Unsere Sicht der Dinge: September 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik
Das gegenseitige Hochschaukeln der Strafzölle im Handelskonflikt zwischen den USA und China verunsichert die Entscheidungsträger in der Wirtschaft. Auch wenn verbal der Fuss wieder vom Gaspedal genommen wird, wirkt sich diese Unsicherheit dämpfend auf die momentane globale Wirtschaftsentwicklung aus. In England wollte Boris Johnson den Brexit mit der Brechstange vollenden. Er ist bereits gescheitert. In der Schweiz stehen im Oktober Wahlen an, ein klimabedingter Linksrutsch ist absehbar.

Währungen
Kurzfristig wird die Währungsentwicklung von den Massnahmen der Notenbanken im Zinsbereich abhängen. Die Gewissheit steigt, dass die Zentralbanken primär die Schwächung der eigenen Währung im Auge haben, um die relative Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportindustrien zu verbessern. Da alle die gleiche expansive Geldpolitik verfolgen, werden sich bei den Hauptwährungen kaum grössere Verschiebungen einstellen. Einzig das britische Pfund wird durch die chaotische Politik stärkeren Schwankungen unterliegen.

Hongkong…
Im Jahr 2047 läuft der Sonderstatus Hongkongs aus. Spätestens dann wird Peking endgültig das Sagen haben. Solange die Hongkonger Geschäfte erfolgreich laufen und sich die Bevölkerung nicht um Politik kümmerte, wurde die Stadt von den Machthabern in Peking in Ruhe gelassen. Eine richtige Demokratie wurde in Hongkong nie installiert. Sowohl der Chef der Sonderverwaltungszone als auch die Mehrheit des Parlaments wird nicht in freien Wahlen bestimmt. Damit wird die Bezeichnung «Ein Land, zwei…

…ein Land, zwei Systeme?
…Systeme» zu Makulatur. Die jungen Demonstranten werden ihre Forderungen nicht durchsetzen können, auch wenn die Regierungschefin nun das umstrittene Ausschaffungsgesetz zurückgezogen hat. Jungen Leuten, denen die Freiheit mehr wert ist als Wohlstand, bleibt nur die Migration in ein demokratisches Land. Peking wird sich allerdings hüten, militärisch zu intervenieren, riskiert es doch, in seinen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zum Westen massiv zurückgeworfen zu werden.

Wirtschaft
In den USA ist der vielbeachtete Stimmungsindikator für die Industrie, der Einkaufsmanagerindex, erstmals seit 2016 wieder unter die 50-Punkte-Marke gefallen. Damit schlägt sich die globale Verlangsamung im verarbeitenden Sektor auch auf die USA nieder. Präsident Trump muss diese Schwäche teilweise auf seine Kappe nehmen. In Europa und der Schweiz haben sich die analogen Indikatoren jüngst auf tiefem Niveau stabilisiert. Insgesamt dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft 2019 auf 3% verlangsamen.

Obligationen / Zinsen
Die Zinsen sind im August weiter gefallen und erreichten vielerorts historische Tiefststände. Wir erachten diese Entwicklung als Übertreibung und empfehlen, selektiv Obligationenbestände abzubauen. Der jüngste Zinsrutsch impliziert unseres Erachtens ein zu negatives Bild für die zukünftige Konjunkturentwicklung. In der Schweiz weisen mittlerweile alle ausstehenden Anleihen der Eidgenossenschaft eine negative Verfallrendite auf. Eine Stabilisierung der Konjunktur würde die Renditen wieder steigen lassen.

Monetäres Umfeld / Inflation
Die US-Notenbank bezeichnete die Zinssenkung im Juli als Versicherungsschritt gegen die globale Konjunkturunsicherheit. Da sich die Lage nicht verbessert hat, ist unseres Erachtens mit zwei weiteren Zinssenkungen im laufenden Jahr zu rechnen. Auch die EZB wird den Einlagensatz für Banken um mindestens 0.1% auf -0.5% senken und das Ende 2018 gestoppte Anleihenrückkaufprogramm wieder aktivieren. Es ist nicht auszuschliessen, dass auch die Schweizerische Nationalbank die Zinsen weiter senkt.

