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ESPORTS: DIGITALE ATHLETEN EROBERN DIE ARENEN

Gaming galt lange als wenig ernsthafte Freizeitbeschäftigung – für eine kleine Nischengruppe und reine Ablenkung von den wichtigen Dingen des Lebens. Diese Wahrnehmung hat sich gewandelt: Mittlerweile gibt es mehr Gamer als Nicht-Gamer, der Markt bricht einen Rekord nach dem anderen und die Szene professionalisiert sich zusehends. Mit Carlo Bertone von der FONTARIS AG sprechen wir darüber, was für E-Athleten zum Thema Planung und Vorsorge zu beachten ist.

Betrachtet man den Umsatz und die Wirkung von Spielen in der Popkultur, befindet sich Gaming mittlerweile mindestens auf Augenhöhe mit Musik, Kino oder den beliebtesten Sportarten. Gerade mit Letzteren tritt ein wachsender Zweig der Branche – Esports – in direkte Konkurrenz. Spiele wie League of Legends, Overwatch oder DOTA 2 locken ein Millionenpublikum an die Bildschirme, organisieren professionelle kompetitive Ligen und schütten bei Events sehr hohe Preisgelder aus. Auch andere Player wollen in das vielversprechende Geschäft einsteigen. Fussballclubs eröffnen eigene Esports-Abteilungen und die PostFinance hat kürzlich die Gründung eines Esports-Teams angekündigt. Der derzeitige Höhepunkt dieser Entwicklung: Esports könnte in einer der nächsten Ausgaben olympische Disziplin werden.

Neuste Ambition der Generation Z

Schon jetzt gesellt sich die Profession des Esports-Athleten zu Fussballprofi, Popstar, Youtuber und weiteren Traumberufen, welche die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von heute anstreben. Die Möglichkeit, mit Gaming Geld zu verdienen ist dabei nicht auf Esports beschränkt: Streamer auf Twitch und Youtube filmen sich selbst beim Spielen und machen dank grossem Publikum genug Geld, um die Leidenschaft zum Beruf zu machen.

Sport der anderen Art

Im Vergleich zu traditionellen Sportarten sind andere Fähigkeiten gefragt. Kraft und Ausdauer spielen keine oder eine nur sehr untergeordnete Rolle. Das Trainingsprogramm ist aber ebenso hart: Taktisches Verständnis, Reaktionsvermögen und Konzentrationsfähigkeit sind für eine erfolgreiche Karriere unverzichtbar – und je nach Spiel unterschiedlich gewichtet. Um in der Weltspitze mithalten zu können, fallen in den Topteams wöchentlich locker 40 Trainingsstunden an: etwa zur Analyse anderer Spieler, der Übung verschiedener Spielmodi oder strategischen Planungen mit dem eigenen Team.

Und danach?

Neben professionellen Ligen und einem komplexen Umfeld entsteht aktuell ein ganz neuer Industriezweig rund um Esports. Gaming-Medien, online und offline, suchen Experten für die Berichterstattung. Ebenso gefragt sind Coaches und Manager für die Mannschaften, die weltweit ihr Debüt feiern. Und für die actionreichen Events kommen erfahrene Veranstalter und Kommentatoren mit der notwendigen Expertise zum Einsatz. Doch auch hier gilt, dass die Anzahl weiterführender Stellen deutlich geringer ist als die der Esportler. Letztere gehen im Schnitt mit nur 25 Jahren in Rente, weil sie den Zenit der relevanten Fähigkeiten dann schon überschritten haben. Dies meist noch dazu ohne Ausbildung, da ihr Eintritt ins Business meist mit 16 bis 18 Jahren beginnt.

Wir haben mit Carlo Bertone von der FONTARIS AG gesprochen. Er berät junge Spitzensportler bezüglich ihrer Karriere- und Vermögensplanung sowie Vermögensverwaltung.

 

Consilia Group: Was erachten sie als grösste Gemeinsamkeit von klassischen Sportarten und Esports?

