UNSERE SICHT DER DINGE: DEZEMBER 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Am Rande des G20-Gipfels in Buenos Aires vereinbarten die USA und China eine 90-tägige Verhandlungsfrist zur Lösung des Handelsstreits. Damit gewinnt man etwas Zeit, ohne das Problem wirklich zu lösen. Immerhin wurde am G20-Gipfel beschlossen, die Welthandelsorganisation WTO zu reformieren. Vielleicht ebnet dies den Weg, die Streitschlichtung wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Für die Finanzmärkte bleiben die handelspolitischen Querelen kurzfristig als unbequemer Unsicherheitsfaktor bestehen.

Währungen

Trotz eines allfälligen Marschhalts bei der Normalisierung der US-Zinsen behauptet sich der US-Dollar relativ gut. Der EURO wird durch die aktuell enttäuschenden Konjunkturdaten und die strukturellen Probleme der Eurozone (z.B. Italien) belastet. In Frankreich beunruhigt die Bewegung der Gilets jaunes. Es zeigt, dass es für Präsident Macron schwierig wird, seine Politik durchzusetzen. Die Parteien am linken und rechten Rand wetzen bereits die Messer. Der Euro wird dadurch tendenziell geschwächt.

Globale Verschuldung…

Die globale Verschuldung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, beträgt rund 320%, diese sind über 20% mehr als vor der Finanzkrise. Die Geldpolitik der Notenbanken, welche die Märkte mit billigem Geld überschwemmten, setzten falsche Anreize. Bei den Unternehmensanleihen mit einem BBB-Rating (knapp vor Ramschpapieren) hat sich das Volumen von USD 770 Mrd. 2009 bis heute auf rund USD 2’450 Mrd. erhöht – dies grösstenteils durch Neuemissionen und Herabstufungen. In einer Phase, in der sich das…

…spricht für Gold

…Wirtschaftswachstum verlangsamt, erhöhen sich die Risikoaufschläge für solche Schuldpapiere. Sichere Staatsobligationen werden dann gesucht. Wir halten damit an unserer Empfehlung für qualitativ gute USD-Anleihen im mittleren Laufzeitenbereich fest. Die Zinsentspannung bei den US-Regierungsanleihen gaben dem Goldpreis jüngst eine gewisse Stütze. Sollten sich durch die hohe globale Verschuldung Probleme auf den Kreditmärkten einstellen, wird Gold als Krisenwährung wieder an Glanz gewinnen.

Wirtschaft

In der Schweiz ist das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal unerwartet um 0.2% geschrumpft (Warenexporte -4.2%, Ausrüstungsinvestitionen -2.0%). Auch Deutschland (-0.2%) und Japan (-0.3%) mussten im dritten Quartal Rückschläge beim BIP-Wachstum hinnehmen. In Deutschland hat der Rückgang der Automobilproduktion belastet und in Japan waren es Naturkatastrophen. Generell werden wir uns 2019 weltweit an tiefere Wachstumsraten gewöhnen müssen.

Obligationen / Zinsen

Die veränderte Tonalität der US-Notenbank führte zu einem Rückgang der Renditen bei Staatsanleihen. Zehnjährige US-Treasuries rentieren wieder unter 3%. Dagegen mussten Anleihen mit schlechterem Rating, z.B. BBB, deutliche Kursrückschläge gewärtigen. Dieser Trend dürfte sich im Zuge der zu erwartenden wirtschaftlichen Eintrübung fortsetzen. Falls die EZB Ende Jahr den Kauf von Unternehmens- und anderen Anleihen einstellt, wird dies die Finanzierungsbedingungen auch in Europa verteuern.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die jüngsten Abwärtsrevisionen des Weltwirtschaftswachstums durch die OECD, die Turbulenzen an den Aktienmärkten sowie die Dauerkritik von Donald Trump, veranlassten den Chef der US-Notenbank zur Ankündigung, künftig weniger Zinserhöhungen vorzunehmen. Damit nutzt die US-Notenbank in verbaler Form die Möglichkeit, die Märkte etwas zu beruhigen. In der Schweiz fiel die Inflationsrate im November auf 0.9 Prozentpunkte. Der starke Rückgang der Erdölpreise dämpft die Inflationserwartungen generell.

Aktien

Die Aktienmärkte vermochten sich im November etwas zu stabilisieren, eine Rallye zum Jahresende blieb bisher jedoch aus. Die Reaktion nach dem G20-Gipfel war nur ein Strohfeuer. Bei den Schweizer Aktien wurden konjunktursensitive Aktien in defensive Werte umgeschichtet. Diese dienen mangels Alternativen als Obligationenersatz. Anleger vertrauen auf deren stabile Gewinne und Dividendenrenditen. Trotz der erhöhten Volatilität an den weltweiten Aktienmärkten gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Asset Allocation

Innerhalb des Aktienbereichs reduzieren wir die starke Übergewichtung bei den Trends und kaufen eine kleine Position in den Emerging Markets zurück. Diese haben 2018 überdurchschnittlich stark korrigiert. In China werden für 2019 Steuersenkungen für Unternehmen und Haushalte erwartet, welche rund 1.5% des BIP ausmachen dürften. Mangels Alternativen bleiben wir bei den Aktien trotz hoher Volatilität leicht übergewichtet. Selektiv können stark gefallene Einzeltitel guter Firmen hinzugekauft werden.