Aktien
Die Aktienmärkte weisen im laufenden Jahr grosse Unterschiede bei der Sektorperformance auf. Zyklische Aktien wurden regelrecht abgestraft, während defensive Branchen neue Höchststände erzielten. In zyklischen Werten ist bereits viel Negatives in den Kursen enthalten und die defensiven Titel werden weiterhin als Obligationenersatz dienen. Wir empfehlen daher, Positionen in Europa und in der Schweiz auszubauen. Europäische Aktien verfügen dank der relativ günstigen Bewertung über Aufholpotenzial.

Asset Allocation
Wir erhöhen unsere Aktienquoten zulasten der Obligationen und der Liquidität. Wir sind damit in Aktien neu übergewichtet und im Obligationenbereich noch stärker untergewichtet. Die massiven Zinsrückgänge im August führen dazu, dass Aktien relativ zu Obligationen und Liquidität an Attraktivität gewonnen haben. Wir glauben, dass die Rezession, welche sich weltweit in der Industrie ausgebreitet hat, 2020 wieder verschwinden wird. Die Aktienmärkte werden darauf bereits im Vorfeld positiv reagieren.

Unsere Sicht der Dinge: August 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die jüngsten Verhandlungen im Handelspoker zwischen den USA und China enden vorerst in einer Eskalation. Präsident Trump droht mit neuen Zöllen von 10% auf chinesische Importe im Wert von USD 300 Mrd. China reagiert postwendend mit einer Abwertung ihrer Währung, dem Yuan. In der Folge bezichtigen die Amerikaner die Chinesen der Währungsmanipulation. Das Verhandlungsklima ist damit vergiftet, eine schnelle Lösung verlangt Kompromisse seitens der USA. Gefährlich ist die labile Lage in Hongkong.

Währungen

Expansive Signale der US-Notenbank sowie der EZB und die Turbulenzen rund um den Handelskonflikt haben den CHF und den YEN gestärkt. Japan und Südkorea streiten über Entschädigungen an südkoreanische Zwangsarbeiter im zweiten Weltkrieg. Japan streicht in der Folge Südkorea von der Liste vertrauenswürdiger Länder. Die koreanische Währung verlor seit anfangs Jahr rund 11% gegenüber dem Yen. Die Schweizerische Nationalbank dürfte versuchen, den CHF mit Deviseninterventionen zu schwächen.

Immobilien

Gemäss den Spezialisten von WüestPartner sind in der Schweiz die Preise für Eigentumswohnungen in den letzten zwölf Monaten um 2.8% und diejenigen für Einfamilienhäuser um 4.4% gestiegen. Dies liegt nicht zuletzt am Angebot, wird doch im Verhältnis zu den Mietwohnungen deutlich zu wenig Wohneigentum erstellt. Die Angebotsmieten sind dagegen aufgrund der hohen Produktion im Vorjahresvergleich um 1.5% gesunken. Der Leerstand an Mietwohnungen könnte sich dieses Jahr um 9’000 Einheiten erhöhen.

Wirtschaft

Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 2.1% gewachsen. Getragen wurde das Wachstum vom privaten und staatlichen Konsum, schwach präsentierten sich die Investitionen und der Aussenhandel. In Deutschland fällt der IFO-Geschäftsklimaindex auf den tiefsten Stand seit 2014. Die Schwäche verursacht v.a. der Industriesektor. Eine Ansteckung des Dienstleistungsbereichs ist bereits erfolgt. Das Bruttoinlandsprodukt wird in Deutschland 2019 mit weniger als 1% wachsen. Dies ist auch für die Schweiz negativ.

Obligationen / Zinsen

Die vorerwähnten Unsicherheiten trieben die Anleger in Staatsobligationen. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sank seit Ende Juli von 2.05% auf 1.70%. In der Schweiz (-0.9%) und in Deutschland (-0.5%) erreichten die Renditen 10-jähriger Staatsobligationen neue Rekordtiefststände. Global weisen mittlerweile Anleihen im Wert von knapp USD 14 Billionen eine negative Rendite auf. Dies entspricht einem Viertel aller ausstehenden Anleihen. Obligationen guter Qualität sind damit noch unattraktiver geworden.

