Wir halten einen pragmatischen Mittelweg für die schrittweise Wiederbelebung des wirtschaftlichen- und gesellschaftlichen Lebens für vernünftig. Der maximale Gesundheitsschutz würde die Wirtschaft zum Patienten machen, welcher bald auf der Intensivstation landen würde. Das Fazit „Operation gelungen, Patient (Wirtschaft) gestorben“ wäre dann der wahre Super Gau der jetzigen Krise.

Wirtschaft

In den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosengeld um rund 10 Mio. gestiegen. Der höchste Wert wurde bisher im Oktober 1982 mit knapp 700’000 Anträgen gemessen. Wie stark die Weltwirtschaft leiden wird ist sehr schwierig abzuschätzen, ein Rückgang des globalen Bruttoinlandprodukts um 1% – 2% ist möglich. 2008 schrumpfte die Weltwirtschaft um 1.7%. Die Hoffnungen ruhen auf China, welches rund ein Quartal Vorsprung im Pandemiezyklus aufweist. In der Schweiz könnte das BIP um 3% bis 4% einbrechen.

Obligationen / Zinsen

Die staatlich erzwungene Bremswirkung auf die Wirtschaftsentwicklung setzte Unternehmensanleihen und Emerging Markets Obligationen unter Druck. Die gestiegenen Ausfallwahrscheinlichkeiten führten zu höheren Risikoprämien, Anleger verlangen demnach für riskantere Papiere schlagartig eine höhere Rendite. Diese Entwicklung bereitet uns in Anbetracht der generell hohen Schuldenstände (Staaten und Unternehmen) Sorgen. Die lockere Geldpolitik schuf über Jahre falsche Anreize für Schuldner und Gläubiger.

Monitäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank hat die Leitzinsen weiter gesenkt, die Spanne liegt nun bei 0% bis 0.25%. Gleichzeitig hat sich die Bilanz der Notenbank von USD 4.3 Billionen auf USD 5.8 Billionen ausgeweitet. Käufe von Staatsanleihen und hypothekarbesicherten Wertpapieren sowie die Vergabe von Corona-Notfallkrediten führten zu dieser im Ausmass nie dagewesenen Ausdehnung. Auch die EZB erklärt sich bereit im Rahmen des Pandemie Emergency Purchase Programms für EUR 750 Mrd. Anleihen zu kaufen.

Aktien

Der März war ein schwarzer Monat für die weltweiten Aktienmärkte. Der Schweizer Aktienmarkt kam dank der hohen Gewichtung der defensiven Sektoren Pharma und Nahrungsmittel vergleichsweise glimpflich weg. Kleinere und mittlere Gesellschaften verloren weltweit überdurchschnittlich an Wert, sind sie doch sowohl produktemässig wie geographisch weniger gut diversifiziert. Wir erwarten weiterhin starke Schwankungen. Tradingorientierte Anleger können diese durch antizyklisches Handeln nutzen.

Asset Allocation

Wir belassen die aktuelle Asset Allocation unverändert. Dies bedeutet ein leichtes Untergewicht bei Aktien, ein Untergewicht bei Obligationen und ein Übergewicht beim Gold. Die Ausschläge an den Aktienmärkten sind nach wie vor hoch, was die starke Unsicherheit der Anleger widerspiegelt. Zukäufe von Aktienpositionen bei Rückschlägen sind sinnvoll, um die strategischen Gewichte wieder ins Lot zu bringen. Trotz des nervenaufreibenden Umfeldes sollten emotionale Anlageentscheide vermieden werden.

Coronavirus setzt Aktienmärkten zu

Die Ausbreitung des Corona-Virus veranlasst die Behörden weltweit zu immer drastischeren Massnahmen. Das durch Präsident Trump verhängte Einreiseverbot für Bürger aus dem Schengen Raum bis Ende April, versetzte die Aktienmärkte vollends in Panik. Fontaris erklärt, was Anleger nun tun sollten.

Die gestrigen Tagesverluste an den Aktienmärkten gehörten zu den historisch grössten Tageseinbrüchen. Je nach Index liegen die wichtigsten Barometer rund 20% – 30% unter dem Stand von Anfang 2020 und löschten die Performance der letzten drei bis vier Jahre aus.

Gemäss Aussagen des Bundesamts für Gesundheit könnte es Mai werden, bis sich eine Trendwende bei den Ansteckungsraten abzeichnet. Diese Schätzung stützt sich auf die Beobachtungen über den Verlauf in China. Italien ist nach wie vor der Hot-Spot der Epidemie in Europa. Offiziell leben in Italien rund 320‘0000 Chinesen, welche in Norditalien Kleider, Taschen und Schuhe zu günstigen Preisen produzieren. Leider hat Italien Ende Januar nur die direkten Flugverbindungen nach China unterbrochen, jedoch nicht die Einreise durch Umsteigeflüge verhindert. Dies dürfte die Erklärung für die auffällig hohen Erkrankungen in unserem südlichen Nachbarland sein.