Carlo Bertone: Der kompetitive Gedanke Bei beiden Disziplinen geht es darum, im sportlichen Wettkampf mit anderen ein Spiel zu spielen. Ausserdem gibt es bei beiden Sportarten Team- und Einzelspiele. «Ohne Fleiss kein Preis» – Auch bei Esports stellt sich der Erfolg nicht von alleine ein! Talent, ausgeprägte motorische Fähigkeiten, taktisches Verständnis und psychische Belastbarkeit sind Grundvoraussetzungen, die ein Esports-Athlet mitbringen muss, danach führt der Weg zum erfolgreiche Esports-Profi nur über Training, Training und nochmal Training.

C.G.: Inwiefern hebt sich die Planung eines Esports-Athleten von denen anderer Sportler ab?

C.B.: Esports steckt in den Anfängen, die Strukturen wie bei klassischen Sportarten fehlen mehrheitlich noch. Eine Esports-Karriere beginnt sehr früh, ist mit Reisen zu den wichtigen Turnieren weltweit verbunden und die Zeit als Esports-Profi ist momentan sehr kurz. Daraus leite ich ab, dass die «Laufbahnplanung» vor allem in der Verantwortung der Familie liegt und dass Zeit als wertvolles Gut, sowohl für den Esports-Athleten als auch für seinen «Betreuerstab», noch stärker an Bedeutung gewinnt für das Erreichen der Meilensteine und schlussendlich des Ziels.

C.G.: Könnten Sie sich vorstellen, in Zukunft auch Esports-Profis zu beraten?

C.B.: Esports-Profis sind meines Erachtens nach jünger und die Zeit als Profi kürzer als bei konventionellen Sportarten. Was ich damit sagen will ist, dass die Profikarriere eines Esportlers bildlich gesprochen im Elternhaus beginnt und in den meisten Fällen auch dort endet, während die konventionelle Profisportkarriere in der Regel kurz vor oder mit dem Auszug aus dem Elternhaus startet. Darum stellt sich mir die Frage des idealen Zeitpunktes und in welcher Form ein Coaching Mehrwert für alle Beteiligten schafft – meine Antwort lautet JA.

C.G.: Was halten Sie an diesem noch jungen Zweig für besonders spannend?

C.B.: Ich war nie ein «Konsolenspieler», konnte jedoch etliche Male miterleben, wenn meine Söhne gegeneinander oder mit Freunden Fifa spielten. Im sehr kleinen Rahmen habe ich gespürt, welche Spannung und Emotionen das Spiel Fifa bei den «Athleten» und auch bei mir ausgelöst hat. Ich kann gut verstehen, dass Esports-Turniere faszinieren, von Millionen live mitverfolgt werden und grosse Hallen und Fussballstadien füllen! Spannend für mich ist die Tatsache, dass Esports nicht nur von jungen Menschen verfolgt wird, sondern praktisch jede Altersklasse begeistert.

C.G.: In welchen Aspekten müsste sich die Esports-Branche weiter professionalisieren, um ein gesichertes Umfeld zu bieten?

C.B.: Wie schon erwähnt fehlen im Esports noch die Strukturen. Doch mit zunehmendem Interesse der Vereine an dieser auch wirtschaftlich sehr interessanten Sportart wird sich diese Situation in den nächsten Jahren meiner Meinung nach stark verändern. Einer Studie der deutschen Sporthochschule zufolge sind Esports-Profis wahre Athleten, doch müssten im Esports die Trainingsmethoden verbessert werden: etwa der Fitness und  Ernährung die nötige Wichtigkeit beimessen und zudem mit Trainingseinheiten das gesamte Halte- und Stützsystem im Schulter- und Nackenbereich stärken. Für Vereine, die eine Esports-Mannschaft stellen und sich Strukturen der klassischen Sportarten zum Vorbild nehmen wollen, stellt die Umsetzung die grösste Herausforderung dar. Auch weil sich die Mannschaften in den wenigsten Fällen nur aus Spielern zusammensetzen, die den gleichen Lebensmittelpunkt haben.

 

Weiterführende Informationen zum Thema:

Sportwissenschaftler: eSports-Profis sind wahre Athleten

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