Gold

Der Goldpreis hat auf die jüngsten Zinssenkungen und die Krisen im Handelsstreit sowie im Iran positiv reagiert, da sich tiefe Realzinsen positiv für das Gold auswirken. Der Realzins errechnet sich aus dem Nominalzins minus der Inflation. Da kurzfristig die nominellen Zinsen stärker gesunken sind als die Inflationserwartungen, erwarten wir weiterhin eine freundliche Stimmung im Goldmarkt. Banken verlangen vermehrt Negativzinsen auf den Konten, was Umlagerungen in physisches Gold oder ETF’s auslösen könnte.

Monetäres Umfeld / Inflation

Zum ersten Mal seit zehn Jahren senkt die US-Notenbank an ihrer Sitzung Ende Juli die Zinsen. Befürchtungen über eine Verlangsamung der US-Wirtschaft sowie ein Verharren der Kerninflation bei 1.6% waren die Begründung für den Zinsschritt von -0.25%. Die europäische Zentralbank beliess zwar die Zinsen unverändert, signalisierte jedoch eine weitere Lockerung. Im September ist mit einer Senkung des Einlagesatzes von -0.4% auf -0.5% zu rechnen. Neue Anleihenkäufe sind ebenfalls angedacht.

Aktien

Donald Trump hat mit seiner jüngsten Drohung gegenüber China eine Korrektur an den Aktienmärkten ausgelöst. Er will 2020 wiedergewählt werden und da er den Erfolg seiner Wirtschaftspolitik nicht zuletzt über steigende Aktienkurse definiert, wird er einen Deal präsentieren müssen, auch wenn dieser die Maximalforderungen der USA nicht erfüllt. Der US-Präsident erhöht mit seinen Tweets auch den Druck auf die Notenbank, die Zinsen weiter zu senken. Für uns heisst das: investiert bleiben und Nerven behalten.

Asset Allocation

Wir belassen unsere Investitionsquoten unverändert und behalten die leichte Untergewichtung der Aktienquoten vorerst bei, da die Schwächephase noch etwas andauern könnte. Sollten die Aktienmärkte jedoch weiter korrigieren, würden wir die tieferen Kurse für selektive Käufe nutzen. Die Notenbankliquidität sowie eine von uns erwartete Entspannung bei den Handelskonflikten werden die Aktienmärkte stützen. Bei den Obligationen bleiben wir infolge der tiefen Zinsen untergewichtet und im Gold übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: Juli 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Der G20-Gipfel in Osaka brachte zwar keine Lösung im Handelskonflikt zwischen den USA und China, aber immerhin eine Fortführung der Verhandlungen. In Europa wurden Ursula von der Leyen (Präsidium EU-Kommission) und Christine Lagarde (Präsidium Europäische Zentralbank) für zwei Schlüsselpositionen neu nominiert. Die Finanzierung maroder EU-Länder über die Notenpresse dürfte sich damit fortsetzen. Die Schweizerische Nationalbank wird an dieser Ausgangslage keine Freude haben.

Währungen / Gold

Die Zinsdifferenz und die relative Stärke der US-Wirtschaft gaben dem USD bis anhin eine solide Unterstützung. Die tieferen Zinsen machen es momentan unattraktiver, die US-Zwillingsdefizite zu finanzieren und werden damit den USD tendenziell belasten. Gegen einen festeren EUR spricht die neue designierte EZB-Chefin Christine Lagarde, welche sich bereits beim IWF für eine lockere Geld- und Fiskalpolitik ausgesprochen hat. Der Goldpreis und der CHF könnten unseres Erachtens die Gewinner sein.