Was ist aus Anlegersicht zu tun? Eine kurzfristige rasche Erholung ist in Anbetracht der Zeitachse, welche sich durch den Verlauf der Pandemie ergibt, nicht zu erwarten. Die wirtschaftlichen Schäden sind enorm und werden zu etlichen Firmenkonkursen und Verwerfungen an den Kreditmärkten führen. Man muss sich deshalb bewusst sein, dass Zukäufe im Aktienbereich, welche heute getätigt werden Geduld erfordern, bis sich ein Erfolg einstellt. Zur Liquidität sollte grundsätzlich nach wie vor Sorge getragen werden. Die Verluste auf den in den Portfolios gehaltenen Positionen tun weh. Es gilt aber zu beachten, dass es sich um Buchverluste handelt. Diese können sich beim Abebben der Krise auch wieder rasch verkleinern.

Fazit: Von Panikverkäufen raten wir ab, da es erfahrungsgemäss schwierig wird, die realisierten Verluste wieder aufzuholen. Ein Wiedereinstieg zum richtigen Zeitpunkt gelingt selten. Positionen sollten deshalb gehalten werden. Zukäufe erfordern andererseits Geduld und starke Nerven, da kurzfristig kaum mit raschen Erfolgen zu rechnen ist. ETF’s oder qualitativ gute Blue Chips (z.B. Schweizer Pharmawerte) eignen sich für Zukäufe am besten.

Corona-Virus

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen. Heute im Fokus: die Auswirkungen des Corona-Virus.

Die Verbreitung des neuartigen Corona-Virus und die Massnahmen der Behörden zu dessen Eindämmung lösten an den Aktienmärkten Panik aus. Dies führte zu hohen Kursverlusten in sehr kurzer Zeit. Der Swiss Market Index verlor beispielsweise 11.5 %.

Während die Ansteckungsraten in China rückläufig tendieren, breitet sich das Virus in der restlichen Welt rasch aus. In Europa ist dies vor allem in Norditalien der Fall. In China ist die Sterberate innerhalb eines Monats von 2.2 % auf 3.5 % angestiegen. Allerdings sterben vor allem ältere Menschen, welche vorbelastet sind. In China sind die schlechte Luftqualität und die hohe Anzahl von Rauchern verantwortlich für Lungenerkrankungen. Bei Menschen ohne Vorbelastung, welche unter 40 Jahre alt sind, liegt die Sterberate praktisch bei 0 %.

Die Globalisierung führte dazu, dass Produkte oder Teile davon dort hergestellt werden, wo diese am günstigsten produziert werden können. Dies führt zu starken Abhängigkeiten. Die USA importieren rund 20 % der benötigten elektronischen Komponenten aus China. Massnahmen, wie Fabrikschliessungen und Quarantänen, können diese Lieferketten stören. Die aktuelle Situation wird den Skeptikern der Globalisierung und den Protektionisten Auftrieb verleihen.

Was heisst das nun für die Finanzmärkte? Die Aktienmärkte wurden definitiv auf dem falschen Fuss erwischt. Ein derartiger externer Schock, welcher COVID-19 darstellt, war nicht auf dem Radar. Im Februar wurden zudem noch neue Allzeithöchststände erzielt, was erklärt, warum die Korrekturen so rasch und so heftig ausgefallen sind. Die Rückschläge implizieren einen Gewinnrückgang der Unternehmen in den USA und in Europa von 10 % bis 15 % und in China von 20 % bis 25 %. Auf der geldpolitischen Seite wird in den USA bereits mit vier Zinssenkungen gerechnet. Dies dürfte die Märkte etwas beruhigen, auch wenn es realwirtschaftlich keine grosse Wirkung entfalten wird. Die Aktienmärkte werden volatil bleiben. Anleger sollten sich aber nicht zu hektischen Aktivitäten verleiten lassen.

Fazit: Wir haben die Aktienquoten im Januar reduziert und verfügen über relativ hohe Liquiditätsquoten in unseren Portfolios. Wir verzichten daher auf einen weiteren Abbau von Aktien. Allerdings erachten wir es als zu früh, die Quoten bereits wieder zu erhöhen, weil die Angst das Marktgeschehen bestimmt und der weitere Verlauf der Virus-Krise und die daraus folgenden wirtschaftlichen Schäden nicht prognostiziert werden können. Es gilt somit das Pulver am Trockenen zu halten. Ein teilweises Rebalancing (die Aktienquoten sind durch die Korrektur von selbst gesunken) erachten wir jedoch als sinnvoll. Qualitätstitel wie Novartis, Swisscom, Swiss Re oder LafargeHolcim können an schwachen Börsentagen in homöopathischen Dosen gekauft werden.

Unsere Sicht der Dinge: Dezember 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

Politik

Die Wahlen in England werden zeigen, ob der Brexit nun doch vollzogen werden kann. Sollten die Tories die Wahlen gewinnen, wird Boris Johnson England per Ende Januar 2020 aus der EU führen. Ein umfassendes Freihandelsabkommen würde dann das Verhältnis zur EU regeln. Im Handelsstreit zwischen den USA und China lässt ein Teilabkommen weiter auf sich warten. Dass die USA die Demonstranten in Hongkong explizit unterstützen hilft nicht. Der Machtkampf der beiden Grossmächte bleibt uns erhalten.