Unsere Sicht der Dinge: November 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die Zwischenwahlen in den USA führten zu einem Umschwung im Repräsentantenhaus, wo nun die Demokraten die Mehrheit haben. Der Senat bleibt in republikanischer Hand. Donald Trump wird mit dieser Ausgangslage etwas zurückgebunden. Für die Finanzmärkte wird kurzfristig die Entwicklung des Verhältnisses der USA zu China von Bedeutung sein. In Deutschland hat die Nachfolgeregelung bei der CDU Einfluss auf ihren zukünftigen Erfolg. Eine Kontrastfigur zu Angela Merkel ist unumgänglich.

Währungen

Der US-Dollar konnte sich von seiner Schwäche im September deutlich erholen. Im Protokoll des Offenmarktausschusses der US-Notenbank wurden im Hinblick auf die aktuelle robuste Wirtschaftsentwicklung für 2019 drei Zinsschritte in Aussicht gestellt. Dies gibt dem USD vorderhand eine Stütze. Nebst dem Budgetstreit mit Italien sprechen auch Schwächezeichen in der deutschen Wirtschaft nicht für eine Erstarkung des Euro. Wir bevorzugen deshalb nach wie vor den USD gegenüber dem EUR.

Wirtschaft

Die Weltwirtschaft wächst aktuell weniger synchron als dies noch Anfang des Jahres der Fall war. In den USA betrug das Wachstum im dritten Quartal 3.5%, in der Eurozone betrug der Zuwachs noch 1.7%. In China liegt die Wachstumsrate zwar noch bei 6.5%, dies ist jedoch der tiefste Wert seit der Finanzkrise 2009. Der Trend bei den Frühindikatoren zeigt nach wie vor ein positives Niveau, Abschwächungstendenzen sind jedoch trotzdem klar zu erkennen. Die weltweiten Aktienmärkte antizipieren dies bereits.

Obligationen/Zinsen

Obligationen profitierten in den letzten Wochen von der Korrektur an den Aktienmärkten. In Europa sind die Zinsen am langen Ende unverändert geblieben oder gar leicht gesunken, währenddem sie in den USA weiter gestiegen sind. Sollte die EZB Ende Jahr die Anleihenkäufe stoppen, ist mit einem leichten Anstieg der Kapitalmarktzinsen in der Eurozone zu rechnen. Ungemütlich bleibt der hohe Zinsaufschlag italienischer Staatsanleihen. Wir erachten einzig solide USD-Obligationen mittlerer Laufzeiten als attraktiv.

Gold

Die erhöhte Volatilität an den Aktienmärkten hat den Goldpreis zumindest aufgeweckt. Im Oktober konnte in CHF gerechnet eine deutlich positive Performance erzielt werden. Sollten die Realzinsen in den USA weiter steigen, wird dies den Aufwärtsdrang des Goldpreises wieder dämpfen. Immerhin hat das Gold im Oktober seine Funktion als Krisenwährung erfüllt und im Portfoliokontext zur Stabilisierung beigetragen. Wir empfehlen physische Goldpositionen im Sinne einer Krisenversicherung zu halten.

Monetäres Umfeld/Inflation

Die Inflation bleibt sowohl in den USA als auch im Euroraum unter Kontrolle. Die EZB hat ihr Anleihenkaufprogramm von 30 Mrd. EUR pro Monat auf 15 Mrd. EUR pro Monat zurückgefahren und gedenkt, dieses per Jahresende ganz zu stoppen. In Anbetracht der schwächelnden Konjunktur in der Eurozone ist jedoch auch dies nicht in Stein gemeisselt. In der Schweiz beträgt die aktuelle Inflationsrate immerhin 1.1%. Damit findet die leidige Vermögensumverteilung von den Sparern zu den Schuldnern ihren Fortgang.

Aktieninvestoren…

Der Oktober hat seinem Ruf als gefährlichem Aktienmonat wieder einmal alle Ehre erwiesen. Zyklische Werte wie die Halbleiterindustrie brachen teilweise regelrecht ein. Die Unsicherheit, ob sich die USA und China im Handelsstreit einigen können, führte zu einer Verlangsamung der Investitionen. Die publizierten Drittquartalszahlen übertrafen zwar in den USA mehrheitlich die Erwartungen, doch äusserten sich viele Firmen vorsichtig über die Zukunft. Diese Unsicherheiten führten zu einer Branchenrotation…

…brauchen starke Nerven

…hin zu defensiveren Aktien der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie. Nach den Zwischenwahlen in den USA und dem Auslaufen der Bilanzpublikationen erwarten wir eine Beruhigung an den Aktienmärkten. Als Katalysator einer Kurserholung könnten sich Fortschritte im Handelsstreit zwischen den USA und China erweisen. Donald Trump hat diesbezüglich bereits positive Signale von sich gegeben. Wir empfehlen selektive Zukäufe bei stark unter die Räder geratenen Schweizer Qualitätsaktien.

Asset Allocation

Im Aktienbereich erhöhen wir die Quote bei den Schweizer Aktien von einem leichten Untergewicht auf neutral. Wir erwarten, dass sich die Aktienmärkte nach den starken Oktoberturbulenzen wieder etwas erholen werden. Saisonale Effekte sowie die Unsicherheit betreffend der Zwischenwahlen in den USA sowie eine von uns erwartete Annäherung zwischen China und den USA stimmen uns etwas zuversichtlicher. Insgesamt sind wir nun bei Aktien leicht übergewichtet. Obligationen bleiben untergewichtet.