Libra…

Facebook gründet in Genf einen Verein namens Libra. Prominente Unternehmen wie Visa, Uber und Vodafone zählen zu den Mitgliedern. Zweck ist die Lancierung einer auf der Blockchain-Technologie basierenden E-Währung. Diese wird durch einen Hartwährungskorb gesichert. Damit verfügt Libra über einen inneren Wert. Dies im Gegensatz zum Bitcoin, welcher in der Kategorie Casino anzusiedeln ist. Der Libra soll primär als Zahlungsmittel für Nutzer ohne Bankverbindung dienen. Da sich solche Nutzer vorab…

…die neue Währung

…in Schwellenländern befinden, wird er dort auf grosses Interesse stossen. Das Risiko als Mittel zur Kapitalflucht zu dienen, dürfte politische Wiederstände auslösen. Nicht erfreut sind die Banken, würden ihnen doch günstige Refinanzierungsmittel entzogen. Die Idee erscheint uns innovativ und zukunftsträchtig. Regulierungsbehörden (z.B. Datenschutz), Notenbanken und politische Instanzen werden am Schluss ausschlaggebend sein, ob der Libra in der Realität umgesetzt werden kann. Das Projekt ist spannend.

Wirtschaft

Die konjunkturellen Vorlaufindikatoren für die Weltwirtschaft präsentieren sich auch im Juni eher auf der negativen Seite. In der Schweiz lag der Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Juni bei 47.7 Punkten und verfehlte damit die Erwartungen. Zudem liegt dieser Indikator seit drei Monaten unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. In den USA wird sich das Wachstum (Q1: 3.2%) auf 2% abschwächen, was in etwa dem Potenzialwachstum entspricht. In China hinterlässt der Handelskonflikt negative Spuren.

Obligationen / Zinsen

Die 10-jährigen Staatsobligationen in den USA rentieren aktuell unter 2%. Der starke Renditerückgang kann als Indikator für eine markante Wirtschaftsabschwächung, als Vorbote für deutliche Zinssenkungen durch die Notenbank oder beides interpretiert werden. Wir sind der Meinung, dass die Zinsen zu tief gefallen sind, da sich das Wirtschaftswachstum in den USA weiterhin solide entwickeln wird, wenn auch nicht auf dem Wunschniveau von Donald Trump (3%). Wir erwarten wieder etwas höhere Zinsen.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die US-Notenbank vollzog an ihrer Juni-Sitzung eine bemerkenswerte Kehrtwende. Die FED beschreibt ihre Politik nicht mehr als „geduldig“, sondern benutzt die Formulierung „enge Überwachung“. Der Markt erwartet damit zwei bis drei Zinssenkungen bis Ende 2019. Tiefere Inflationserwartungen, anhaltende Handelskonflikte sowie schwächere Frühindikatoren sind die Begründungen der FED. Die EZB hat ebenfalls Zinssenkungen und eine Wiederausweitung der Wertpapierkäufe signalisiert.

Aktien

Die Vermeidung einer Eskalation im Handelsstreit sowie die expansiven Signale der Notenbanken beflügelten im Juni die Aktienmärkte. Die bevorstehende Berichtssaison der Firmen über die Halbjahresresultate und die Kommentare zu den Aussichten werden nun den Blick wieder mehr auf fundamentale Fakten lenken. Wir erwarten eher negative Überraschungen. In Anbetracht der starken Kursavancen empfehlen wir, die aktuelle Stärkephase zu selektiven Aktienverkäufen und Portfoliobereinigungen zu nutzen.

Asset Allocation

Die aktuellen Quoten in unserer taktischen Vermögensallokation bleiben unverändert. Dies bedeutet ein kleines Untergewicht bei den Aktien (v.a. Europa) und ein klares Untergewicht im Obligationensektor. Obwohl wir nicht von einer harten Landung der Weltwirtschaft ausgehen, haben die Aktienmärkte viel Positives antizipiert. Obligationen bleiben nach dem jüngsten Zinsrückgang unattraktiv. Gold hat jüngst deutlich zugelegt und damit auf die tieferen Zinsen reagiert. Wir bleiben im Gold übergewichtet.