Währungen

Kurzfristig spannend bleibt die Entwicklung des englischen Pfunds. Laut jüngsten Umfragen führt die Partei von Boris Johnson mit 43% Wähleranteil deutlich vor Labour mit 33%. Sollten sich die Umfragen bewahrheiten, würde dies dem Pfund weitere Unterstützung bieten. Ansonsten hat sich die Volatilität an den Devisenmärkten weiter zurückgebildet. Strukturell bleibt der Schweizer Franken eine relativ starke Währung (EZB bleibt ultraexpansiv), was unsere Notenbank auch weiterhin zwingt, den schwachen Euro zu stützen.

Immobilien

Eine Studie der Zürcher Kantonalbank zeigt auf, dass sich in der Schweiz nur noch 20% der Mieterhaushalte aufgrund ihres Einkommens für eine Hypothek qualifizieren. Vor zwanzig Jahren waren es noch 50%. Nimmt man das erforderliche Eigenkapital als Massstab, sind es nur 10%. Mietwohnungen lassen sich infolge des Anlagenotstandes institutioneller Anleger besser verkaufen als Stockwerkeigentum. Nebst den tiefen Zinsen wirkt damit auch das knappe Angebot an neuen Eigentumswohnungen preistreibend.

Wirtschaft

Obwohl sich die Frühindikatoren für die Industrie weltweit auf tiefem Niveau stabilisieren, ist noch kein Aufschwung in Sicht. Für einmal vermochten die Umfragen in Europa und China die Erwartungen zu übertreffen, während die Daten in den USA enttäuschend ausfielen. In Deutschland belastet der Umbruch in der Automobilindustrie. Der angekündigte Personalabbau in diesem wichtigen Industriezweig beträgt für 2019 kumuliert rund 50’000 Stellen. Das sind 6% der in der Autoindustrie beschäftigten Personen.

Obligationen / Zinsen

Die Obligationenrenditen haben sich von ihren Tiefstständen im August etwas nach oben bewegt. Die US-Notenbank wird die Zinsen vorderhand nicht weiter senken, konnten doch im November 266’000 neue Stellen geschaffen werden, was dem höchsten Wert seit Januar entspricht. Zudem ist die Arbeitslosenquote in den USA auf 3.5% gefallen. Das moderate Wachstum der Weltwirtschaft sowie der ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China verhindern jedoch einen weiteren deutlichen Zinsanstieg.

Gold

Die jüngsten politischen Entspannungen beim Brexit und dem Handelskonflikt USA – China sowie der Zinsanstieg der Kapitalmarktrenditen aufgrund der Stabilisierung der zyklischen Frühindikatoren setzten den Goldpreis etwas unter Druck. Die anhaltend expansive Geldpolitik der Notenbanken sowie die nach wie vor tiefen oder gar negativen Realzinsen dürften dem Goldpreis nächstes Jahr wieder Auftrieb geben. Die tiefe Korrelation des Goldpreises mit den Aktienmärkten beeinflusst das Portfoliorisiko positiv.

Monetäres Umfeld / Inflation

In der Schweiz liegt die Teuerung mit -0.1% seit zwei Monaten wieder im negativen Bereich. Dies gäbe der Schweizerischen Nationalbank die Möglichkeit, die Zinsen weiter zu senken. Der Unmut der Sparer wächst jedoch zunehmend, weshalb wir erwarten, dass die SNB am Status Quo nichts ändern wird. Derweil sinnieren Notenbanker in den USA und Europa, ob sie sich nicht auch noch um Umverteilungspolitik und Klimawandel kümmern sollten. Die Machtausweitung der grossen Notenbanken ist beunruhigend.

Aktien

Die weltweiten Aktienmärkte konnten sich auch im November positiv in Szene setzen. Die absoluten Bewertungen sind im historischen Vergleich recht hoch. Betrachtet man jedoch die relative Bewertung zu den Obligationen, sieht diese vernünftig aus. Aktien bleiben damit attraktiv, solange die Zinsen tief bleiben. In der Schweiz werden den Bankkunden vermehrt Negativzinsen auf Konten belastet, was den Druck erhöht, das Geld zu investieren. Obwohl die Luft dünner wird, kommt man an Aktienanlagen nicht vorbei.

Asset Allocation

Die aktuellen Quoten der verschiedenen Anlageklassen bleiben unverändert. Im Aktienbereich haben zurückgebliebene Value-Aktien noch Aufholpotenzial. Um allfällige Rückschläge etwas zu dämpfen, können auch Produkte mit tieferer Volatilität (Low Volatility) zielführend sein. Generell gilt für die Asset Allocation, dass Realwerte (Aktien, Gold, teilweise Immobilien) den Nominalwerten (Obligationen, Liquidität) aufgrund der geldpolitischen Experimente der Notenbanken überzugewichten sind.