Unsere Sicht der Dinge: April 2019

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG jeden Monat einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Wochen. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und deren potenzielle Folgen in den Bereichen Politik, Immobilien, Wertanlagen, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die grüne Welle rollt über Europa. Die Landtagswahlen in Bayern oder jüngst im Kanton Zürich zeitigten massive Verschiebungen Richtung grüne Parteien. Ob der Kanton Zürich nun prädestiniert ist, das Weltklima zu verbessern, darf bezweifelt werden. Die USA, China und Indien sind die grössten Klimasünder und demzufolge relevant in dieser Frage. Grüne Politik ist letztlich linke Politik und verschlechtert bei einseitigen Massnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der entsprechenden Standorte und damit den Wohlstand.

Währungen

Die im Quervergleich schlechten Wirtschaftsindikatoren in der Eurozone hatten den EUR gegenüber dem CHF unter die CHF 1.12-Marke gedrückt. Wir erwarten jedoch in der Eurozone eine wirtschaftliche Stabilisierung und damit auch im EUR. Insgesamt erwarten wir keine grossen Bewegungen an den Devisenmärkten, da die wichtigen Zentralbanken alle synchron agieren. Die Schweiz als kleiner Währungsraum hat die geldpolitische Autonomie längst verloren und hängt nach wie vor am Rockzipfel der EZB.

Immobilien

Die Finma fordert strengere Regeln bei der Hypothekargewährung für Renditeliegenschaften. Von 2008 bis 2017 sind das Bruttoinlandprodukt (BIP) nominell um 11% und die Inlandhypotheken um über 40% gestiegen. Das Hypothekarvolumen beträgt rund CHF 1000 Mrd. und liegt damit rund 45% über dem BIP. Aktuell stehen rund 72’000 Wohnungen leer. Da die Bauherrschaft oft institutionellen Anlegern obliegt, welche keine Hypotheken brauchen, werden die geforderten Massnahmen nur bedingt Wirkung zeigen.

Wirtschaft

Im März haben sich die Frühindikatoren im Industriebereich in den USA und in China leicht erholt, während sich in Europa, insbesondere Deutschland und der Schweiz, die Lage weiter eingetrübt hat. In den USA wurden im März 196’000 neue Stellen geschaffen. Das aktuelle Stellenwachstum ist dabei immer noch doppelt so hoch, wie der demografische Trend vorgibt. In Deutschland sind andererseits die Industrieaufträge im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 8.4% eingebrochen.

Obligationen / Zinsen

Die Kapitalmarktzinsen sind in den letzten Wochen insbesondere in der Eurozone deutlich zurückgekommen. Der Hauptgrund ist die Entspannung an der Inflationsfront. Die Kernteuerung (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) sank auf 0.8%, dem tiefsten Wert seit elf Monaten. Weltweit werden mittlerweile wieder Anleihen im Betrag von USD 9000 Mrd. mit einer negativen Rendite verzinst. Dies verleitet viele Anleger, in Obligationen mit tiefem Rating zu investieren. Wir bleiben für dieses Segment zurückhaltend.

Gold

Die rückläufigen Realzinsen vermochten den Goldpreis für einmal nicht zu stimulieren. Gemäss dem World Gold Council haben die Notenbanken 2018 651 Tonnen Gold gekauft, was einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 74% entspricht. Dies war das grösste Kaufvolumen der Notenbanken seit Anfang der Siebzigerjahre. Anleger verkauften jedoch jüngst Gold ETF’s und setzten vermehrt auf Aktien. Wir schätzen am Gold nach wie vor die positiven Diversifikationseigenschaften in der Portfoliokonstruktion.

Monetäres Umfeld / Inflation

Tiefe Inflationsraten und schwaches Wachstum lassen die Notenbanken wieder expansiver agieren. Prominente Marktstrategen glauben gar, dass die Inflation tot ist. Als Gründe werden u.a. die Demographie (ältere Leute geben weniger Geld aus als junge) oder der technische Fortschritt (Produkte werden billiger und leistungsfähiger) angegeben. Wir sind skeptischer, da unseres Erachtens der Zusammenhang zwischen Geldmengenausweitung und Inflation nicht für ewig ausser Kraft gesetzt werden kann.

Aktien

Die Erholung an den Aktienmärkten setzte sich auch im März fort. In den USA wird für das erste Quartal mit einem durchschnittlichen Gewinnrückgang von 4% gerechnet. Die Löhne in den USA steigen dagegen um 3%, weshalb es schwieriger wird, die hohen Gewinnmargen zu halten. Generell antizipieren die Aktienmärkte eine Verbesserung der Konjunkturlage im zweiten Halbjahr. Wir sind skeptisch, ob sich die erwartete konjunkturelle Trendwende wirklich einstellt. Kurzfristig dürften Aktien eher seitwärts tendieren.

Asset Allocation

Wir halten an unseren bisherigen Investitionsquoten fest. Aktien bleiben damit nahezu neutral gewichtet. Durch die gestiegenen Aktienpreise erhöhten sich die Aktienquoten automatisch. Wir empfehlen, diese durch ein Rebalancing wieder etwas anzupassen und selektiv Positionen abzubauen. Der Obligationenteil bleibt untergewichtet. Diese Anlageklasse wird noch längere Zeit unattraktiv bleiben, da der Markt durch die Notenbank-interventionen massiv verzerrt ist. Die Goldquote bleibt unverändert.

UNSERE SICHT DER DINGE: DEZEMBER 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Am Rande des G20-Gipfels in Buenos Aires vereinbarten die USA und China eine 90-tägige Verhandlungsfrist zur Lösung des Handelsstreits. Damit gewinnt man etwas Zeit, ohne das Problem wirklich zu lösen. Immerhin wurde am G20-Gipfel beschlossen, die Welthandelsorganisation WTO zu reformieren. Vielleicht ebnet dies den Weg, die Streitschlichtung wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Für die Finanzmärkte bleiben die handelspolitischen Querelen kurzfristig als unbequemer Unsicherheitsfaktor bestehen.

Währungen

Trotz eines allfälligen Marschhalts bei der Normalisierung der US-Zinsen behauptet sich der US-Dollar relativ gut. Der EURO wird durch die aktuell enttäuschenden Konjunkturdaten und die strukturellen Probleme der Eurozone (z.B. Italien) belastet. In Frankreich beunruhigt die Bewegung der Gilets jaunes. Es zeigt, dass es für Präsident Macron schwierig wird, seine Politik durchzusetzen. Die Parteien am linken und rechten Rand wetzen bereits die Messer. Der Euro wird dadurch tendenziell geschwächt.

Globale Verschuldung…

Die globale Verschuldung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, beträgt rund 320%, diese sind über 20% mehr als vor der Finanzkrise. Die Geldpolitik der Notenbanken, welche die Märkte mit billigem Geld überschwemmten, setzten falsche Anreize. Bei den Unternehmensanleihen mit einem BBB-Rating (knapp vor Ramschpapieren) hat sich das Volumen von USD 770 Mrd. 2009 bis heute auf rund USD 2’450 Mrd. erhöht – dies grösstenteils durch Neuemissionen und Herabstufungen. In einer Phase, in der sich das…

…spricht für Gold

…Wirtschaftswachstum verlangsamt, erhöhen sich die Risikoaufschläge für solche Schuldpapiere. Sichere Staatsobligationen werden dann gesucht. Wir halten damit an unserer Empfehlung für qualitativ gute USD-Anleihen im mittleren Laufzeitenbereich fest. Die Zinsentspannung bei den US-Regierungsanleihen gaben dem Goldpreis jüngst eine gewisse Stütze. Sollten sich durch die hohe globale Verschuldung Probleme auf den Kreditmärkten einstellen, wird Gold als Krisenwährung wieder an Glanz gewinnen.

Wirtschaft

In der Schweiz ist das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal unerwartet um 0.2% geschrumpft (Warenexporte -4.2%, Ausrüstungsinvestitionen -2.0%). Auch Deutschland (-0.2%) und Japan (-0.3%) mussten im dritten Quartal Rückschläge beim BIP-Wachstum hinnehmen. In Deutschland hat der Rückgang der Automobilproduktion belastet und in Japan waren es Naturkatastrophen. Generell werden wir uns 2019 weltweit an tiefere Wachstumsraten gewöhnen müssen.

Obligationen / Zinsen

Die veränderte Tonalität der US-Notenbank führte zu einem Rückgang der Renditen bei Staatsanleihen. Zehnjährige US-Treasuries rentieren wieder unter 3%. Dagegen mussten Anleihen mit schlechterem Rating, z.B. BBB, deutliche Kursrückschläge gewärtigen. Dieser Trend dürfte sich im Zuge der zu erwartenden wirtschaftlichen Eintrübung fortsetzen. Falls die EZB Ende Jahr den Kauf von Unternehmens- und anderen Anleihen einstellt, wird dies die Finanzierungsbedingungen auch in Europa verteuern.

Monetäres Umfeld / Inflation

Die jüngsten Abwärtsrevisionen des Weltwirtschaftswachstums durch die OECD, die Turbulenzen an den Aktienmärkten sowie die Dauerkritik von Donald Trump, veranlassten den Chef der US-Notenbank zur Ankündigung, künftig weniger Zinserhöhungen vorzunehmen. Damit nutzt die US-Notenbank in verbaler Form die Möglichkeit, die Märkte etwas zu beruhigen. In der Schweiz fiel die Inflationsrate im November auf 0.9 Prozentpunkte. Der starke Rückgang der Erdölpreise dämpft die Inflationserwartungen generell.

Aktien

Die Aktienmärkte vermochten sich im November etwas zu stabilisieren, eine Rallye zum Jahresende blieb bisher jedoch aus. Die Reaktion nach dem G20-Gipfel war nur ein Strohfeuer. Bei den Schweizer Aktien wurden konjunktursensitive Aktien in defensive Werte umgeschichtet. Diese dienen mangels Alternativen als Obligationenersatz. Anleger vertrauen auf deren stabile Gewinne und Dividendenrenditen. Trotz der erhöhten Volatilität an den weltweiten Aktienmärkten gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Asset Allocation

Innerhalb des Aktienbereichs reduzieren wir die starke Übergewichtung bei den Trends und kaufen eine kleine Position in den Emerging Markets zurück. Diese haben 2018 überdurchschnittlich stark korrigiert. In China werden für 2019 Steuersenkungen für Unternehmen und Haushalte erwartet, welche rund 1.5% des BIP ausmachen dürften. Mangels Alternativen bleiben wir bei den Aktien trotz hoher Volatilität leicht übergewichtet. Selektiv können stark gefallene Einzeltitel guter Firmen hinzugekauft werden.

Unsere Sicht der Dinge: November 2018

Im Consilia Blog gibt die Fontaris AG regelmässig einen Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen des kommenden Monats. Dabei erläutert sie die eigene Sichtweise auf die Geschehnisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Finanzen.

 

Politik

Die Zwischenwahlen in den USA führten zu einem Umschwung im Repräsentantenhaus, wo nun die Demokraten die Mehrheit haben. Der Senat bleibt in republikanischer Hand. Donald Trump wird mit dieser Ausgangslage etwas zurückgebunden. Für die Finanzmärkte wird kurzfristig die Entwicklung des Verhältnisses der USA zu China von Bedeutung sein. In Deutschland hat die Nachfolgeregelung bei der CDU Einfluss auf ihren zukünftigen Erfolg. Eine Kontrastfigur zu Angela Merkel ist unumgänglich.

Währungen

Der US-Dollar konnte sich von seiner Schwäche im September deutlich erholen. Im Protokoll des Offenmarktausschusses der US-Notenbank wurden im Hinblick auf die aktuelle robuste Wirtschaftsentwicklung für 2019 drei Zinsschritte in Aussicht gestellt. Dies gibt dem USD vorderhand eine Stütze. Nebst dem Budgetstreit mit Italien sprechen auch Schwächezeichen in der deutschen Wirtschaft nicht für eine Erstarkung des Euro. Wir bevorzugen deshalb nach wie vor den USD gegenüber dem EUR.

Wirtschaft

Die Weltwirtschaft wächst aktuell weniger synchron als dies noch Anfang des Jahres der Fall war. In den USA betrug das Wachstum im dritten Quartal 3.5%, in der Eurozone betrug der Zuwachs noch 1.7%. In China liegt die Wachstumsrate zwar noch bei 6.5%, dies ist jedoch der tiefste Wert seit der Finanzkrise 2009. Der Trend bei den Frühindikatoren zeigt nach wie vor ein positives Niveau, Abschwächungstendenzen sind jedoch trotzdem klar zu erkennen. Die weltweiten Aktienmärkte antizipieren dies bereits.

Obligationen/Zinsen

Obligationen profitierten in den letzten Wochen von der Korrektur an den Aktienmärkten. In Europa sind die Zinsen am langen Ende unverändert geblieben oder gar leicht gesunken, währenddem sie in den USA weiter gestiegen sind. Sollte die EZB Ende Jahr die Anleihenkäufe stoppen, ist mit einem leichten Anstieg der Kapitalmarktzinsen in der Eurozone zu rechnen. Ungemütlich bleibt der hohe Zinsaufschlag italienischer Staatsanleihen. Wir erachten einzig solide USD-Obligationen mittlerer Laufzeiten als attraktiv.

Gold

Die erhöhte Volatilität an den Aktienmärkten hat den Goldpreis zumindest aufgeweckt. Im Oktober konnte in CHF gerechnet eine deutlich positive Performance erzielt werden. Sollten die Realzinsen in den USA weiter steigen, wird dies den Aufwärtsdrang des Goldpreises wieder dämpfen. Immerhin hat das Gold im Oktober seine Funktion als Krisenwährung erfüllt und im Portfoliokontext zur Stabilisierung beigetragen. Wir empfehlen physische Goldpositionen im Sinne einer Krisenversicherung zu halten.

Monetäres Umfeld/Inflation

Die Inflation bleibt sowohl in den USA als auch im Euroraum unter Kontrolle. Die EZB hat ihr Anleihenkaufprogramm von 30 Mrd. EUR pro Monat auf 15 Mrd. EUR pro Monat zurückgefahren und gedenkt, dieses per Jahresende ganz zu stoppen. In Anbetracht der schwächelnden Konjunktur in der Eurozone ist jedoch auch dies nicht in Stein gemeisselt. In der Schweiz beträgt die aktuelle Inflationsrate immerhin 1.1%. Damit findet die leidige Vermögensumverteilung von den Sparern zu den Schuldnern ihren Fortgang.

Aktieninvestoren…

Der Oktober hat seinem Ruf als gefährlichem Aktienmonat wieder einmal alle Ehre erwiesen. Zyklische Werte wie die Halbleiterindustrie brachen teilweise regelrecht ein. Die Unsicherheit, ob sich die USA und China im Handelsstreit einigen können, führte zu einer Verlangsamung der Investitionen. Die publizierten Drittquartalszahlen übertrafen zwar in den USA mehrheitlich die Erwartungen, doch äusserten sich viele Firmen vorsichtig über die Zukunft. Diese Unsicherheiten führten zu einer Branchenrotation…

…brauchen starke Nerven

…hin zu defensiveren Aktien der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie. Nach den Zwischenwahlen in den USA und dem Auslaufen der Bilanzpublikationen erwarten wir eine Beruhigung an den Aktienmärkten. Als Katalysator einer Kurserholung könnten sich Fortschritte im Handelsstreit zwischen den USA und China erweisen. Donald Trump hat diesbezüglich bereits positive Signale von sich gegeben. Wir empfehlen selektive Zukäufe bei stark unter die Räder geratenen Schweizer Qualitätsaktien.

Asset Allocation

Im Aktienbereich erhöhen wir die Quote bei den Schweizer Aktien von einem leichten Untergewicht auf neutral. Wir erwarten, dass sich die Aktienmärkte nach den starken Oktoberturbulenzen wieder etwas erholen werden. Saisonale Effekte sowie die Unsicherheit betreffend der Zwischenwahlen in den USA sowie eine von uns erwartete Annäherung zwischen China und den USA stimmen uns etwas zuversichtlicher. Insgesamt sind wir nun bei Aktien leicht übergewichtet. Obligationen bleiben untergewichtet.